Wadersloh (mw/bb). Wie allgemein bekannt, ist der „Liesborner Karneval“ ein feststehender Begriff für die 5. Jahreszeit in der Gemeinde Wadersloh. Damit das größere Nachbardorf Wadersloh gar nicht erst auf die Idee kommt, den Karneval für sich zu beanspruchen, wird seit 16 Jahren der (symbolische) Schlüssel zum Verwaltungssitz von Altweiberfastnacht bis Klingeldienstag an die Liesborner Rosenmontagsfreunde übergeben. Der Rathaussturm war auch in der 16. Auflage ein Garant für beste Laune. Bürgermeister Christian Thegelkamp und eine Delegation aus dem Rathaus mussten in diesem Jahr zum großen Gemeinde-Quiz gegen die Romo-Freunde antreten.



Wenn der Bus von Glockenland-Reisen vorfährt und ein bunter Haufen Romofreunde hinausströmt, gibt es kein Halten mehr. An allen drei Rathaus-Masten flattern die Farben des Karnevals. Im Innern des Rathauses tobte ab 12 Uhr statt Amtsschimmel der Gute-Laune-Start ins Karnevalswochenende. Allen voran der Elferrrat mit Gefolge und einer großen Delegation der RoMo-Funken geben den närrischen Ton an. Nach knackig-kurzen Begrüßungsworten an die Mitarbeitenden der Verwaltung (die sich Jahr für Jahr ordentlich in Schale schmeißen) und den mitgereisten Romo-Freunden übergab Rudolf Winkelhorst als Vorsitzender der Romo-Freunde das Mikro an das temporär entthronte Gemeindeoberhaupt.
Humorvoller Jahresrückblick mit Untertönen im Rathaus
Bürgermeister Christian Thegelkamp blickte in seiner Büttenrede in gereimter Form auf das vergangene Jahr in der Gemeinde Wadersloh zurück. Zwischen karnevalistischem Wortwitz und Selbstironie setzte er dabei auch politische Akzente. Ein Schwerpunkt seiner Rede lag auf dem 50-jährigen Bestehen der Gemeinde, das mit zahlreichen Veranstaltungen gefeiert wurde. Im Bildungsbereich verwies Thegelkamp auf die Neubesetzung der Leitung des Grundschulverbunds, die Fertigstellung der Offenen Ganztagsschulen in Wadersloh und Liesborn sowie auf das 100-jährige Jubiläum des Gymnasiums Johanneum mit der Einweihung des neuen MINT-Campus.
Im Bereich der Infrastruktur nannte er unter anderem die Umsetzung eines neuen Multifunktionsspielfelds sowie eines Kunstrasenplatzes. Beim Thema Windenergie musste die Gemeinde hingegen einen Rückschlag hinnehmen: Die Bezirksregierung stoppte die 35. Änderung des Flächennutzungsplans. Mit Blick auf den Hochwasserschutz an der Glenne betonte der Bürgermeister die abgestimmte Zusammenarbeit mit der Stadt Lippstadt. In gereimter Form spielte er dabei auf wiederkehrende Einwände und Kritik aus Teilen der Bürgerschaft an, ohne diese ausdrücklich zu benennen.


Auch die Kommunalwahl fand in der Rede Platz. Thegelkamp schilderte einen intensiven Wahlkampf und verwies auf seine Wiederwahl mit rund 80 Prozent der Stimmen. Zugleich thematisierte er veränderte Mehrheitsverhältnisse im Rat, das Auftreten einer neuen Fraktion sowie eine per Los entschiedene Mandatsvergabe. Nicht unerwähnt blieb eine weitere Spitze: Bei einer gemeinsamen Sitzung mit anschließendem Imbiss seien vier Plätze leer geblieben. Auch hier wurden keine Namen genannt. Zum Abschluss betonte der Bürgermeister den Zusammenhalt der Ortsteile und zeigte sich optimistisch für das neue Jahr. Traditionell übergab er schließlich den Rathausschlüssel an die Karnevalisten aus Liesborn.
Gemeinde-Quiz sorgte für viele Lacher
Das Quizzen erfreut sich in der Gemeinde Wadersloh großer Beliebtheit. Naheliegend war es daher, den bisherigen Spielemarathon der Vorjahre durch ein neues Konzept abzulösen. Der Bürgermeister durfte sich auf der Sonnenliege ausruhen und bestimmte mit Silvia Hohenhorst, Norbert Morfeld und Lara Rassenhövel drei Recken, die gegen die Romofreunde im Quiz-Duell antreten.
Wer hätte es gedacht? Die Lange Straße in Diestedde misst 1111 Meter! Ein Karnevalsschelm der Böses (ein versehentliches Vermessen) dabei denkt. Wie viele Wohneinheiten gibt es in der „Rosenhöhe“, wie hoch ist der Hebesatz für Verwaltungsgebühren im Haushaltsplanentwurf? Wie viele Zugpositionen hat der Romo-Umzug am kommenden Montag? Die grauen Zellen waren gefordert und am Ende war alles schön bunt! So soll es sein!
Die Romofreunde verlegten die Feierlichkeiten zu Altweiberfastnacht im Anschluss an den „offiziellen“ Teil an der Liesborner Straße ins Liesedorf in den Bahnhof (Trattoria La Casa), während die Gemeindeverwaltung intern weiterfeierte. Am Samstag folgt die große Karnevalsparty im Festzelt und am Montag dann das große Finale mit einem sicher weltwunderlichen Romo-Umzug durch Liesborn.
Galerie: Närrische Rathausstürmung 2026










Fotos/Text: B. Brüggenthies


