Liesborn (mw/bb). Im Ausschuss für Schule, Kultur und Sport ist am 10. Februar die kommende Saison der Liesborner Museumskonzerte vorgestellt worden. Mit dem 55. Kammermusikjahr schlagen die Veranstalter 2026 ein weiteres Kapitel einer Konzertreihe auf, die weit über die Region hinaus Anerkennung genießt. Als 1972 das erste Silvesterkonzert im Treppenhaus des heutigen Museum Abtei Liesborn stattfand, ahnte wohl niemand, dass daraus eine der traditionsreichsten Kammermusikreihen Westfalens entstehen würde. Ein altes Foto dieses Konzerts, dicht gedrängt im historischen Treppenhaus, zeugt noch heute von den Anfängen eines Festivals, das mittlerweile in sein 55. Kammermusikjahr geht.
Initiator jener ersten Stunde war Florian Meyer-Langenfeld, dessen organisatorische und programmatische Arbeit (die er bis 2021 ausführte) „nicht hoch genug angerechnet werden kann“, wie dessen Nachfolger Jörg Lopper in seinem historischen Abriss verdeutlichte. In den letzten Jahren wurde das Festival kontinuierlich weiter professionalisiert und zugleich inhaltlich geöffnet. In seiner Präsentation warf Jörg Lopper als künstlerischer Leiter der Reihe einen Blick zurück auf eine erfolgreiche Vorsaison.



Dem gefeierten Saisonabschluss 2025, das Silvesterkonzert mit dem Pianisten Benyamin Nuss (der als musikalischen Überraschungsgast seinen Vater Ludwig Nuss samt Posaune mitbrachte) ging eine vielseitige Konzertsaison im Frühjahr voraus. Erstmals bereicherte ein Jazz-Trio das Programm. Auch das seit drei Jahren etablierte Kinderkonzert sowie das Frank-Dupree-Trio mit der künstlerischen Begleitung durch Clara Hütteroth stehen exemplarisch für die behutsame Erweiterung des Repertoires. Die ergänzenden Zusatzveranstaltungen für junge Menschen werten das Programm weiter auf. Für die Verantwortlichen ist dies mehr als ein Nebenaspekt: Es gehe um kulturelle Bildung, „der man sich nicht verschließen möchte“.
Ungebrochen großes Interesse: Das Programm 2026 wird wieder vielseitig
Das neue Programm 2026 vereint erneut internationale Spitzenensembles, ungewöhnliche Formate und gezielte Nachwuchsförderung. Die Eröffnung ist lange im Voraus geplant: Zwei Jahre Vorlauf sind keine Seltenheit. Die Saison beginnt am 15. Mai mit einem musikalisch-literarischen Abend, der Musik und Sprache verbindet („Karneval des Glücks“). Inspiriert vom Werk des 2016 verstorbenen Publizisten und Intellektuellen Roger Willemsen gestalten Katja Riemann, Franziska Hölscher und Marianna Shirinyan ein Programm, in dem Camille Saint-Saëns’ „Karneval der Tiere“ in gereimter Fassung auf Willemsens Erzählung „Das müde Glück“ trifft.
Erstmals in Liesborn gastiert das „Marmen Quartett“. Mit Werken von Haydn, Purcell, Debussy und Bartók stehe das Ensemble für eine internationale Kammermusikkultur auf höchstem Niveau, so Lopper. Ein Wiedersehen gibt es mit dem „Notos Quartett“, das nach seinem erfolgreichen Debüt in neuer Besetzung zurückkehrt. Neben Mozart stehen Werke von Dora Pejačević und Camille Saint-Saëns auf dem Programm. Einen ungewöhnlichen Zugang zur klassischen Tradition bietet das Ensemble „Passo Avanti“, das Musik von Bach, Brahms und Verdi in eigenen Arrangements in eine zeitgemäße Klangsprache überführt. Hiyoli Togawa und Alexej Gerassimez kommen mit ihrem Programm „Songs and Fabrics“ am 13. Juni. Am 20. Juni gestalten die Pianisten Jonas Stark und Gabriel Yeo mit „Wiener Lebenstürme“ die letzte Abendveranstaltung im Liesedorf.
Wie schon in den vergangenen Jahren findet vor den Abendkonzerten jeweils um 18:15 Uhr eine Konzerteinführung statt. Breiten Raum nahm in der Ausschusssitzung die Erwähnung die Nachwuchsförderung ein. Mit Kinderkonzerten, etwa unter dem Motto „Mit der Bratsche um die Welt“, sowie den beliebten Orgelprojekten für Grundschulkinder und dem Format „Liesborner Debüt“ verstehe sich das Festival ausdrücklich als kultureller Bildungsakteur.

