Wadersloh (mw/bb). Die Idee der FWG, auf der Hundeauslaufwiese an der Liesborner Straße einen Carport als Wetterschutz zu errichten, hat im Bau-, Planungs- und Strukturausschuss eine grundsätzliche Zustimmung zur Maßnahme, zugleich aber auch eine politische Kontroverse über die Finanzierung ausgelöst. Ausgangspunkt ist ein Antrag der FWG-Fraktion vom 3. September 2025. Vorgesehen ist ein einfacher, wetterfester Carport mit Sitzgelegenheiten und integrierter Beleuchtung, um die Aufenthaltsqualität und Sicherheit auf der Hundewiese zu verbessern. Die Anlage wird seit ihrer Eröffnung im August 2023 täglich von zahlreichen Hundehalterinnen und Hundehaltern genutzt. Sie dient laut FWG nicht nur dem freien Auslauf der Tiere, sondern auch dem sozialen Austausch der Menschen.
Nach Angaben der Nutzer der Hundewiese belaufen sich die reinen Materialkosten für Carport und zwei Sitzbänke auf rund 4.000 Euro. Der Aufbau soll in Eigenleistung erfolgen, der Boden mit Rindenmulch ausgestreut werden. Die Gemeindeverwaltung schlägt in einer Beschlussvorlage vor, die Umsetzung zu bewilligen, wenn mindestens 80 Prozent der Kosten über Leadermittel, Spenden- oder Stiftungsgelder finanziert werden können. Der gemeindliche Anteil in Höhe von 800 Euro könnte aus dem Budget 12.01.01 gedeckt werden. Gespräche mit potenziellen Fördermittelgebern seien bereits geführt worden, die Rückmeldungen seien positiv.

Auf eine Beleuchtung solle zunächst verzichtet werden, da an der Hundewiese weder Strom- noch Trinkwasserversorgung vorhanden sei und eine Nachrüstung erheblichen Aufwand bedeuten würde. Perspektivisch könnten diese Anschlüsse bei der Planung des künftigen Bauhofs berücksichtigt werden. Zudem weist die Verwaltung darauf hin, dass der Unterstand aufgrund seiner Lage am Rundwanderweg und in der Nähe einer touristischen Radroute auch von Spaziergängern und Radfahrern genutzt werden könnte.
Die CDU-Fraktion stellte jedoch klar, dass sie eine Beteiligung der Gemeinde an den Kosten ablehnt, trotz grundsätzlicher Sympathie für das Anliegen. Begründet wird dies mit der ansgespannten Haushaltslage. Die FWG konnte das nicht so recht nachvollziehen. Wörtlich heißt es auf Anfrage von MW in der Stellungnahme vom CDU-Gemeindeverbandsvorsitzenden Thomas Lorig:
„Wie im Ausschuss bereits dargelegt, bewerten wir die rege Nutzung der Hundeauslaufwiese als positiv und sehen durchaus auch die Vorteilhaftigkeit dieser Freizeitfläche. Den Wunsch nach einem wetterfesten Unterstand können wir durchaus nachvollziehen und begrüßen die grundsätzliche Umsetzbarkeit durch potenzielle Fördermittelgeber.“
Weiter betont die CDU:
„Den Antrag der FWG-Fraktion stufen wir daher keineswegs als Symbolpolitik ein. Vielmehr hat unsere Entscheidung, keine Mittel aus dem Haushalt der Gemeinde zur Verfügung zu stellen, symbolischen Charakter.“
Zur Begründung verweist die Fraktion auf die angespannte Haushaltslage. In der Stellungnahme wird Bezug genommen auf Aussagen von Bürgermeister Christian Thegelkamp:
„Bürgermeister Christian Thegelkamp hat in seiner Rede zur Einbringung des Haushaltes 2026 auf die Ernsthaftigkeit der Lage des Haushaltes der Gemeinde Wadersloh hingewiesen und betont, dass alle freiwilligen und pflichtigen Leistungen im Gemeindehaushalt auf den Prüfstand gestellt werden müssten und Möglichkeiten aufzuzeigen sein, bei denen Mittel eingespart werden könnten. Zudem solle festgestellt werden, welche Standards für die Gemeinde gelten sollten und was in Zukunft nicht mehr leistbar sei.“
Vor diesem Hintergrund habe man sich bewusst für ein politisches Signal entschieden:
„Diese Aussagen verbunden mit der Tatsache, dass die Aufstellung des Haushaltsplans 2026 sowie der Folgejahre nur durch Verzehr der Ausgleichsrücklage möglich ist und das Ziel sein muss, ein Haushaltssicherungskonzept zu verhindern, hat uns dazu bewogen, ein symbolisches Zeichen politischer Verantwortung zu setzen. Uns ist natürlich bewusst, dass durch Einsparung der in dem Antrag aufgeführten gemeindlichen Kosten der Haushalt nicht konsolidiert wird.“
Zudem stellt die CDU fest:
