Wadersloh (mw/bb). 58 Jahre nach ihrer nach ihrer gemeinsamen Schulzeit hält der Zusammenhalt noch immer an: Rund 40 ehemalige Schülerinnen und Schüler des Wadersloher Volksschuljahrgangs 1960 (Enltassjahrgang 1968) trafen sich am vergangenen Samstag (18. Juli) zu ihrem dritten großen Klassentreffen. Im Saal der „Alten Brennerei“ des Hotels Karger standen vor allem eines im Mittelpunkt: Ein freudiges Wiedersehen und der Austausch von Erinnerungen an viele Geschichten aus längst vergangenen Schultagen.
Organisiert wurde das Treffen von Marlies Stukenkemper, die ihre ehemaligen Mitschülerinnen und Mitschüler zusammenbrachte. Die Schülerinnen und Schüler von einst leben heute weit verstreut, von den Nachbarorten rund um Wadersloh über Kassel und Würzburg sogar bis hin nach Australien. Die weiteste Anreise hatte somit Christel Eckey (damals wohnhaft in Diestedde) die seit vielen Jahzehnten in Australien lebt und regelmäßig ihre alte Heimat besucht.
Vom Schuljahrgang 1960 bis zur Entlassung 1968
Eingeschult wurde der Jahrgang im Jahr 1960. Damals besuchten die Kinder die Volksschule in Wadersloh. Die Klassen waren bunt zusammengesetzt: Neben Kindern aus Wadersloh kamen später auch Schülerinnen und Schüler aus den umliegenden Bauerschaften und Diestedde hinzu. Dadurch entstanden im Laufe der Schulzeit viele neue Bekanntschaften. Die ersten gemeinsamen Schuljahre waren noch stark von den damaligen Strukturen geprägt. Unterrichtet wurde unter anderem von Lehrer Ulrich Balkenhol († 2020). Ab 1967 änderte sich die Schullandschaft: Die Bauerschaftsschulen wurden nach und nach geschlossen, und auch Maria Vollmer, geborene Eversloh, gehörte fortan zum Unterrichtsteam. Während Ulrich Balkenhol weiterhin die Jungen unterrichtete, übernahm sie die Mädchen.
Zum Unterricht gehörten damals Fächer wie Lesen, Schreiben, Rechnen, Naturkunde, Erdkunde, Leibeserziehung und Kochen. „Heute würde man vieles anders nennen“, erinnerte sich Maria Vollmer. Doch die Zeiten seien ganz andere gewesen: 40 bis 50 Kinder in einer Klasse waren keine Seltenheit, Klassenbücher wurden noch per Hand geführt und der Unterricht endete grundsätzlich am Mittag. Nach der 9. Klasse endete für die meisten Schülerinnen und Schüler die Volksschulzeit. Gymnasiale Bildung war damals nur wenigen möglich, das Gymnasium Johanneum stand seinerzeit nur Jungen offen.

Erinnerungen an eine andere Schulzeit
Maria Vollmer blickt besonders gerne auf ihre Zeit als Lehrerin zurück. Als junge angehende Pädagogin besuchte sie die Marienschule in Lippstadt und bereitete sich auf ihre berufliche Laufbahn vor. Später wurde sie Lehrerin und unterrichtete unter anderem in Aachen, bevor sie wieder in die Heimat zurückkehrte. „Es war eine schöne Zeit“, sagte sie rückblickend. Besonders freute sie sich darüber, dass sich die Bildungschancen – vor allem für Mädchen – deutlich verbessert hätten. Sie selbst war damals die einzige Frau aus ihrem Jahrgang, die das Gymnasium besuchte. Auch beim Klassentreffen wurde deutlich, wie sehr sich der Alltag verändert hat. Verabredungen wurden früher noch persönlich getroffen, Handys gab es natürlich noch nicht, Ganztagsschulen waren noch unbekannt. Die damaligen Schulrichtlinien waren im sogenannten „blauen Wunder“ zusammengefasst, einem dicken Regelwerk mit blauem Einband. Trotz aller Veränderungen blieb eine Erinnerung besonders lebendig: der selbst verfasste „Schülerboogie“, der schon bei früheren Treffen für viele Lacher sorgte.
Drei Treffen in mehr als drei Jahrzehnten
Das erste große Wiedersehen fand bereits 1993 statt. 25 Jahre nach der Schulentlassung. Damals trafen sich knapp 60 ehemalige Schülerinnen und Schüler in der damaligen Gaststätte Eusterschulte. Schon damals stand die Erinnerung an die gemeinsame Einschulung im Mittelpunkt, denn viele Gesichter hatten sich durch die später zusammengelegten Klassen erst während der Schulzeit kennengelernt. Ein zweites großes Klassentreffen folgte 2018 zum 50-jährigen Jubiläum der Schulentlassung im Landgasthaus Heitmeier. Nun, acht Jahre später, folgte das dritte große Treffen. Neben Gesprächen und Erinnerungen gehörte auch eine Rundfahrt durch die Gemeinde zum Programm. Winfried Schlieper, Vorsitzender des Heimatvereins Wadersloh, zeigte den Gästen verschiedene Sehenswürdigkeiten und ließ dabei auch die Geschichte des Ortes lebendig werden.



Der Zusammenhalt bleibt bestehen
Von den ehemaligen Mitschülerinnen und Mitschülern sind inzwischen 13 verstorben, drei Frauen und zehn Männer. Die meisten Teilnehmer des Treffens sind heute um die 70 Jahre alt. Trotzdem ist die Verbindung untereinander geblieben. Viele der ehemaligen Schülerinnen und Schüler treffen sich auch außerhalb der großen Klassentreffen weiterhin in kleineren Runden, unter anderem in der „Fuchshöhle“. Dort entstand schließlich auch die Idee, wieder ein großes Wiedersehen zu organisieren. „Wir fanden, auch 58 Jahre nach der Schulentlassung ist schon ein besonderer Anlass, auch wenn wir in zwei Jahren dann die 60 vollmachen“, sagte Organisatorin Marlies Stukenkemper mit einem Lächeln im Gesicht. Viele hätten sich sofort bereit erklärt zu kommen. Die große Resonanz von 40 Teilnehmenden zeigt, wie eng die Verbindung innerhalb der ehemaligen Klasse geblieben ist. Nach fast sechs Jahrzehnten zeigte sich beim Treffen vor allem eines: Manche Freundschaften beginnen im Klassenzimmer und halten ein ganzes Leben lang.
Fotos/Text: B. Brüggenthies



