Von wegen Kulturschock: Amerikanerin fühlt sich pudelwohl in Wadersloh

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Wadersloh (mw/bb). Wie heißt das Sprichwort doch so schön: Blut ist dicker als Wasser. Selbst wenn ein ganzer Ozean dazwischen liegt, hält die Verwandschaft zusammen. Caitlin Matthews (17) aus den USA ist momentan auf Familienbesuch in Wadersloh. Ein Sprachurlaub zwischen Schützenfest und Badeseen.

Die 17-jährige High-School-Schülerin aus Charlotte North Carolina – passenderweise in einem county (Bezirk), der Mecklenburg heißt – ist in Wadersloh auf den Spuren ihrer Vorfahren. Als Caitlin’s Oma Ruth Kiefer (geborene Weckermann) Wadersloh und auch Deutschland im Alter von gerade einmal 20 Jahren verlässt, war das Reisen noch nicht so einfach wie heute. Während Caitlin einfach in ein Flugzeug steigen kann, reiste Oma Ruth noch mit dem Schiff nach Nordamerika. Ihr Ziel: Kanada. Dort wollte die junge Wadersloherin bei einem Onkel leben, der jedoch kurze Zeit später verstarb. Die junge Frau blieb aber in Nordamerika und fand in den USA ein neues Zuhause. In North Carolina lebt ihre Tochter Christa (die ebenfalls in Wadersloh zu Besuch ist) mit ihrem Mann Chris und ihren beiden Kindern Corey und Caitlin. Trotz der Entfernung von knapp 4.400 Meilen haben die beiden Familienzweige ihre verwandtschaftliche Bande immer gepflegt. Die beiden Schwestern Brigitte und Ruth hatten immer Kontakt zueinander, aber erst durch social media und Besuche entstand auch wieder ein inniger Kontakt der jüngeren Generationen untereinander. Für Brigitte Jemella und der Familie ihres Sohnes Kai ein echter Glückgriff, denn der Besuch aus den USA ist für beide Seiten ein außergewöhnliches Erlebnis.

Jessica Jemella und ihre beiden Kinder Noah und Lucy sitzen während des Interviews mit Mein-Wadersloh.de gemeinsam mit am Tisch, als Caitlin von ihren Erfahrungen in Deutschland berichtet. Seit drei Jahren lernt Caitlin die Sprache ihrer Großmutter in der High School. „Eure Sprache ist echt schwer. Viele lange Wörter. Aber es wird besser“, schmunzelt Caitlin mit amerikanischem Akzent. Schon vor zwei Jahren besuchte sie Wadersloh das erste Mal und war damals wie heute fasziniert von dem Geburtsland ihrer Oma, die leider 2018 verstarb. Besonders Brigitte Jemella freut sich über den Besuch von ihrer Großnichte Caitlin und Nichte Christa und erinnert sich gerne zurück an die Zeit, als sich ihre Schwester in den USA ein neues Leben aufbaute. „Sie war immer berufstätig und ich habe sie immer bewundert.“

Lucy Jemella freut sich besonders über den Besuch aus den USA

Für die 17-jährige Caitlin ist der Aufenthalt in Wadersloh ein echtes Abenteuer. Gemeinsam mit Familie Jemella erkundete die junge Amerikanerin die Region. Der Besuch der nahegelegenen Badeessen, der Möhnetalsperre, der Wewelsburg und eine Shoppingtour in Lippstadt gehörten zum Programm. Auch das Schützenfest musste besucht werden. Kulturschock? Fehlanzeige! Caitlin findet die Zeit in Wadersloh aufregend und wird sicher viel zu erzählen haben, wenn sie zurück Nachhause gereist ist. Das jüngste Familienmitglied der Jemellas, Lucy, hat für den Besuch vom anderen Ende der Welt extra das Kinderzimmer geräumt. Aber wenn die coole „große Schwester“ extra anreist und dann auch noch mit Fußball spielt, ist das schon ok.

Die Klischees und Vorurteile der USA und Europa, die man sonst aus den Medien kennt, können die Familien von beiden Seiten des Atlantiks übrigens nicht bestätigen. In der Familie Jemella-Matthews stehen Familie und Freundschaft an erster Stelle. Und das wird nicht nur in der gemeinsamen Familiengruppe bei Whatsapp deutlich. Die trägt den passenden Name „Atlantikbrücke“ und sorgt dafür, dass die transantlantische Beziehung auch weiter Bestand hat. Wenn alles klappt, möchte Caitlin nach dem Schulabschluss vielleicht in Deutschland studieren. Darüber hätte sich auch Oma Ruth sicher sehr gefreut.

Fotos/Text: B. Brüggenthies

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Gründer & Chefredakteur von Mein-Wadersloh.de

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