Diestedde/Oelde (mw/bb). Im Rahmen der 8. Veranstaltung der Reihe „Stiftungen des Stiftungszentrums Schloss Crassenstein stellen sich vor“ lud das Stiftungszentrum Schloss Crassenstein am vergangenen Mittwoch (24. Juni) in das historische Wasserschloss ein. Im Mittelpunkt des Abends standen eine Vortragsveranstaltung, eine Spendenübergabe sowie ein anschließender Austausch bei Imbiss und Diskussion.




Referent des Abends war Elmar Nordhus-Westarp, Geschäftsführer der Hilfswerk Schwester Petra e.V. sowie der Schwester Petra Stiftung und in der Vermögensberatung tätig. Seit 2011 ist er eng in die Arbeit des Hilfswerks eingebunden und stellte eindrücklich die Entwicklung, das Selbstverständnis und die aktuelle Situation der Projekte in Indien dar.
Indien als Wirkungsraum einer besonderen Mission
Nordhus-Westarp zeichnete ein umfassendes Bild des Landes: Indien ist mit rund 1,5 Milliarden Menschen das bevölkerungsreichste Land der Welt. Statistisch betrachtet würde, bezogen auf eine Weltbevölkerung von 100 Menschen, etwa 18 aus Indien stammen, während lediglich eine Person aus Deutschland käme. Gleichzeitig befinde sich das Land in einem demografischen Wandel, da die Geburtenrate mit etwa 1,9 Kindern pro Frau bereits unter dem Bestandserhaltungsniveau liege. Trotz wirtschaftlicher Dynamik bleibe Indien ein Land großer sozialer Gegensätze. Gerade hier setze die Arbeit der katholischen Ordensgemeinschaft „Dienerinnen der Armen“ an, die in vier Provinzen mit insgesamt mehreren hundert Schwestern tätig ist. Die Referenzstruktur umfasst unter anderem die Provinzen Nirmala, Amala, Vimala und Amal-Jyothi, in denen insgesamt mehrere hundert Schwestern in dutzenden Konventen leben und arbeiten.
Leben und Werk von Schwester Petra
Einen besonderen Schwerpunkt bildete die Erinnerung an das Leben der Ordensgründerin Schwester Petra, die als Paula Katharina Mönnigmann am 14. Juni 1924 in Oelde geboren wurde. Nach ihrem Eintritt in den Ursulinenorden in Werl im Jahr 1953 ging sie 1966 nach Indien, wo sie ihre Missionsarbeit in einem Caritas-Krankenhaus bei Pattuvam aufnahm. Am 1. Juni 1969 gründete sie die „Dienerinnen der Armen“ (ind. Ordensname: Dinasevanasabha). Ihr Leben endete tragisch am 5. Juni 1976 bei einem Verkehrsunfall in Indien, kurz vor ihrem 52. Geburtstag. Dennoch wirkt ihr Vermächtnis bis heute fort: Rund 600 Schwestern sowie zahlreiche Unterstützer führen ihr Werk weiter. 2009 wurde Schwester Petra vom Vatikan zur „Dienerin Gottes“ erklärt; aktuell läuft ein Seligsprechungsverfahren.
Konkrete Hilfe vor Ort: Hilfswerk und Stiftung als tragende Säulen
Die Arbeit der Ordensschwestern in Indien ist breit aufgestellt. Sie umfasst unter anderem 29 medizinische Ambulanzen, Heime und Zentren für Menschen mit Behinderungen, 17 Kindergärten, 16 Kinder- und Jugendheime, 15 Sozialstationen, 11 Altenheime, 9 Werkstätten für Mädchen sowie mehrere Schulen – darunter auch Einrichtungen für Kinder mit Behinderung, etwa eine Gehörlosenschule in Kooperation mit Don Bosco. Neben der sozialen Infrastruktur wurde auch die zunehmende indisch-deutsche Zusammenarbeit betont. Ordensschwestern wirken auch an Standorten in Deutschland, darunter Haltern am See, Freckenhorst, Oelde, Werl, Recklinghausen, Fulda und Schwäbisch Gmünd, und bilden ein wachsendes Netzwerk des Austauschs und der Unterstützung.
Das Hilfswerk Schwester Petra e.V. entstand ursprünglich aus einem Freundes- und Unterstützerkreis, der bereits vor der offiziellen Ordensgründung die Arbeit Schwester Petras begleitete. Seit 2004 trägt der Verein seinen heutigen Namen. Im Jahr 2008 wurde zudem die Schwester Petra Stiftung mit einem Gründungskapital von 200.000 Euro ins Leben gerufen, um die langfristige Finanzierung und Stabilität der Projekte zu sichern. Beide Institutionen bilden heute die tragenden Säulen der Unterstützung für die „Dienerinnen der Armen“ und stehen zunehmend vor der Herausforderung, den Erhalt bestehender Strukturen langfristig zu sichern. Besonders die Altersentwicklung – sowohl der Schwestern in Deutschland als auch in Indien – stellt eine wachsende Aufgabe dar.
Diskussion: Ein einzigartiges Beispiel gelebter Nächstenliebe
In der anschließenden Gesprächsrunde berichteten die Schwestern Jiji Maria und Schwester Ani aus ihrem Alltag. Dabei wurde deutlich, dass die Arbeit weiterhin stark vom Glauben getragen ist, gleichzeitig aber auch strukturelle Herausforderungen bestehen. Nordhus-Westarp wies zudem auf fehlende staatliche Unterstützung für bestimmte soziale Bereiche in Indien hin, etwa für Altenheime. Die Organisation müsse daher langfristig mit Weitblick planen und Verantwortung für ältere Ordensmitglieder stärker in den Blick nehmen. Gleichzeitig wurde die besondere Stellung der „Dienerinnen der Armen“ im indischen Kontext hervorgehoben: In einem vom Kastensystem geprägten Umfeld sei ihre Arbeit ein einzigartiges Beispiel gelebter Nächstenliebe und praktischer Hilfe unabhängig von sozialer Herkunft. „Wir sehen alle als Menschen“, fassten die Schwestern ihre Haltung zusammen.
„Röschinger Stiftung“ unterstützt Hilfswerk mit Spende
Zum Abschluss würdigte Dr. Frank Röschinger nicht nur die Arbeit der „Dienerinnen der Armen“ und ihre Unterstützenden, sondern auch die kontinuierliche Arbeit des Stiftungszentrums Schloss Crassenstein und ihrer Akteuere und betonte die Kontinuität, Vielfalt und Frequenz der Veranstaltungen, die vollständig ehrenamtlich getragen werden. Man verstehe sich bewusst als Brückenbauer, um die wertvolle Arbeit sichtbarer zu machen. Im Rahmen der Veranstaltung übergab die „Röschinger Stiftung“ eine Spende in Höhe von 1.000 Euro an das Hilfswerk Schwester Petra e.V. Die Übergabe des symbolischen Spendenschecks erfolgte durch Dr. Frank Röschinger und Jörg Mußmann, als Vertreter der Familienstiftung.
Die Veranstaltung klang in geselliger Atmosphäre mit Imbiss und intensiven Gesprächen aus.
Weiterführende Infos
Webseite des Hilfswerks Schwester Petra
Fotos/Text: B. Brüggenthies


