Diestedde (mw/bb). Nach unserer Erstberichterstattung zur dauerhaften Schließung des Internats „Privatschule Schloss Crassenstein GmbH“ vom 10. Mai 2023 haben weitere Medien im Kreis Warendorf den Fall aufgegriffen und über die Umstände der Schließung berichtet. Am Mittwoch (17. Mai) reisten nun die letzten minderjährigen Schülerinnen und Schüler des Internats ab. Im 3. Teil unserer Berichterstattung zeichnen wir den Weg bis zur Schließung am 17. Mai nach.
Privatschule bat das LWL Anfang Mai eigeninitiativ um Hilfe
Detlef Ernst, Geschäftsführer der Privatschule Schloss Crassenstein GmbH, hatte bereits Anfang Mai ein Hilfegesuch an das Landesjugendamt des LWL als verantwortliche Stelle gestellt und auf einen möglichen Personalengpass bei der sozialpädagogischen Betreuung hingewiesen. In einem Schreiben des Schulträgers vom 1. Mai, das MW vorliegt, heißt es, dass eine „ausreichende Abdeckung der Dienste nur schwer, bzw. teilweise nicht ausreichend“ möglich sei. Zur Begründung nannte der Schulträger Kündigungen und Krankheitsfälle. Aufgrund der Meldepflicht musste das Internat auf die Situation hinweisen und der LWL tätig werden. Daraufhin prüfte man die Einhaltung der Betriebserlaubnis. Das Kreisjugendamt wurde tätig und setzte seit der vergangenen Woche bis zum letzten Schultag zusätzliche sozialpädagogische Kräfte, um das Team vor Ort in Diestedde zu unterstützen.
Im Gespräch mit MW machte Detlef Ernst deutlich, dass man keine andere Wahl hatte, als die Schule zu schließen: „Ich möchte ausdrücklich betonen, dass wir selbst beschlossen haben, früher zu schließen. Darüber haben wir das LWL in Kenntnis gesetzt.“
Bisher keine „Missstände“ bei der Versorgung und Unterbringung bekannt
Die Anzahl der Betreuungspersonen ist in der Betriebserlaubnis für das Internat geregelt. Das Landesjugendamt ist in den Fällen zuständig, wenn minderjährige Personen stationär untergebracht sind – wie in diesem Fall im Internat in Diestedde. Nach Angaben des Kreises Warendorf habe man bei der Prüfung „nicht ideale Bedingungen“ vorgefunden. Weder das Kreisjugendamt noch das Landesjugendamt äußerten sich über weitere Details. Die Oelder Zeitung „Glocke“ berichtete am 13. Mai in ihrer Online-Ausgabe davon, dass es Hinweise auf nicht gezahlte Löhne und einer möglichen Insolvenz der Privatschule Schloss Crassenstein GmbH gäbe. (Anm. d. Red.: Bis zum 21. Mai 2023 wurde keine Insolvenz der Schule von offizieller Seite bestätigt.)
Aus Kreisen der Belegschaft der Schule wurde der MW Redaktion mitgeteilt, dass die Kinder und Jugendlichen bei der Unterbringung und Verpflegung gut versorgt worden sind. Das deckt sich mit den Aussagen von drei betroffenen Schülerinnen und Schüler, die exklusiv mit MW über die Umstände sprachen. Die Schülerinnen und Schüler hatten sich bei einem gemeinsamen Abschiedsgrillen von den Schulfreunden vor Ort verabschiedet. Die Stimmung sei aufgrund der kurzfristigen Schließung und der verspäteten Kommunikation gedrückt gewesen. Einzelne Schülerinnen und Schüler dankten dem Betreuungspersonal mit Dankesbriefen und Präsenten, bevor sie sich auf den Heimweg machten. Drei volljährige Schülerinnen und Schüler, die derzeit noch die Abiturprüfungen am Gymnasium Johanneum absolvieren, sowie eine jüngere Schülerin, die ihre Schullaufbahn an der Schule des Kooperationspartners Johanneum in Wadersloh fortsetzen möchte, sind derzeit privat untergebracht.
In dieser Woche gab es ein abschließendes Gespräch zwischen dem Kreisjugendamt, Schulträger und Schlossbesitzer, wie die Pressestelle des Kreises Warendorf bestätigte: „Es gab am Mittwoch ein Abschlussgespräch. Alle Schüler haben das Internat verlassen. Der Verbleib der Jugendlichen ist gut organisiert“, teilte die Kreisverwaltung am 19. Mai auf Anfrage von MW mit. Die Betriebserlaubnis für das Internat erlosch aufgrund der geplanten Schließung automatisch.
Die „Privatschule Schloss Crassenstein GmbH“ schließt, nicht das Schloss Crassenstein!
Neben der Privatschule Schloss Crassenstein GmbH, die die Schul- und Internatsräumlichkeiten angemietet hat und die Einrichtung sei dem Schuljahr 2018/2019 betrieb, sind unter dem Dach des Schlosses u.a. ein Stiftungszentrum, ein Innovationszentrum und ein Zentrum für Philosophie angesiedelt. Viele Vereine und Gruppen nutzen den Innenhof und einzelne Räume im Schloss für Kultur-Veranstaltungen, wie Musikaufführungen, Lesungen und Kunstausstellungen. Die Gemeinde Wadersloh bietet das Kaminzimmer des Schlosses als Außenstelle des Standesamtes an. Von der Schließung ist ausschließlich die Privatschule Schloss Crassenstein GmbH betroffen, alle anderen Initiativen sind unabhängig von der Schule in anderen Räumen unter dem Dach des Diestedder Wahrzeichens untergebracht.


