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Pfarrheim St. Michael: Wenn ein Stück Kindheit aus dem Ortsbild verschwindet

Für St. Michael hat in diesen Tagen die letzte Stunde geschlagen: Bis Mitte März rollen die ersten Bagger im Herzen Waderslohs an und werden zunächst das Dach abgetragen. Stück für Stück wird die einstige Ländliche Bildungsstätte dann fast genau 50 Jahre nach ihrer Grundsteinlegung einem modernen Neubau weichen.

Zeit für einen Aufbruch! Wo geht die Reise hin?

Reinhard Ottensmann ist gerade dabei die letzten Gardinenstangen in den ehemaligen Gruppenräumen im 1. Stock abzuhängen, während im großen Saal die letzten Überreste des Inventars des Pfarrheims gegen eine kleine Spende an Interessenten abgegeben werden und so zumindest ein kleiner Teil des Pfarrheims irgendwo in Wadersloh als Erinnerung verbleiben wird. Alte Lampen, aussortierte Bücher der KÖB, Spielzeug aus den Gruppenräumen und Mobiliar machen Platz für etwas Neues. Wo wird die Reise wohl hingehen?

Unzählige Erinnerungen an Veranstaltungen und Gruppenstunden

Reinhard Ottensmann hat die Hoch-Zeiten und die Veränderungen hautnah miterlebt. Seit 2004 betreut er das Heim im Auftrag der Pfarrei und gehört unter anderem auch dem Bauauschuss für den geplanten Neubau an: „Ich verbinde sehr viele schöne Erinnerungen mit dieser Einrichtung. Seien es die Gruppenstunde der Kolpingjugend in meiner Kindheit oder die Gruppenstunden, die ich später selbst als Gruppenleiter gegeben habe. Auch die vielen Feste im Saal, die Einführungen von Pastören, Jubiläen, Kolpingfeste, Krönungsbälle oder das Schützenfest. Es ist so einiges, was mich mit diesem Heim verbindet. Wird sind damit groß geworden“, erzählt Ottensmann und wirkt ein wenig gerührt.

Veränderte Zeiten zwingen zum Umdenken

Das unter Dechant Theo Soddemann entstandene Gebäude hatte eigentlich immer einen „Tag der offenen Tür“. Es war immer ein Raum geöffnet für die Leute. „Irgendwann ist das dann eingeschlafen, weil die Bevölkerung das Angebot nicht mehr so angenommen hat. Daraufhin hat dann auch die Zuständigkeit gewechselt und die Pfarrgemeinde übernahm die Verantwortung“, erinnert sich Reinhard Ottensmann und blickt zugleich optimisch in die Zukunft: „Die Planungen laufen ja schon seit einiger Zeit. Viele Leute bedauern den Abriss und das es in Zukunft keine größeren Veranstaltungen mehr geben kann. Aber der ist unumgänglich. Es ist so, dass wir zu wenig Schlüsselzuweisungen aus Münster erhalten und wir das Pfarrheim in dieser Größenordnung nicht länger betreiben konnten. Dementsprechend wird das neue Pfarrheim um die Hälfte verkleinert.“

Neubau soll im September 2019 fertiggestellt sein

Aufgrund des erstellten Artenschutzgutachtens ist das Fenster für den Abriss relativ klein. Das Dach muss zwischen dem 1.-15. März abgetragen werden. Nach und nach werden die Eternitplatten fachgerecht entfernt und entsorgt. Die Abbruchgenehmigung liegt bereits vor. Der Bauantrag liegt derzteit beim Kreis Warendorf zur Prüfung. Baubeginn soll dann im Sommer sein und wenn alles klappt, soll die Fertigstellung für das Folgejahr rechtzeitig zum Pfarrfamilienfest im September 2019 erfolgen.

Zur Geschichte des Bildungsheims

Vor fast genau 50 Jahren , am 20. Januar 1968, weihte Weihbischof Laurenz Böggering die „Ländliche Bildungsstätte St. Michael“ feierlich ein. Vorausgegangen war eine beispiellose Zusammenarbeit des Bistums Münster, des Landes Nordrhein-Westfalen, des Landschaftsverbandes, des Kreises Beckum und der politischen Gemeinde Wadersloh. In gerade einmal neun Monaten entstand das Gebäude und sollte in den nachfolgenden Jahrzehnten ein Treffpunkt zur Schulung von Jugendlichen und Familien werden. 2008 erfolgte die Umbennung in „Pfarrheim St. Michael“.

Fotos/Text: B. Brüggenthies

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