Die Zahlen sprechen für sich: Mit einer aktuellen Auslastung von 93 Prozent bei 114 verfügbaren Plätzen zeigt sich das Organisationsteam sehr zufrieden. Das Publikum nehme das Format „sehr gut“ an, so Lopper am Ausschussabend. Rückblickend war 2025 ein Jahr markanter Akzente, die klassische Konzertreihe blieb dennoch Herzstück des Festivals. Das Interesse war zeitweise so groß, dass der Veranstalter selbst auf dem Flur stehen blieb, weil alle Plätze besetzt waren. Ein „Liesborner Debüt“ mit integriertem Popsong setzte zudem ein Zeichen für stilistische Offenheit. Zugleich richtet sich der Wunsch an die weiterführenden Schulen und Grundschulen, verstärkt eigene Initiative zu zeigen und die Angebote noch intensiver zu nutzen.
Räumliche Enge als Markenzeichen, aber auch als Herausforderung
Auch politisch fand das Festival Anerkennung. Jürgen Rühl (CDU) sprach von einer „außergewöhnlichen Geschichte“ mit namhaften Künstlerinnen und Künstlern. Mit Blick auf die 93-prozentige Auslastung fragte er nach Wegen zur Vollauslastung. Loppers Antwort: Weiter erzählen, im Umkreis werben, Flyer verteilen und auf den Freundeskreis hinweisen, der inzwischen 110 Mitglieder zählt – Tendenz? Steigend!

Alexandra Essel (FWG) zeigte sich positiv überrascht vom Liesborner Debüt. Elisabeth Hollenhorst (Grüne) äußerte Bewunderung, verwies jedoch auf die räumliche Enge und fehlende Lüftung im Sommer. Lopper räumte die Herausforderung ein, betonte jedoch zugleich den besonderen Reiz: Die Nähe zwischen Musizierenden und Zuhörenden mache das Konzerterlebnis intensiv und unmittelbar. „Die Leute sitzen den Künstlern quasi auf dem Schoß.“ Daran lasse sich wenig ändern, außer gelegentlich die Fenster und Türen zu öffnen. Aber der Charakter der Kammermusik lebt eben genau von dieser Nähe zwischen den Musikerinnen und Musikern und dem Publikum.

Das Kammermusikfestival in Liesborn bleibt das, was es seit 1972 ist: Ein Ort der musikalischen Begegnung. Dabei spielen auch die Unterstützenden eine große Rolle, die Jörg Lopper nicht unerwähnt ließ. Die Unterstützung der Gemeinde Wadersloh sei wichtig, um den Fortbeststand des Musikformats zu ermöglichen. Und natürlich auch das rechzeitige Resevieren der Karten:
Kartenvorverkauf ab dem 15. März 2026
Der Online-Kartenvorverkauf beginnt am 15. März 2026, Mitglieder des Freundeskreises können bereits ab dem 10. März Tickets erwerben. Wer sich über das Festival und Fördermöglichkeiten informieren möchte, wird auch der Webseite fündig (externer Link).
Fotos/Text: B. Brüggenthies


