Wadersloh (mw). Am Herzebrockweg und in Bornefeld befürchten langjährige Anwohnerinnen und Anwohner derzeit eine einschneidende Veränderung ihres Lebensumfelds. Einige Anwohner sehen den weiteren Ausbau von Windkraftanlagen kritisch. Ein Leserbrief von Bärbel Lütke-Stratkötter schildert, wie die geplanten Projekte die Heimat und den sozialen Zusammenhalt nachhaltig beeinflussen könnte und wirft zugleich Fragen nach Nutzen, Belastung und fairer Verteilung auf.
Leserbrief im Wortlaut: „Wenn Heimat ihren Charakter verliert“
„Wer viele Jahre an einem Ort lebt, merkt sehr genau, wann sich etwas grundlegend verändert. Für viele Familien im Bereich Bornefeld und am Herzebrockweg ist dieser Punkt inzwischen erreicht.
Seit Jahrzehnten leben hier Menschen mit ihren Kindern und Enkelkindern. Was diesen Teil von Wadersloh immer ausgezeichnet hat, war die Ruhe, die Nähe zur Natur und ein starkes, gewachsenes Miteinander. Spaziergänge durch die Landschaft, Vogelstimmen statt Dauergeräusche, ein weiter Blick statt industrieller Kulissen – all das ist Teil unserer Heimat. Mit der Windkraftanlage am Klärwerk im Jahr 2017 hat sich dieses Gefühl bereits spürbar verändert. Trotz rund 1.200 Metern Entfernung ist die Anlage präsent – sichtbar und hörbar. Nun sollen drei weitere Anlagen folgen, deutlich näher an den Wohnhäusern und mit einer Höhe von 261 Metern. Das ist keine kleine Anpassung mehr, sondern ein massiver Eingriff, der den Charakter dieses Raumes dauerhaft verändert.

Dabei geht es nicht nur um Lärm oder Schattenschlag. Es geht auch um Natur und Tierwelt, die sensibel auf solche Veränderungen reagieren. Wer regelmäßig draußen unterwegs ist, weiß, wie vielfältig diese Landschaft ist – und wie schnell dieses Gleichgewicht kippen kann. Hinzu kommen offene Fragen zu langfristigen Auswirkungen wie Infraschall oder möglichen Belastungen von Böden und Äckern. Sicher beantwortet sind diese Fragen bis heute nicht. Auch wirtschaftlich bleibt vieles fragwürdig. Immer öfter hören wir von steigenden Netzentgelten, die alle Bürgerinnen und Bürger über die Stromrechnung zahlen müssen. Gleichzeitig stehen Windräder still, weil Strom nicht gebraucht wird oder negative Preise drohen. Nutzen und Belastung scheinen hier ungleich verteilt zu sein. Besonders schmerzlich ist, dass solche Projekte Nachbarschaften spalten können: wenige Profiteure auf der einen Seite, viele Betroffene auf der anderen. Das gefährdet den sozialen Zusammenhalt – etwas, das man nicht mit Geld aufwiegen kann.
Die Energiewende ist wichtig, aber nicht auf Kosten aller Wadersloher durch höhere Netzentgelte. Und sie darf nicht dazu führen, dass Heimat, Natur und Gemeinschaft auf der Strecke bleiben. Vielleicht ist jetzt der Moment, gemeinsam innezuhalten und zu sagen: Nicht hier. Nicht so.„
Bärbel Lütke-Stratkötter, Wadersloh
Anm. d. Red.: Leserbriefe spiegeln nicht die Meinung der Redaktion wider. Mein-Wadersloh.de behält sich eine Veröffenlichtung und die Kürzung von Einsendungen vor.
Quelle: Bärbel Lütke-Stratkötter, Beitragssymbolbild: mw/bb.

