Einen erfolgreichen Abschluss des 55. Kammermusik-Festivals Liesborner Museumskonzerte bildete am Samstagabend das sechste Konzert der Reihe. Das Vorspiel der Preisträger/innen des Landes- und Bundeswettbewerbs „Jugend musiziert“ folgte am Sonntag als Ausblick auf die neue musikalische Generation. Jörg Lopper, der als Künstlerischer Leiter des Festivals für das Festival verantwortlich ist, bedankte sich beim Publikum, bei den Sponsoren, der Gemeinde Wadersloh und beim Freundeskreis Liesborner Museumskonzerte e.V. Zwei wichtige Helferinnen erwähnte er besonders: Ulrike Morgenstern als „die gute Seele dieses Festivals“ und Anita Temmen, die sich um die Musiker und die Beköstigung kümmert. Auch Jörg Lopper selbst sei von dieser Seite aus ein Lob für die wunderbare Zusammenstellung der Konzertreihe ausgesprochen.
Beim Abendkonzert präsentierten die Pianisten Jonas Stark und Jun-Ho Gabriel Yeo romantische Klaviermusik in vier Händen. Die talentierten Musiker, Konzertpianisten und Preisträger mehrerer Wettbewerbe traten in Liesborn bereits als Solisten bei den Silvesterkonzerten 2020 und 2024 auf. Seit 2021 musizieren Jonas Stark und Jun-Ho Gabriel Yeo als Duo. Jörg Lopper lud die Künstler ein, damit das Liesborner Publikum sie nun auch im gemeinsamen Spiel erleben konnte.
Die Einführung zum Konzert „Wiener Lebensstürme“ und das Interview mit den Künstlern übernahm dieses Mal die Dramaturgin Amalie Lopper. Gefragt zur Zusammenarbeit der beiden Künstler kommentierte Jonas Stark: „Wir spielen gerne zusammen, mögen einander. Jedoch beim Spielen in vier Händen hat man für sich nicht mehr 88 Tasten, sondern nur die Hälfte.“ Eine Herausforderung, der sich die beiden Pianisten gerne stellen, denn für die Zukunft wünschen sich die Künstler weitere gemeinsame musikalische Auftritte.
Beide Klavierspieler haben eine besondere Beziehung zu Wien, der Stadt der Musik. Jun-Ho Gabriel Yeo studierte dort von 2015 bis 2016. Jonas Stark gewann 2025 den zweiten Preis beim internationalen Beethoven-Wettbewerb in Wien. Als Klavierduo „Duo Pianoforte“ haben die Musiker eine renommierte Konzertförderung des Deutschen Musikwettbewerbs erhalten, was ihnen zahlreiche Konzertauftritte in ganz Deutschland (darunter Konzerte wie „Wiener Lebenstürme“) ermöglichte.
Die Komponisten Johannes Brahms und Franz Schubert liegen den Musikern besonders am Herzen. Diese beiden Komponisten lebten in Wien und musizierten in vier Händen. Schubert spielte oft mit seinem Freund Franz von Schober, der ab 1821 die bekannten „Schubertiaden“ veranstaltete. Brahms zog 1862 in die Stadt des Walzers. Bei Hausmusikkonzerten präsentierte er seinem Publikum viele orchestrale Werke seiner Vorbilder. 1864 ging er zurück nach Zürich, kehrte 1871 allerdings nach Wien zurück. Sein „Walzer“ Op. 39 wurde 1865 uraufgeführt. Dieses brillante Stück mit einem Walzer-Thema und vielen rhythmischen, tänzerischen und melodischen Variationen und romantischen Harmonien präsentierten die beiden Musiker dynamisch und emotional.
Als zweites erklang das Solo-Stück „Valses nobles“ von Franz Schubert. Jun-Ho Gabriel Yeo begann das Stück und gab einen guten Impuls. Mitten im Werk übernahm Jonas Stark meisterhaft und führte die zweite Hälfte auf. Ein virtuoses Stück mit vielen Läufen und Passagen erklang beeindruckend.

Die „Variationen B-Dur“ von Schubert aus der Frühromantik mit Introduktion, Thema sowie vier Variationen und Finale beinhalten viele klassische Elemente. Jedoch merkt man hier erste romantische Einflüsse durch einige dynamische Effekte, freie Linien und neue Harmonien. In der Schubert-Musik spielt das Lied eine große Rolle. Die melodischen Elemente sind hier besonders in den langsamen Episoden gut zu hören.
Bei Brahms war die Melodie genauso wichtig, aber auch harmonisches und emotionales Denken zeichnen sich durch eine besondere Bedeutung aus. Beeindruckend erklangen Brahms „Geister“-Variationen über ein Thema von Robert Schumann. Als guter Pianist komponierte Brahms sein Stück virtuos und komplex. Eine gute Interpretation an diesem Abend beeindruckte die Zuhörer: „Einfach spitze!“ und „sensationell“ waren bezeichnende Ausrufe.
Von heiteren Walzern bis zu existenziellen Variationen spannte das Programm einen emotionalen Bogen, der in Schuberts dramatischem Werk Allegro a-moll „Lebensstürme“ gipfelte. Passend als krönender Abschluss dieses Konzertes war es ein komplexes und virtuoses Stück mit mehreren Episoden in Rondo-Form. Das Werk komponierte Schubert vermutlich für seinen Duopartner Franz Lachner, um es bei der „Schubertiade“ zu präsentieren. Die Klavierspieler wechselten beim zweiten Part und zeigten ein gutes Ensemblespiel, Leichtigkeit bei schweren Stellen und tiefe emotionale Interpretationen, die durch ihre Mimik noch verstärkt wurden.
Das Publikum bedankte sich mit kräftigem Applaus. Als Zugabe erklang „das kleine Stück“ „Militär-Marsch“ in C-Dur von Schubert, mit dem das Konzert mit großem Erfolg abschloss.
Foto/Text/Transparenzhinweis: Dr. Elena Potthast-Borisovets im Auftrag des Kuratoriums der Abteikonzerte/Veranstalters


