Diestedde (mw/bb). Es war ein Besuch mit persönlicher Note und mit viel Geschichte im Gepäck: Clemens Freiherr von Wendt-Papenhausen (Jahrgang 1946) hat Mitte Februar 2026 erstmals Schloss Crassenstein besucht, jenes Wasserschloss, das über Jahrhunderte Stammsitz eines Teils seiner Vorfahren war.
Der Rechtsanwalt lebt seit 1987 mit seiner Familie auf dem Gutshof Güntersen im niedersächsischen Adelebsen im Landkreis Göttingen. Anlass seiner Reise nach Westfalen war zunächst ein Treffen der „Westfälischen Adelsarchive“ am 18. Februar in Münster. Auf dem Rückweg nutzte er die Gelegenheit für einen Abstecher ins Nikolausdorf Diestedde, an einen Ort, von dem er seit Kindheitstagen gehört hatte.
Empfangen wurde der Freiherr von den heutigen Schlosseigentümern Dr. Gregor Schwert und Dr. Frank Röschinger sowie Gästeführer Werner Eckey. Gemeinsam besichtigte die kleine Runde die nahezu vollständig renovierten und instandgesetzten Räumlichkeiten. Sichtlich bewegt zeigte sich Freiherr von Wendt insbesondere von den Deckengemälden im großen Saal, der heute vor allem für Empfänge, Versammlungen und kulturelle Veranstaltungen genutzt wird. „Ich war immer schon neugierig auf das Wasserschloss in Diestedde. Als Kind hörte ich erstmals davon. Wir wussten natürlich, dass Crassenstein existierte, aber tatsächlich habe ich jetzt erstmals den Weg hierher gefunden“, sagte der Freiherr. Viele Fotos habe er gesehen, „aber in natura ist das Schloss noch eindrucksvoller“.






Die Verbindung seiner Familie zu Crassenstein reicht bis ins Jahr 1419 zurück. Damals erwarben die von Wendts das Vorgängerschloss; zu Beginn der 1620er-Jahre begann der Bau der heutigen Renaissanceanlage. Erst 1877 endete die direkte Linie der Crassensteiner von Wendt. „Heute existiert dieser Familienzweig nicht mehr. Keine Person ist mehr direkt damit verbunden. So hat man davon bei uns in der Familie nur am Rande etwas mitbekommen. Allerdings besteht die ca. 1550 aus Crassenstein hervorgegangene Linie der Freiherrn von Wendt-Papenhausen weiter,“ erklärte von Wendt.
Sein Großvater wurde noch 1877 auf Schloss Gevelinghausen geboren, bis in die 1980er der Sitz des eigenen Familienzweigs Wendt-Papenhausen. Dort fand im Herbst 2025 auch ein großes Familientreffen statt. Ein in diesem Rahmen entstandenes Fotoalbum mit historischen Bezügen enthielt auch Aufnahmen von Schloss Crassenstein und gab einen weiteren Anstoß für den nun erfolgten Besuch.
Mit berechtigtem Stolz präsentierte der Freiherr auf Crassenstein das Familienwappen mit den drei Sturmhauben und dem Ritterarm, der als Alleinstellungsmerkmal das Wappenschild hält, und den Wappenbesserungen mit dem charakteristischen Wendt’schen Greif (Anm.: Der „Greif“ ist ein Fabeltier mit Löwenleib, Adlerkopf und Krallenfüßen. Es war das Wappentier des westslawischen Volksstamms der Wenden, der auch im Raum Bad Salzuflen-Papenhausen siedelte und von dem die Freiherren von Wendt ihren Namen ableiteten.) Gleichzeitig zeigte er sich dankbar gegenüber den heutigen Eigentümern und dem Gästeführer für die Einblicke, nicht nur in die restaurierten Räume, sondern auch in die eigene Familiengeschichte.
„Ich bin froh und dankbar, dass das Schloss auch heute noch existiert und sich immer wieder Menschen des Gebäudes angenommen haben, um es zu erhalten und die Historie zu bewahren. Die Begegnungen hier vor Ort waren für mich sehr wertvoll. Den Besuch möchte ich auf jeden Fall wiederholen.“
Ob es eines Tages sogar ein Familientreffen der von Wendts in Diestedde geben wird, ließ der Freiherr offen. Ausschließen wollte er es nicht. Fest steht aber: Die Familienforschung möchte er intensivieren und eine umfassende Übersicht über die einzelnen Häuser derer von Wendt erstellen. Für die Geschichte von Schloss Crassenstein war die Stippvisite eine Brücke zwischen Vergangenheit als Adelssitz und der Gegenwart als kultureller Begegnungsort und Zentrum für Innovation. Was die Zukunft wohl bringen mag?
Fotos/Text: B. Brüggenthies


