Wadersloh (mw/bb). Der Jugendtreff „Villa Mauritz“ zeigte sich mal von einer anderen Seite: Der große Gemeinschaftstisch war für ein Wochenende verschwunden. Was ungewohnt wirkte, hatte aber einen Hintergrund: Viel Platz, um Kultur Raum zu geben bzw. eine Bühne. „Es geht um Teilhabe, um Mitgestaltung und darum, Kunst und Kultur direkt vor Ort erfahrbar zu machen“, betont Lara Rassenhövel, die das jüngste KulturRucksack-Projekt in Wadersloh mitbegleitete. Die Nachfrage war groß und das Feedback ausgesprochen positiv, wie das Theaterprojekt „Frei erfunden“ am Wochenende zeigte. Das zweitägige Projekt hinterließ am 22. und 23. November besonderen Eindruck im Jugendtreff und bildete den Abschluss der diesjährigen Projektreihe in Wadersloh.
Unter der Leitung der Bochumer Theaterpädagogin Mareike Möller tauchten vier Jugendliche aus Wadersloh, Lippstadt und der Region in die Welt des Improvisationstheaters ein. „Theater bringt Jugendliche ins Jetzt. Es fördert Achtsamkeit, Selbstbewusstsein und zeigt, wie viel sie voneinander lernen können“, zeigte sich Theaterpädagogin beeindruckt von der Dynamik der Gruppe.








Zu Beginn stand die Auseinandersetzung mit dem Motto „Freiheit“: Persönliche Gegenstände, die die Jugendlichen mitbrachten, eröffneten Gespräche darüber, wo Freiheit beginnt und wo sie endet. Aus diesen Impulsen entwickelte die Gruppe eine eigene Geschichte, die sich Schritt für Schritt zu einem rund 17-minütigen Theaterstück formte. Das Ergebnis hört auf den Namen „Reise ins Freiheitsland“ und ist ein Theaterstück, das sich mit den Themen Ausgrenzung, Zusammenhalt und Mut, Neues zuzulassen, auseinandersetzt. In mehreren Akten stellten die Jugendlichen dar, wie es sich anfühlt, „anders“ zu sein und wie aus Unsicherheit Vertrauen entstehen kann. Besonders kreativ dabei: Das Quartett erfand für das „Freiheitsland“ eine eigene Fantasiesprache, die das zunächst Fremde symbolisierte. Am Ende führt ein Spiel zu einer gemeinsamen Verständigung: Die vier Jugendlichen merken, dass sie alle über das Thema Freiheit verbunden sind und brechen zusammen ins „Freiheitsland“ auf.
Ergänzt wurde das Stück durch eine eigene Interpretation des Lieds „Mama hat gesagt“ von SDP, Esther Graf und Sido. Die Gesangspassagen gaben dem Theaterprojekt zusätzliche emotionale Tiefe und sorgten bei der Abschlusspräsentation für begeisterten Applaus der Familien und eine Zugabe, bei der dann auch das Team des Jugendtreffs und die begeisterten Theatergäste mitmachten. Auch für die Teilnehmenden wurde der Workshop zu einem verbindenden Erlebnis: Henrike (Göttingen), Beeke (Wadersloh), Amelie und Mona (Lippstadt) kannten sich zuvor nicht. Am Ende des Workshops tauschten sie ihre Telefonnummern aus.
Beeindruckend, wie viel Kreativität und Spielfreude freigesetzt wird, sobald junge Menschen den Raum bekommen, sich auf Kultur einzulassen. Nicht nur die Mamas (und Papas) der Beteiligten hätten dazu wohl gesagt: „Wenn ihr wollt, könnt ihr alles werden!“ Das war ganz großes Kino! Oder besser: Ganz großes Theater.
Hintergrund: Das „KulturRucksack“-Programm
Die Gemeinde Wadersloh ist in diesem Jahr erstmals Teil des Landesprogramms „KulturRucksack NRW“ und setzt damit ein deutliches Signal für kulturelle Bildung und Teilhabe junger Menschen. Gemeinsam mit Lippstadt, Soest, Bad Sassendorf und Geseke bildet Wadersloh seit diesem Jahr einen regionalen Verbund, der Kindern und Jugendlichen im Alter von 10 bis 14 Jahren kostenlose kreative Angebote eröffnet. Unter dem Jahresmotto „Freiheit“ startete nach den Herbstferien ein vielseitiges Programm, das Musik, Kunst, Theater und kreatives Schreiben miteinander verbindet. Der KulturRucksack NRW verfolgt klare Ziele: kulturelle Teilhabe, Förderung außerschulischer Bildungsangebote, Stärkung von Selbstwirksamkeit und Kreativität. Gleichzeitig soll das Programm Kindern und Jugendlichen den Zugang zur Kulturszene erleichtern.
In Wadersloh gehörten in diesem Jahr vier Workshops zum Angebot:
- „Frei von der Seele“ – Schreibwerkstatt
- „Frei heraus“ – Hip-Hop-Workshop mit Musikproduzent Daniel Schneider
- „Freiheit der Farben“ – Aquarellkurs
- „Frei erfunden“ – Theaterprojekt
Ab 2026 sollen weitere KulturRucksack-Formate folgen mit weiteren Kooperationen und der verstärkten Einbindung regionaler Künstlerinnen und Künstler.
Fotos/Text: B. Brüggenthies


