Liesborn (mw/bb). Als Stefan Freitag im Frühjahr 2023 seine Stammzellen spendete, wusste er nicht, wem er damit helfen würde. Er wusste nur eines: Irgendwo wartete ein Mensch auf genau diese Hilfe. Drei Jahre später ist aus dieser anonymen Verbindung eine ganz besondere Geschichte geworden – und aus der Hoffnung von damals eine zweite Lebenschance.
Der Feuerwehrmann und Familienvater aus Liesborn hatte sich damals über seinen Arbeitgeber bei der DKMS registrieren lassen. Damals schien die Wahrscheinlichkeit gering, jemals tatsächlich als Spender infrage zu kommen. Doch dann kam der Anruf: Seine Gewebemerkmale passten zu einer Patientin, die dringend auf eine Stammzellenspende angewiesen war. „Natürlich macht man sich zunächst Gedanken“, erinnert sich Stefan Freitag. Die Sorge vor der unbekannten Situation sei zunächst größer gewesen als die eigentliche Spende. Rückblickend kann er Entwarnung geben: „Die Spende war sehr angenehm und ich wurde immer unterstützt.“
Bereits 2023 hatte Freitag im Interview mit Mein-Wadersloh.de gesagt, dass er die Empfängerin seiner Spende eines Tages gerne kennenlernen würde. Genau dieser Wunsch sollte sich erfüllen. Nach Ablauf der vorgeschriebenen Wartezeit kam zunächst der erste persönliche Kontakt zustande. Stefan und die Empfängerin Judith telefonierten miteinander. Ein Moment, der beide bewegte. Besonders eine Aussage blieb dem Liesborner bis heute im Gedächtnis: „Judith hat mich einen Helden genannt.“
Doch dabei blieb es nicht. Bereits zwei Wochen später trafen sich die beiden persönlich. Gemeinsam mit Stefans Familie saßen sie bei Kaffee und Kuchen zusammen und verbrachten viele Stunden im Gespräch. Aus einer anonymen Stammzellspende war eine Begegnung geworden, die beide Seiten wohl nie vergessen werden. „Für mich war es einfach selbstverständlich zu helfen“, sagt der der Liesborner bescheiden. Wer Stefan kennt, wird über diese Haltung nicht überrascht sein. Als langjähriger Feuerwehrmann beim Löschzug Liesborn der Freiwilligen Feuerwehr Wadersloh engagiert er sich seit Jahren für andere Menschen. Dennoch zeigt seine Geschichte eindrucksvoll, welche enorme Wirkung bereits ein kleiner Schritt haben kann: Die Registrierung als potenzielle Stammzellspenderin oder potenzieller Stammzellspender. Aus einem einfachen Wangenabstrich wurde für Stefan Freitag die Möglichkeit, einem fremden Menschen das Leben zu retten. Heute weiß er, wer dieser Mensch ist. Judith lebt. Auch dank seiner Entscheidung. Seine Geschichte macht Mut und zeigt, dass hinter jeder Registrierung die Chance auf ein Wunder steckt.
Vielleicht wartet irgendwo gerade jetzt ein Mensch auf seinen genetischen Zwilling. Und vielleicht beginnt auch dessen Geschichte mit einem einzigen Stäbchenabstrich.
Foto/Text: B. Brüggenthies


