Wadersloh (mw/bb). Das Thema Energiewende und Windenergie ist der derzeit in aller Munde. Parallel zu den mittlerweile vier Leserbriefen kursiert in der Gemeinde Wadersloh seit dem Wochenende auch eine Postwurfsendung mit sehr ähnlichen Argumenten gegen die geplanten Windkraftanlagen (u.a. Herzebrockweg, Basel). Herausgegeben wird es von einer als „Bürgerinitiative Wadersloh für vernünftige Energiepolitik“ auftretenden Gruppe, die dabei auf die Internetseite „Vernunftkraft.de“ verweist. Genau hier beginnt die Frage nach Transparenz.
Bürgerinitiativen spielen in kommunalen Debatten eine wichtige Rolle. Sie können Anliegen bündeln, Diskussionen anstoßen und Beteiligung ermöglichen. Voraussetzung dafür ist jedoch Offenheit: Wer steht hinter der Initiative? Wie ist sie organisiert? Und in welchem größeren Netzwerk bewegt sie sich?
Der Verweis auf „Vernunftkraft“ ist deshalb relevant. Dabei handelt es sich nicht um eine lokale Initiative aus Wadersloh, sondern um ein 2013 gegründetes bundesweites Netzwerk von Windkraftgegnern mit regionalen Gruppen und politischen Positionen zur Energiepolitik (unterstützt wird Vernunftkraft von der AfD und Teilen der FDP). Das muss nicht automatisch die Inhalte eines „Flugblatts“ entwerten, wohl aber gehört diese Einordnung zur fairen Information der Öffentlichkeit. Laut dem Transparenz-Projekt Lobbypedia, das von der Organisation LobbyControl betrieben wird, unterstützt Vernunftkraft lokale Gruppen unter anderem mit Argumentationsmaterial, Vernetzung und Öffentlichkeitsarbeit. Die Organisation selbst bezeichnet sich als unabhängige Bürgerinitiative für eine andere Energiepolitik.
Gerade in emotional geführten Debatten über Windkraft, Landschaftsschutz und Energiewende ist Transparenz entscheidend. Bürgerinnen und Bürger sollten wissen, ob Argumente aus der unmittelbaren Nachbarschaft kommen oder Teil einer größeren, überregional organisierten Kampagne sind. Nur so lässt sich eine sachliche und ehrliche Diskussion vor Ort führen. Die politische Beratung zum Thema Windkraft und Anlagen-Neubau erfolgt am 16. März 2026 im Rat der Gemeinde Wadersloh.
Nachtrag der „Bürgerinitiative Wadersloh für vernünftige Energiepolitik“
Nach dem Kommentar hat uns die „Bürgerinitiative Wadersloh für vernünftige Energiepolitik“ am 10. März mitgeteilt, wer hinter der Initiative steckt. Auf Wunsch der Gruppe folgt eine transparente Darstellung ihrer personellen Zusammensetzung:
„Am 09. März 2026 hat Benedikt Brüggenthies auf seiner Internetseite mein-wadersloh.de einen Kommentar zu der am vergangenen Wochenende von unserer Bürgerinitiative verbreiteten Postwurfsendung veröffentlicht. Zu den aufgeworfenen Fragen und Einordnungen möchten wir im Sinne der Transparenz wie folgt Stellung nehmen:
• Hinter der „Bürgerinitiative Wadersloh für vernünftige Energiepolitik“ stehen die vom Projekt „Herzebrockweg“ betroffenen Bürger, vertreten durch Petra Konert, Hermann Bühlbecker, Bärbel Lütke-Stratkötter, Matthias Bürger, Heinz Bühlbecker, Anita Bühlbecker, Dirk Raschke, Annette Mense-Raschke, Celina Pischa, Daniel Raschke, Christa Teichert, Sarah Teichert, Andre Damhorst, Marco Bühlbecker, Hagen Ostermann, Tanja Lütke-Stratkötter, Ingrid Bücker, Corinna Müller, Reinbert Müller.
• Wir sind eine Initiative von Bürgerinnen und Bürgern ohne Vereinsstruktur.
• Wir bewegen uns in keinem Netzwerk und koordinieren uns ausschließlich untereinander.
• Der Verweis auf „Vernunftkraft“, als bundesweite Initiative, diente insofern nur als Link, unter dem man zusätzliche Argumente gegen den weiteren chaotischen Zubau von Windenergieanlagen nachlesen kann.
• Der bekannteste Unterstützer von „Vernunftkraft“ ist Prof. Dr. Fritz Vahrenholt, SPD-Mitglied, ehemaliger Umweltsenator von Hamburg, Buchautor und u. a. ehemaliger Vorstand des WindkraftunternehmensRepower Systems AG und Vorstandsvorsitzender der REW Innogy GmbH. Auf der Website finden sich als Unterstützer weitere renommierte Wissenschaftler und Bundesverdienstkreuzträger.
• Dass sich die Positionen von Vernunftkraft mit Positionen von politischen Parteien überschneiden, die die gegenwärtige Energiepolitik kritisch sehen, ist naheliegend, aber durch uns nicht beeinflussbar.
• Wir agieren politisch unabhängig. Es geht uns allein darum, unsere Argumente in die aktuelle Diskussion einzubringen und dafür zu sensibilisieren, was die anstehende Entscheidung im Rat für Auswirkungen hier bei uns in Wadersloh hat.„
zus. Quelle: Bürgerinitiative Wadersloh für vernünftige Energiepolitik
zus. Quelle: Lobbypedia; aufgerufen am 9. März 2026

