Liesborn (mw/bb). Sie haben den Gardetanz im Liesedorf mit aufgebaut, professionalisiert und Generationen von Tänzerinnen mit auf die Bühne genommen. Nun sagen gleich vier prägende Gesichter der Aktivengarde der RoMo-Funken leise und doch sehr emotionale „Tschüß“ zur Bühne: Lena Baumhöer, Kira Luster-Haggeney und die beiden Gründerinnen Viola Westermann und Elisa Schramme gehen nach rund 15 Jahren in die karnevalistische „Tanz-Rente“. Ein Abschied mit Tränen und einem kleinen Hoffnungsschimmer, dass man die vier vielleicht doch noch auf der Bühne wiedersieht.
MW hat exklusiv mit Elisa Schramme und Viola Westermann über ihr Herzensprojekt und ihren eigenen anstehenden Abschiedstanz gesprochen.
Mit viel Herzblut zur festen Größe im Dorf
Die Geschichte der heutigen Aktivengarde beginnt 2011. Viola Westermann hatte zuvor in Lippetal-Hovestadt getanzt. Als sich die dortige Gruppe auflöste und sie inzwischen in Liesborn lebte, fehlte plötzlich das Hobby. „Ich war traurig zu Hause, dass ich nicht mehr tanzen konnte“, erinnert sie sich. Die zündende Idee: Was es nicht gibt, das kann man ja gründen. Ein Jahr zuvor war man noch als Fußgruppe „Hormonpower“ als Tortenstücke verkleidet im Rosenmontagsumzug unterwegs. Aus dieser Freundesgruppe entstand schließlich die erste Garde, die Keimzelle der heutigen Aktivengarde der RoMo-Funken der Liesborner Rosenmontagsfreunde und des SV Westfalen 21 Liesborn.
2011 folgte der erste offizielle Auftritt. Uniformen wurden angeschafft, Strukturen aufgebaut, Trainings etabliert. Als Viola später berufsbedingt nach Münster zog, übernahmen Henrike Rawe und Elisa Schramme Verantwortung und führten das Projekt weiter. „Seitdem wächst es“, sagt Elisa stolz auf das eindrucksvolle RoMo-Funken-Gesamtwerk.
Ein angekündigter Tränen-Abschied am Samstag
Fast 15 Jahre später steht nun der letzte Auftritt für vier der langjährigen Aktiven-Gardistinnen bevor. Auf die Frage, wie sich das anfühle, kommt die Antwort direkt und ohne Umschweife: „Scheiße.“ Das hat gesessen! Bei dem Wort klingt ein Hauch von Wehmut, Stolz und vor allem Dankbarkeit mit. Während Viola ihren Abschied mit einem lachenden Auge sieht, muss Elisa im Gespräch mit MW kurz die feuchten Augen trocknen. „Ich heule bestimmt am Samstag“, sagt sie und findet dann doch schnell die Fassung wieder. Man merkt: Die RoMo-Funken liegen ihr und ihren Mistreiterinnen einfach am Herzen! Da darf es auch mal emotional werden!

Der große Auftritt im Festzelt bei der Karnevalsparty gilt traditionell als Höhepunkt der Session für die Gardetanzgruppen. „Der Samstag ist eigentlich immer unser Highlight“, erklären die beiden. Darauf trainiere man ein ganzes Jahr hin. Anders als im Fußball gebe es keine wöchentlichen Spiele, keine Rotation. Sechs oder sieben Auftritte pro Session – mehr nicht. Jeder einzelne zählt. Die Atmosphäre sei einfach unbeschreiblich. Dass der Abschied auch körperliche Gründe hat, verschweigen die Tänzerinnen nicht. „Ich würde so oder so körperlich die Entscheidung treffen“, sagt Elisa offen. Nach vielen Jahren intensiven Trainings eine nachvollziehbare Konsequenz. Elisa Schramme bleibt der Abteilung als Leiterin erhalten, Viola als Trainerin. Getanzt wird nur nicht mehr selbst. Ganz gehen werden sie also nicht.

Sorgen um die Zukunft müssen sich die RoMo-Funken nicht machen. Die Zahlen sprechen für sich: Bambinis: 24, Minis: 24, Maxis: 24, Junioren: 16, Aktive: 16. Hinzu kommt eine Warteliste mit 72 Namen, darunter sogar Kinder, die gerade erst geboren sind. „Wir haben eine Warteliste der Warteliste“, heißt es lachend. Der Nachwuchs rückt nach Alter nach. Volljährigkeit ist Voraussetzung für die Aktivengarde, nicht zuletzt wegen der Verantwortung bei Abendveranstaltungen.
Wenn die Tanzgarde zur Familie wird
Was den Gardetanz für sie außerdem ausmacht? Die Antwort kommt ohne Zögern: Die Gemeinschaft. „Du kommst zum Training und egal, wer da ist, es sind hinterher Freunde“, beschreibt Elisa die besondere Dynamik. Geburtstage, Meilensteine, private Krisen? Alles werde miteinander geteilt. Viele der Gründerinnen von 2011 sind bis heute eng befreundet. Auch Ehemalige gehören selbstverständlich dazu. Die RoMo-Funken sind eben nicht nur eine Tanzgruppe. Sie sind ein gewachsener Freundeskreis.

Vier Garde-Uniformen werden nun feierlich weitergereicht. Die nächste Generation steht bereit. Und ganz ausgeschlossen ist eine „Seniorinnengarde“ mit augenzwinkernden Gardeelementen offenbar auch nicht. „Da haben wir noch ein paar Flausen im Kopf“, heißt es schmunzelnd. Mehr verraten wird dazu aber noch nicht. Zunächst steht der Abschied im Vordergrund. Am Samstag fällt der Vorhang. Danach geht es im Rosenmontagszug weiter, bewusst ohne Uniform. „Ich könnte Rosenmontag diese Jacke nicht noch mal anziehen“, sagt Elisa.
Ein Dank an die Presse und ans Dorf
Zum Schluss richten die Tänzerinnen selbst noch Worte des Dankes an die lokale Berichterstattung von MW (Anm. d. Redaktion: Die beiden Damen haben darauf bestanden, dass dieser Absatz hier erscheint). Man sei dankbar für die Begleitung über all die Jahre. Stundenlanges Warten bei Auftritten, Fotos, Berichte. Das sei nicht selbstverständlich. Dieser Dank geht zurück. Denn ohne Menschen wie Viola Westermann und Elisa Schramme und ihre Mitstreiterinnen wäre der Gardetanz in Liesborn heute nicht das, was er ist: Eine feste Größe im Dorf, die in einem Atemzug mit der Liese und der Abtei genannt werden sollte. LIESBORN HELAU!
Fotos/Text: B. Brüggenthies



