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    Startseite»Orte»Diestedde»Nachruf zum Tode von Walter Jasper: Künstler, Heimatfreund, Unikat
    Diestedde

    Nachruf zum Tode von Walter Jasper: Künstler, Heimatfreund, Unikat

    Benedikt BrüggenthiesBy Benedikt Brüggenthies19. Januar 2024Updated:19. Januar 2024Lesedauer: 6 Minuten
    Facebook E-Mail WhatsApp Twitter

    Am Donnerstag (18. Januar 2024) erreichte mich die traurige Nachricht, dass Walter Jasper nach kurzer, schwerer Krankheit im Alter von 83 Jahren verstorben ist. Der Diestedder Heimatfreund und Heimatkünstler wird eine immens große Lücke im Nikolausdorf hinterlassen. Über Jahrzehnte prägte er mit seiner Arbeit und seinem einzigartigen Charakter das Dorfleben und die regionale Kulturlandschaft. Ein persönlicher Nachruf.

    Walter Jasper ließ sich nie in eine Schublade einordnen: Er war das, was man als Künstler durch und durch bezeichnen würde. Geboren und aufgewachsen in Ennigerloh, wurde das Nikolausdorf Diestedde seine Heimat. Zu beiden Orten bestand immer eine enge Bindung, wie er oft und gerne betonte. Am wohlsten aber fühlte er sich im Kreise seiner Familie. In seinem Atelier, im Kunstforum „Blauer Giebel“, und in seinem Garten an der Steinackerstraße außerhalb von Diestedde – umgeben von Natur. Frühmorgens wurde der erste Kaffee aufgesetzt, der Kamin angezündet und im Anschluss daran die Arbeit an einem Kunstwerk fortgesetzt, ein Ausflug zum Wochenmarkt oder eine Ausstellung geplant. Die Termine wurden – genauso wie die Ideenskizzen -in ein gebundenes Notizbüchlein notiert.

    Mit voller Begeisterung schuf Walter Jasper seine Kunst und drückte jedem seiner Werke seinen kreativen Stempel auf. Das Geschenk einer kleinen Staffelei und eines Ölfarbenkasten im Kindesalter markierten den Beginn der künstlerischen Laufbahn von Walter Jasper, die mehr als 70 Jahre andauern sollte. Beruflich schlug er aber zunächst einen anderen Weg ein. Das Handwerk stand im Mittelpunkt. Im Alter von 25 Jahren hatte Walter Jasper seinen ersten Meisterbrief in der Tasche und seine Hochzeit stand kurz bevor. Als Angestellter seines Vaters führte er den elterlichen Malerbetrieb in Ennigerloh, bis er 1967 aus der Firma ausschied und eine Umschulung machen musste, die sein Leben veränderte. Fortan verdiente er sich als graphischer Zeichner den Lebensunterhalt für sich und seine Familie. In Agenturen und Druckereien machte er sich schnell einen Namen für sein gutes Auge, seinen flotten Pinselstrich und seine kreativen Einfälle. Ab 1978 stand daher vor allem der Siebdruck auf der Agenda des Künstlers.

    In den letzten Jahren waren es vor allem fantasievolle Miniaturen, die er manchmal beiläufig im Tagesverlauf anfertigte, um einen Großteil davon an Freunde und Bekannte zu verschenken. Einfach nur, um seine Dankbarkeit auszudrücken. Aus Fundstücken am Wegesrand wurden einmalige Werke, von denen jedes Einzelne eine kleine Geschichte erzählte. „Die Natur hat alles da. In dem Moment, wo ich etwas ergreife, ist das Kunstwerk eigentlich schon fast fertig“, sagte er mir vor vielen Jahren in einem unserer Gespräche.

    Apropos Geschichten: Von diesen hatte Walter immer gleich mehrere in petto. Auf Wunsch gerne auch in münsterländer Platt! Über die Geschichte, wie aus dem damaligen Kuhstall das Kunstforum „Blauer Giebel“ entstand, wie die Tante Speckbirnen backte, oder wie man Farben auf der Leinwand zum Leuchten bringt, über die „Arbeitsurlaube“ mit seinem Freundeskreis in Südfrankreich, über die Resonanz auf die vergangenen und kommenden Ausstellungen seiner Arbeiten, Anekdoten über Begebenheiten in seiner Heimat. Die kuriosen Geschichten könnten ganze Bücher füllen. Und „kurios“ sollte auch die nächste geplante Ausstellung „Kuriositäten“ werden. Sie sollte sein Lebenswerk präsentieren, aber auch der Kunst seiner verstorbenen Weggefährten ein Denkmal setzen. Der Erhalt von künstlerischen Vermächtnissen war ihm bis zuletzt eine große Herzensangelegenheit.

