Wadersloh (mw/bb). „Nicht Heim. Heimat!“ steht in großen Lettern am Seniorenheim St. Josef angeschlagen und gerade in diesen Tagen zeigt sich, dass die Einrichtung nicht nur „Heimat“, sondern auch „Familie“ ist. Nach mehreren Corona-Fällen ist in dem Seniorenheim der Ernstfall eingetroffen, auf den sich MitarbeiterInnen und BewohnerInnen seit Monaten vorbereitet hatten. Gerade jetzt zeigt sich, dass die Maßnahmen Wirkung zeigen, denn an der Diestedder Straße ist zwar das Arbeitspensum in den letzten Tagen gestiegen, genauso aber der Zusammenhalt des Teams vor Ort.

„Natürlich ist das kein normaler Dienst. Wir arbeiten bis zu 12 Stunden am Stück pro Schicht. Das Team hält zusammen und alle sind sehr kooperativ und verständnisvoll“, sagt der Pflegedienstleister Alexander Hauffen. Bei einem Corona-Test am Montag kam es zu einem positiven Befund bei einem Bewohner der Einrichtung, der sich zu diesem Zeitpunkt in einem Krankenhaus befand. Dann ging alles ganz schnell. Die Abläufe für den Fall der Fälle standen seit dem Frühjahr fest und so konnte die Einrichtung schnell reagieren. „Dank der ‚Apotheke am Osttor‘ in Beckum hatten wir ausreichend Tests und haben sofort alle 150 Bewohner und Mitarbeiter getestet“, sagt Einrichtungsleiterin Astrid Thiele-Jérome. „Unsere Einrichtungen sind in dieser Sache sehr routiniert im Umgang“, berichtet Pressesprecher Dr. Ulrich Bock, der auch die anderen SMMP-Einrichtungen stets im Blick hat. Dank der engen Rücksprache mit dem Gesundheitsamt des Kreises Warendorf konnte so umgehend reagiert werden. Am heutigen Freitag erfolgte eine zweite Corona-Testreihe.
Insgesamt sieben positive Corona-Fälle gibt es in dem Seniorenheim in Wadersloh. Davon sind derzeit sechs Fälle stabil mit nur leichten grippeähnlichen Symptomen. Bei einem weiteren Fall entschied man sich für eine stationäre Behandlung in einem Krankenhaus. Wie gut ein Rad in das andere greift, zeigt der Notfall-Plan des Hauses: Die erkrankten Bewohner wurden umgehend isoliert und in benachbarte Zimmer untergebracht, sodass kein Kontakt zum Rest des Hauses möglich ist. Allein sind die Bewohner aber natürlich nicht. Sieben Mitarbeiter aus der Pflege kümmern sich um die Patienten. Auch hier zeigt sich die Solidarität der Pflegekräfte: Sofort hatten sich Leute gefunden, die die intensive Betreuung der Erkrankten übernahmen. Auch für das Team ist die Situation ein Kraftakt: Mit Schutzanzügen, FFP2-Masken und Schutzvisier wird alles dafür getan, dass sich die Bewohner sicher fühlen. Durch den engen Verbund der SMMP-Einrichtungen untereinander erwartet man keinen Engpass bei den Schutzmaterialien. Hier hilft man sich untereinander im Fall der Fälle aus.
Während der untere Wohnbereich im Erdgeschoss für den Besucherverkehr gesperrt ist, kann durch die Trennung der Bereiche (die es bereits seit dem Frühjahr gibt) der Betrieb im oberen Wohnbereich weiter unter normalen Bedingungen erfolgen. Das bedeutet, dass dort auch weiterhin auch Besuche unter den nötigen Hygiene- und Abstandsregeln stattfinden können.
Die Heimleitung bleibt optimistisch, dass man den Ausbruch eingrenzen kann und hat sich entsprechend auf die neue Situation eingestellt. Einrichtungsleiterin Astrid Thiele-Jérome hatte auf eigene Bitte die Heimaufsicht gebeten, die Abläufe vor Ort in Augenschein zu nehmen. Diese attestierte am Donnerstag, dass alle erforderlichen Maßnahmen mehr als erfüllt sind. Alle Mitarbeitenden und Bewohner sind aktuell getestet worden. Keiner der Mitarbeitenden wies einen positiven Befund auf ist, sodass man davon ausgeht, dass das Virus über Außenstehende den Weg in die Senioreneinrichtung gefunden hat.
Der Fall in Wadersloh zeigt, dass die Gefahr eines Corona-Ausbruchs auch dann besteht, wenn die Corona-Regeln eingehalten werden. Umso wichtiger ist, dass Abläufe genau geplant werden, sodass man im „Notfall“ direkt reagieren kann. Schon früh hat das Seniorenheim eine Isolierstation im Quartierszentrum vorbereitet, welche bisher nicht in Anspruch genommen werden musste. Für die Heimleitung in Wadersloh ist es wichtig, dass die Einrichtung nicht „Heim“ sondern weiterhin „Heimat“ ist. Ein Besuchszelt im Garten, „Digitale“ Kommunikation mit den Angehörigen, kleine interne Veranstaltungen und Besuche von musikalischen Gästen (auf Abstand) sorgten in den vergangenen Monaten für Ablenkung in dieser Zeit und auch in der (Vor-) Weihnachtszeit soll der Alltag weitestgehend unter normalen Bedingungen stattfinden.
Trotz der Corona-Fälle halten Team und Bewohner weiterhin zusammen. Trotz des hohen Organisations- und Logistikaufwands bleibt man im Seniorenheim St. Josef optimistisch, auch die aktuelle Situation gut zu meistern. Wie in einer großen Familie passen alle aufeinander auf. „Wir blicken voller Zuversicht auf die kommende Zeit. Wir schaffen das gemeinsam“, lautet das gemeinsame Fazit von Astrid Thiele-Jérome und Alexander Hauffen. Man bittet zudem aber um Verständnis, dass momentan sehr viel Arbeit ansteht. „Unser Team hat auch weiter ein Lächeln aufgelegt. Wir bitten aber vor allem auch die Angehörigen um ein wenig Rücksichtnahme. Vielleicht sollte man den geplanten Besuch vielleicht noch um ein paar Tage verschieben“, so die Heimleitung.
Fotos/Text: Brüggenthies

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