„Wenn in den kommenden Monaten alle freiwilligen und pflichtigen Leistungen der Gemeinde auf den Prüfstand gestellt werden müssen, sind jedoch nicht zwingend notwendige Investitionen jeglicher Art und Höhe grundsätzlich kritisch zu hinterfragen. Bei dem beantragten Unterstand handelt es sich letztlich um eine eben solche nicht zwingende Investition.“
Die CDU-Fraktion verweist außerdem auf den bestehenden Standard der Anlage:
„Im Vergleich zu Hundeauslaufwiesen umliegender Städte und Gemeinden sehen wir uns mit dem Standard unserer Auslaufwiese gut aufgestellt. Wir verfügen über Parkmöglichkeiten direkt an der Hundewiese und über naheliegende Unterstandsmöglichkeiten bei plötzlichen Unwetterereignissen.“
Gleichzeitig macht die CDU deutlich, dass sie das Projekt nicht grundsätzlich ablehnt:
„Dass wir grundsätzlich den Wunsch der Hundebesitzer nachvollziehen können, zeigt sich in der Tatsache, dass wir nicht den Unterstand, sondern lediglich eine Beteiligung der Gemeinde aus Haushaltsmitteln aus vorgenannten Gründen ablehnen. Ausdrücklich begrüßen wir eine Unterstützung der Antragsteller durch die Gemeinde bei der Beantragung von potenziellen Fördermitteln.“
Offen seien aus Sicht der CDU zudem Fragen zu Pflege und Instandhaltung:
„Im Übrigen sind Fragen nach Übernahme von Kosten für laufende Pflege und Instandhaltung des Unterstandes offen und werden mutmaßlich ggf. doch zu Belastungen des Haushaltes der Gemeinde in den Folgejahren führen. Hier hoffen wir auf ein entsprechendes Engagement der Nutzer der Hundeauslaufwiese.“
Die FWG wollte sich auf Nachfrage von MW nicht weiter zum Sachverhalt äußern. Fraktionsvorsitzender Heino Teckentrup ließ lediglich mitteilen, man sei „etwas enttäuscht“.
Der ursprüngliche Beschlussvorschlag der Verwaltung, der keine Mehrheit fand, sah vor, der Errichtung des Carports zuzustimmen und 800 Euro im Haushalt bereitzustellen, allerdings unter dem Vorbehalt, dass die restlichen 3.200 Euro über Fördermittel oder Spenden eingeworben werden.
Kommentar: Berechtigter Sparzwang oder lässt man die Hundefreunde im sprichwörtlichen Regen stehen?
Zwischen Haushaltsdisziplin und Lebensqualität verläuft in Wadersloh in dieser Sache ein schmaler Grat. Dass die CDU angesichts der angespannten Finanzlage Zurückhaltung bei freiwilligen Ausgaben fordert, ist nachvollziehbar. Ebenso verständlich ist aber auch der Wunsch vieler Hundebesitzer, eine nach Eigenaussage stark frequentierte Fläche mit überschaubarem Aufwand aufzuwerten und ganzjährig nutzbar zu machen.
Gerade kleine Investitionen mit großer Wirkung geraten in Sparzeiten schnell unter Druck. Dabei besteht die Gefahr, am falschen Ende zu sparen, nämlich dort, wo bürgerschaftliches Engagement, Eigenleistung und überschaubare Summen aufeinandertreffen. Allerdings wird der Rotstift derzeit und künftig wohl noch häufiger an vielen Stellen angesetzt werden. Vor diesem Hintergrund wird man wohl akzeptieren müssen, dass auch eine Überdachung für die Hundewiese nicht automatisch eine kommunale Selbstverständlichkeit ist. Ein Blick zurück zeigt zudem: Die aktuelle Debatte ist in Wadersloh kein Einzelfall. Schon vor fast genaus fünf Jahren sorgte ein im Jahre 2020 von der FWG beantragter und 2021 diskutierter Wetterschutz an der Sekundarschule Wadersloh für scharfe Töne. Damals stufte eine Stimmen-Mehrheit (CDU und FDP) die Maßnahme als „überflüssig“ und zu teuer ein. | Den Beitrag dazu kann man hier auf MW nachlesen!
Vielleicht liegt der Ausweg jenseits der klassischen Haushaltsdebatte: Wenn Fördermittel, Spenden oder sogar ein lokales Crowdfunding (Anm. d. Red.: So finanziert sich im Übrigen dieses gemeinwohlorientierte Zeitungsangebot) den Großteil der Kosten decken könnten, wäre das ein starkes Signal für Zusammenhalt und Eigeninitiative. Die Hundewiese würde gewinnen und der Gemeindehaushalt bliebe weitgehend geschont. Das hätte dann zumindest auch einen symbolischen Charakter. Vielleicht kann auch der Sportverein Diestedde beratend untersützen. Dort enstand 2022 ein Unterstand für die Bogenschützen (MW berichtete exklusiv).
Kommentar/Text: B. Brüggenthies, zus. Quelle: Stellungnahme der CDU-Fraktion auf Anfrage von MW