    Und auch das Thema „Heimat“ war Walter immer wichtig: Als Ehrenvorstandsmitglied im Heimatverein Diestedde, als Teil des Plattdeutschen Krinks oder als allererster Preisträger des MW Awards. In unzähligen Ausstellungen – vor allem im Kreis Warendorf – thematisierte er die Natur und seine Heimat. Die Liebe zum Münsterland war sehr ausgeprägt und findet sich in vielen seiner Werke wieder. Angetan hatten es ihm die Heimatdichter Wibbelt, Rottendorf und Droste-Hülshoff, so dass er sich zuletzt auch daran machte, deren Werke aufzugreifen und in seiner Kunst darzustellen.

    Besondere Wohlfühlorte waren für ihn das Diestedder Backhaus, in dem er zahllose Stunden verbrachte und die Krinkabende mit Vertellekes und Anekdoten bereicherte. Ein großes Herzensprojekt war eine Ausstellung im Wasserschloss Crassenstein. Nach mehrmaligem Anlauf wurde dieser Wunsch im Herbst 2022 mit einer Gemeinschaftsausstellung „Ochsenblut“ mit der Berliner Künstlerin Kaj Osteroth Realität. Dass das Schloss in den letzten Jahren wieder mit Leben und Kultur erfüllt war, freute den Diestedder besonders.

    Walter Jasper zeigt neue Werke (Foto: Brüggenthies)
    Jürgen Nordhoff, Walter Jasper und Heiner Panreck planen einen zuckersüße Aktion im Backhaus

    Meine Freundschaft zu Walter Jasper war immer und ausnahmslos von großer gegenseitiger Wertschätzung geprägt. In den 1990ern fertigte er ein wundervoll buntes Bild unserer Gärtnerei an und als Kind beschloss ich umgehend, dass ich unbedingt Maler werden müsse! Aus der Bewunderung für den Heimatkünstler entstand eine enge Freundschaft, trotz mehrerer Jahrzehnte Altersunterschied. Ich bin zwar in der schreibenden Zunft gelandet, konnte mich aber mit Walter trotzdem über Farben, Formen und Idee austauschen. Jeder Besuch bei ihm begann grundsätzlich mit einem verschmitzten Lächeln auf seinen Lippen. Wenn sich die große, schwere Eingangstür zu seinem Lebensprojekt „Blauer Giebel“, einem einzigartigen Sammelsurium aus Fundstücken, Gemälden, Skulpturen und Skizzen, öffnete, wusste man, dass man auf eine abenteuerliche Zeitreise geht.

    Walter verstand es wie kein Zweiter, Menschen mit seiner kreativen Art und Arbeit zu begeistern. Das Kunstforum sollte immer ein Ort der menschlichen Begegnungen und des Austausches über Kunst und Kultur sein. Seit Jahrzehnten war Walter Jasper mit Herz und Hand darauf bedacht, den Menschen Natur, Kunst und Kultur näherzubringen. In Workshops und Kursen gab er Einblicke in seine außergewöhnlichen Maltechniken. In seinen Winterausstellungen vor Ort zeigte er voller Stolz jedes Jahr die neuesten Werke und versüßte Besuchenden den Tag mit Einblicken in den Schaffensprozess, einem Stück Gebäck und einem Apfel aus dem eigenen Garten.

    Bei einem Stück Apfelkuchen und einer heißen Tasse Kaffee sprachen wir oft über Stunden über Kunst und Kultur. Uns beiden war es immer wichtig, etwas für das Dorf zu tun. Und Walter war stets zur Stelle, wenn kreativer Rat gebraucht wurde. Vergangene Woche stand handgeschrieben im Notizbüchlein „Neujahrs-Kreativ-Kaffee mit Benedikt“ in seinem Kalender. Er habe schon einige Besprechungspunkte auf der Liste und er habe noch einen Beitrag für das Dorfjubiläum. Zu diesem Treffen kam es leider nicht mehr.

    Ursprünglich wollte ich diesen Nachruf mit „Mein Freund Walter“ überschreiben, denn genau das fasst zusammen, was ich für diesen außergewöhnlichen Menschen seit vielen Jahre empfunden habe. Ich bin traurig, dass unsere Dorfgemeinschaft einen Menschen verliert, der über so viele Jahre zum Dorf dazugehörte und an so vielen Stellen Spuren hinterlassen hat. Ich bin aber auch sehr glücklich, dass ich Walter einen Freund nennen durfte und dass sein Vermächtnis in seinen zahllosen Geschichten und Kunstwerken fortbestehen wird.

    DANKE, Walter und Ruhe in Frieden. Wir werden dich vermissen!


    In Memoriam: Walter Jasper im Westfalenköpfe-Porträt (2015)

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    Dokumentarfilm von 2015

    Nachruf/Fotos: B. Brüggenthies

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    Benedikt Brüggenthies
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