Liesborn (mw/bb). Als Dr. Sebastian Steinbach zum 1. Juli 2021 die Leitung des Museums Abtei Liesborn übernahm, brachte er klare Vorstellungen mit: Das Museum sollte digitaler, sichtbarer und noch stärker in der Region verankert werden. Fünf Jahre später zeigt sich: Viele dieser Ziele sind erreicht und das Museum hat sich in vielen Bereichen weiterentwickelt. Ein lebendige Kultur- und Begegnungsort war die einstige Benediktinerabtei auch zuvor schon, doch viele neue Impulse führten dazu, dass das Museum Abtei Liesborn in den letzten Jahren weit über den Kreis Warendorf hinaus noch mehr Aufmerksamkeit erfährt. Nun sind die ersten fünf Jahre um. MW hat mit Dr. Sebastian Steinbach über seine ersten fünf Jahre im Herzen des Liesedorfs geprochen.
Der gebürtige Berliner und promovierte Historiker trat im Sommer 2021 die Nachfolge von Dr. Elisabeth Schwarm an, die zuvor wichtige Weichen für das Liesborner Museum stellte. Bereits damals sprach Steinbach von den großen Potenzialen des geschichtsträchtigen Ortes. Heute blickt er auf eine Zeit zurück, in der das Museum nicht nur zahlreiche neue Ausstellungen und Veranstaltungsformate etablierte, sondern auch seine wissenschaftliche Arbeit ausbaute und neue Zielgruppen erschloss.

Ein Meilenstein für das Museum war in seinen ersten Amtsjahren die Fertigstellung des neuen Ausstellungsbereichs rund um das berühmte Liesborner Evangeliar. Als Steinbach seinen Dienst antrat, befand sich dieser Bereich noch in der Planung und im Umbau. Die Neueröffnung im Jahr 2023 erwies sich als wichtiger Schritt für die Entwicklung des Museums. „Dadurch sind wir deutlich bekannter geworden. Andere Museen haben Liesborn plötzlich auf dem Schirm gehabt und daraus sind neue Kooperationen entstanden“, sagt Steinbach. Von diesem Netzwerk profitierten zahlreiche Ausstellungen der vergangenen Jahre.
Dabei setzte der Museumsleiter bewusst auf Vielfalt: Neben klassischen kulturhistorischen Themen öffnete sich das Museum neuen Formaten. Konzerte, Lesungen, die erfolgreiche Playmobil-Ausstellung, Vorträge oder Veranstaltungen wie „Country im Kloster“ lockten Besuchergruppen an, die zuvor kaum den Weg in die Abtei gefunden hatten. Gleichzeitig griff das Museum mit Ausstellungen über Schützenvereine oder aktuell die Fußballvereine Themen auf, die viele Menschen aus der Region unmittelbar ansprechen.
Diese Strategie spiegelt sich auch in den Besucherzahlen wider. Einen wesentlichen Anteil daran sieht Steinbach in der konsequenten Ansprache neuer Zielgruppen. „Wir wollten bewusst auch Menschen erreichen, die bisher nicht zu unserem Stammpublikum gehörten“, erklärt er. Das Museum habe sich dabei auch als kulturelles Angebot im ländlichen Raum verstanden, etwa mit Autorenlesungen, für die Interessierte sonst in größere Städte fahren müssten.
Parallel dazu gewann die wissenschaftliche Arbeit weiter an Bedeutung: Gemeinsam mit Universitäten und Forschenden wurden zahlreiche Bestände neu untersucht. Das Museum Abtei Liesborn verfügt über mehr als 10.000 Objekte, von denen nur ein kleiner Teil dauerhaft ausgestellt wird. Durch Forschungsstipendien konnten beispielsweise die umfangreiche Textiliensammlung oder historische Spruchtücher neu bewertet werden. Dabei rückten Themen wie Rollenbilder, Frauenideale oder gesellschaftliche Entwicklungen in den Mittelpunkt und machten vermeintlich bekannte Exponate aus neuen Blickwinkeln interessant.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt seit einigen Jahren auf der Museumsvermittlung für Kinder. Mit dem inzwischen weit über 100 Mitglieder starken Kinderclub rund um den Abteikater Theophil (möglich gemacht vor allem durch den Verein der Freunde des Museums Abtei Liesborn) entstand ein Angebot speziell für Grundschulkinder und Familien. Die Identifikationsfigur begleitet inzwischen zahlreiche museumspädagogische Programme und ist aus dem Museum Abtei Liesborn kaum noch wegzudenken.
Rückblickend fällt es Sebastian Steinbach schwer, einzelne Höhepunkte herauszugreifen. Die Brettspielausstellung über Klöster in der Populärkultur (2022), die Playmobil-Ausstellung (2024) oder die Eröffnung des Evangeliar-Bereichs nennt er ebenso wie besondere Konzert- und Vortragsveranstaltungen. Am meisten Freude bereiteten ihm jedoch die Begegnungen mit den Besucherinnen und Besuchern. „Wenn ich durchs Museum gehe und direkt frage, wie sie auf uns aufmerksam geworden sind oder was ihnen gefällt, entstehen oft die schönsten Gespräche.“






Auch abseits des Ausstellungsbetriebs verfolgt der Museumsleiter wissenschaftliche Projekte. So arbeitet er derzeit an einer Publikation über einen bedeutenden mittelalterlichen Münzschatzfund aus Liesborn, dessen Münzen heute überwiegend im Münzkabinett in Berlin aufbewahrt werden.
Für die kommenden Jahre hat der Museumsleiter bereits neue Ziele formuliert: Die bestehenden Kooperationen mit Museen und Universitäten sollen weiter wachsen. Zudem wünscht er sich eine schrittweise Modernisierung der übrigen Dauerausstellung. Besonders wichtig ist ihm dabei eine stärkere Ausrichtung auf Familien und Kinder. Künftig sollen junge Besucherinnen und Besucher das Museum noch selbstständiger entdecken können.
Zum Abschluss seines persönlichen Rückblicks richtet Steinbach den Blick jedoch nicht auf sich selbst. Der Erfolg der vergangenen fünf Jahre sei eine Gemeinschaftsleistung gewesen. Sein Dank gelte dem Museumsteam, den zahlreichen Vereinen, Institutionen, Leihgebern und Partnern, die das Museum mit Ideen, Engagement und Offenheit unterstützt hätten. „Ein Museumsleiter kann viele Ideen haben – aber umgesetzt werden sie nur gemeinsam“, betont Steinbach. Genau dieses Miteinander habe das Museum Abtei Liesborn in den vergangenen fünf Jahren entscheidend geprägt. In diesem Sinne: Alles Gute für die Zukunft und viele weitere Ideen!
Foto/Text: B. Brüggenthies


