Liesborn (mw/bb). Also mal ehrlich. Von so einem kleinen Schneegestöber lässt sich der große Liesborner Karneval doch nicht aufhalten! Das waren gerade einmal 20 cm Neuschnee! Und im Liesedorf ging es um nichts Geringeres als das 8. Weltwunder! Statt regenwolkenblauem Wunder gab es (zumindest bis zum letzten Drittel des Umzugstreibens) vor allem blauen Himmel mit weißen Wölkchen und Sonnenschein!




Um Punkt 14.11 Uhr hatte der Elferrat den Startschuss gegeben und der kilometerlange Lindwurm setzte sich in Bewegung. Angeführt vom Zeremonienmeister Philipp Drees und begleitet vom jubelnden Publikum zog sich der bunte Lindwurm durch die Königstraße. Mit dabei: Das Liesborner Wappentier Wum (gezogen von Jörg Linnemeyer), zahlreiche Fußgruppen, fantasievoll gestaltete Motivwagen und Musikkapellen, die für den passenden Takt sorgten. Wie könnte es anders sein, war die Stimmung ausgelassen. Die Schneematschberge hatten dem nun wirklich nicht entgegenzusetzen. Bunt, bunter, Liesborner Karneval! Das muss gefeiert werden, bevor am Aschermittwoch alles verloren ist. Das ließen sich die Jecken nicht zwei Mal sagen! Zwei Runden ging es durch den Dorfkern und entlang der Königstraße wurde nach Karnevals-Herzenslust ausgelassen gefeiert.





Dass Liesborn Karneval kann, hat man in den nun 53. Sessionen zu genüge unter Beweis gestellt. Aber auch die Kreativität kannte wieder keine Grenzen. Was den Liesborner Rosenmontagszug seit Jahren besonders macht, ist die Detailverliebtheit seiner Gruppen. Viele Kostüme und die Wagen sind in monatelanger Arbeit entstanden. Ob als Rugby-Team verkleidete „Pearls“, detailverliebte „Pinocchios“ mit handgenähten Kostümen oder die „Mixed Pickles“ als Wächter des 8. Weltwunders mit kunstvollen Kabuki-Masken: Die Gruppen bewiesen eindrucksvoll, wie viel Herzblut im Liesborner Karneval steckt. Viele von ihnen sind seit Jahren, manche seit Jahrzehnten ohne Unterbrechung dabei.
Nicht ganz so scharf wie im Rheinland fielen die Spitzen gegenüber der Politik aus. Der Landrat und sein Bauamt in Warendorf aber wurden gleich 2x karnevalistisch thematisiert. Das Fachwerk-Areal (für viele eine Art Dorfweltwunder) an der Lippstädter Straße ist und bleibt ein wichtiges Denkmal-Thema in der Großgemeinde. Die „Wilde 13“ aus Diestedde etwa verwandelte ihr Gefährt in eine rollende Baustelle inklusive Mini-Bagger. Ein logistisches Meisterstück, wie im Vorfeld zu hören war. Und auch der KV Wum spielte Baumeister und errichtete ein fahrbares Fachwerk samt Kiepenkerl-Begleitung. Nicht ganz so glücklich ist das Liesedorf-Karnevalsvolk mit der Schließung der letzten Tanke samt Waschstraße im Ort. Wo doch in Wadersloh („Liesborn Nord“) gleich vier davon existieren. Die berechtigte Frage: Wo man denn nun „fatal, nicht Aral“ waschen könne. Alles aber mit einem Augenzwinkern, aber treffsicher. Die Popkultur fand sich ebenfalls wieder: Wicked, Pinocchio und die Eiskönigin trafen sich zum närrischen Stelldichein!
Auch die Garden, Hofstaat-Gruppen und befreundeten Vereine aus Liesborn und den Nachbarorten machten deutlich, wie eng die karnevalistischen Bande in der Region geknüpft sind. Auffällig war die enorme Bandbreite der Teilnehmenden: Kinder in Korallen- und Fischkostümen zogen ebenso mit wie langjährige Karnevalisten mit jahrzehntelanger Umzugserfahrung.

Bürgermeister Christian Thegelkamp ließ es sich nicht nehmen, vom Moderationswagen aus, ein Grußwort an die Jecken zu richten. Mit einem kräftigen „Liesborn Helau!“ heizte er der Menge zusätzlich ein. Der Blick über die dicht gefüllten Straßen zeigte: Das Dorf war auf den Beinen – und trotzte dem einsetzenden Schneenieselregen. Bis zur letzten Gruppe, der Kolpingjugend mit winterlichem „Weihnachtsmann & Co.“-Motto , blieb die Begeisterung ungebrochen. Der Umzug zog traditionell ein zweites Mal durch den Ortskern, bevor sich das närrische Treiben in das Festzelt am Abteiring verlagerte.
Der Rosenmontag 2026 hat einmal mehr gezeigt: Liesborn kann Karneval. Sogar weltwunderlich! Mit Kreativität, Gemeinschaftssinn und einer ordentlichen Portion Selbstironie verwandelte sich das Dorf in eine generationsübergreifende Hochburg des närrischen Frohsinns. Und eines ist sicher: Nach dem Umzug ist vor dem Umzug. Wir freuen uns schon auf die 54. Session! Liesborn Helau!
Fotos/Text: B. Brüggenthies

Bildergalerie: Rosenmontagsumzug in Liesborn (2026)









































