Diestedde (mw/bb). Das Wetter passte sich am Sonntag der Schwere des stillen Feiertags an. Nebel und leichter Nieselregen prägten die Stimmung. Mit einer nachdenklich stimmenden Gedenkveranstaltung hat die Dorfgemeinschaft im Nikolausdorf Diestedde an diesem Sonntagvormittag den Volkstrauertag und das mit einhergehende jährliche Gedenken begangen. Der Gedenkzug begann am Backhaus und bewegte sich von dort aus zu den beiden Ehrenmalen im Ort. Vertreterinnen und Vertreter des Deutschen Roten Kreuzes, der Freiwilligen Feuerwehr, des Schützenvereins Diestedde (mit dem amtierenden Königspaar), der Kommunalpolitik und weiterer örtlicher Vereine nahmen an der Gedenkfeier teil. An beiden Ehrenmalen, dem älteren Denkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs an der Kreuzung Friedhofstraße/Lange Straße und dem neueren Ehrenmal für die Opfer des 2. Weltkriegs an der Grundschule, wurden Kränze niedergelegt.


Die diesjährige Gedenkansprache erfolgte durch den Ehrenoberst des Schützenvereins Hermann Schröer. In seiner Ansprache erinnerte Schröer an die Opfer von Krieg, Gewalt, Verfolgung und Terror weltweit. Schröer spannte einen historischen Bogen von den Weltkriegen über die Nachkriegszeit hin zu aktuellen Konflikten und geopolitischen Spannungen. Er betonte die bleibende Verantwortung für Frieden, Freiheit und Versöhnung, sowohl international als auch innerhalb der Gesellschaft. Insbesondere auch im dörflichen Umfeld. Besonders hob er die Bedeutung des Gedenkens 80 Jahre nach dem Ende des 2. Weltkriegs hervor. Es sei womöglich die letzte Gelegenheit, gemeinsam mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen der Ereignisse von 1945 zu erinnern. Der Ehrenoberst erinnerte an Erzählungen von Verlust, Angst, aber auch Hoffnung, die bis heute prägen, und warnte vor einer zunehmenden gesellschaftlichen Spaltung in unsicheren Zeiten.
Mit Blick auf gegenwärtige Herausforderungen rief Schröer zu Dialogbereitschaft, Verantwortung und Zusammenhalt auf und mahnte, demokratische Werte entschieden zu verteidigen. Gleichzeitig würdigte er das starke ehrenamtliche Engagement in Diestedde, das er als wichtigen „Klebstoff“ der Gemeinschaft bezeichnete. Am neuen Ehrenmal erinnerte Schröer auch an die vielen Opfer des 2. Weltkriegs aus Diestedde, darunter zahlreiche Gefallene der Schlacht von Stalingrad. Abschließend richtete er einen eindringlichen Appell an alle Anwesenden: „Für unsere Kinder und Enkel wünsche ich mir nicht, dass wir eines Tages ein drittes Ehrenmal errichten müssen“, sagte er und schloss mit einem eindringlichen Appell: „Seid wachsam!“
Die Verkehrssicherung übernahmen Kräfte der Freiwilligen Feuerwehr sowie der Polizei, während das Blasorchester Diestedde unter der Leitung von Verena Steinbrink die Veranstaltung musikalisch begleitete.






Kommentar: Ein wichtiges Gedenken und die Frage nach der Beteiligung
Die Gedenkveranstaltung zum Volkstrauertag in Diestedde zeigt Jahr für Jahr eindrucksvoll, wie wichtig das gemeinsame Erinnern bleibt. Die Worte von Hermann Schröer, aber auch die der Redner in den Vorjahren, machen deutlich, wie viel Verantwortung aus der Vergangenheit erwächst. Das Einstehen für demokratische Werte und für ein friedliches Miteinander sind gerade in unsicheren Zeiten keine Selbstverständlichkeit. Deshalb war es umso bedauerlicher, dass die Anzahl von Bürgerinnen und Bürgern abseits der uniformierten und vereinsorganisierten Abordnungen bemerkenswert überschaubar wirkte. Natürlich engagieren sich viele Menschen im Dorf auf vielfältige Weise, ob in Vereinen oder im Ehrenamt. Doch an einem Tag, der so stark von der Erinnerung an Leid, Verlust und gesellschaftliche Verantwortung geprägt ist, wirkte diese überschaubare Präsenz wie ein leiser Kontrast zur Bedeutung des wichtigen Anlasses.
Das Gedenken lebt davon, dass es gemeinschaftlich getragen wird und es darf die Frage gestattet sein, warum diese Form des Zusammenkommens immer weniger Menschen erreicht. Allen Beteiligten sollte an dieser Stelle Respekt gezollt werden, dass sie Jahr für Jahr für demokratische Werte und den Einsatz für Erinnerungskultur einstehen.
Text/Kommentar, Fotos: B. Brüggenthies

