Wadersloh (mw/bb). Ein rot-blaues Zirkuszelt steht auf der Wiese am Lechtenweg und zeigt schon von weitem: Hier ist was im Gange! Und das ist bunt und macht Spaß! Für eine Woche ist der Alltag in der DRK-KiTa Wunderwelt mal komplett anders. Unter der Zirkuskuppel wird balanciert, gelacht, und wenn’s nicht auf Anhieb klappt, gleich nochmal probiert. Gemeinsam mit dem Projektzirkus „ZappZarap“ ist aus dem KiTa-Gelände eine kleine Manege geworden, bei der die Jüngsten im Mittelpunkt stehen.


„Das war kein spontaner Einfall“, betont KiTa-Leiterin Alica Mehring. Das Projekt ist nicht kurzfristig entstanden. Drei Jahre habe man daran gearbeitet, immer wieder Ideen gesammelt, verworfen, neu gedacht. „Das ist nichts, was wir mal eben entschieden haben“, sagt sie. „Wir wollten etwas schaffen, das wirklich alle Kinder mitnimmt.“ Der Gedanke dahinter ist einfach, aber ambitioniert: Keine Einzelprojekte, kein Nebeneinander. Sondern ein gemeinsames Erlebnis für die ganze Einrichtung.
Und dann dieser Moment am Anfang der Woche: Das Zirkus-Zelt wird aufgebaut. Nicht nur von den Profis, sondern mit den Eltern und dem KiTa-Team der „Wunderwelt“. Alica Mehring beschreibt es fast beiläufig, aber genau darin steckt viel von dem Projekt: „Das war schon der erste Teil des Ganzen. Gemeinschaft, bevor überhaupt ein Kind in der Manege stand.“ Das Zelt und auch das Projekt entstehen nicht nebenbei. Es entsteht gemeinsam.
Die „Wunderwelt“-Familie mittendrin
In den Tagen danach wird ausprobiert, was sonst selten Platz hat, zumindest nicht in einem waschechten Zirkuszelt. Seiltanz, kleine akrobatische Figuren, Clownerie, Jonglage. Vieles ist ein wenig wacklig, manches klappt schon überraschend gut, einiges geht auch mal schief und darf dann einfach nochmal probiert werden. Kein Druck, keine Bewertung im klassischen Sinn. Eher ein Raum, in dem man sich traut, auch wenn man nicht sicher ist, ob es funktioniert. Zirkuspädagoge Floyd vom Team des Circus ZappZarap hat dazu eine klare Haltung: „Die Kinder sind die Stars in der Manege.“ Alica Mehring und ihr Team sehen auch pädagogisch viele Vorteile: Ziel sei es gewesen, „dass Kinder über sich hinauswachsen, sich etwas zutrauen und erleben: Ich kann etwas schaffen, gemeinsam mit anderen.“


Auffällig ist, wie stark auch das KiTa-Team eingebunden ist: Die Erzieherinnen stehen nicht am Rand, sie stehen mit in der Manege und motivieren die jungen Nachwuchszirkusakrobaten aktiv. Zuvor gab es eine Fortbildung, kleine eigene Übungen, ein Herantasten an das bunte Zirkusspiel. „Unser Team ist hier nicht nur Begleitung. Sie sind Teil der Trainergruppe geworden. Das verändert den Blick auf die Kinder“, freut sich Alica Mehring über die leuchtenden Augen der Kinder sowie ihrer Mitarbeitenden und ist sichtbar zufrieden über die Entwicklung in dieser Woche.
Das Mitmachkonzert als eigenes Kapitel im Projekt
Ein eigener bunter Baustein der Woche war das Mitmachkonzert im Zirkuszelt. Kein klassisches Bühnenprogramm, sondern ein bewusst offen gehaltenes Format, bei dem Mitsingen und vor allem Tanzen ausdrücklich erwünscht waren. Der Wadersloher Musiker Alexander Hauffen, zufällig nicht nur selbst KiTa-Vater, sondern auch ausgebildeter Clown, trat dabei vor den Kindern aller DRK-KiTas auf, denn die „Wunderwelt“ lud die gesamte „Familie“ der DRK KiTa gGmbH ein, so dass auch die „Pusteblume“, die „Villa Kunterbunt“ und der „Flohzirkus“ Gäste der großen Zirkusmusikparty waren.

Alexander Hauffen freute sich, dass es bei dem Konzert direkt, offen und ungefiltert zuging. Kinder würden nicht überlegen, ob etwas peinlich sein könnte. Sie machen einfach mit. „Die sind da sofort drin“, sagt er und stellt die Gitarre kurz für eine Trinkpause zur Seite. Das Mitmachkonzert erweist sich auch aus Sicht der KiTa als passende Ergänzung des Gesamtprojekts. „Wir wollten das Zirkuszelt nicht nur für uns nutzen. Es wäre schade gewesen, wenn das nur unsere KiTa erlebt.“
Und dann die Frage nach dem, was bleibt
Am Ende der Woche steht die große Aufführung. Licht, Musik, Kinder in der Manege. Manche konzentriert, andere einfach im Moment. Drumherum die Eltern, Großeltern und Geschwister, die gespannt das rund 60 Minuten lange Programm verfolgen und im Verlauf der kommenden Stunde immer wieder begeistert applaudieren.
Was danach bleibt? „Es ist dieses Gefühl, gemeinsam etwas geschaffen zu haben. Und diese Kinder, die plötzlich ganz anders auftreten als vorher“, fasst Alica Mehring zusammen. Es geht um Mut, um Sichtbarkeit. Man sieht Kinder, die etwas zeigen, dass sie sich wenige Tage vorher noch nicht zugetraut hätten. Die Wirkung der Zirkus-Projektwoche zeigt sich nicht in perfekten Nummern, sondern in kleinen Momenten: Oder einfach darin, am Ende stolz aus der Manege zu kommen. Die Kinder der „Wunderwelt“ durften eine Woche lang Zirkusluft schnuppern und sie werden noch lange an die besonderen Momente zurückdenken.
Hintergrund: Circus „ZappZarap“
Der Projektzirkus „ZappZarap“ stammt aus Leverkusen und ist seit mehr als zwei Jahrzehnten im deutschsprachigen Raum unterwegs. Das Team arbeitet mit Kitas, Schulen und sozialen Einrichtungen und versteht sich als pädagogischer Mitmachzirkus. Im Mittelpunkt steht dabei kein klassisches Zirkusprogramm mit festen Darbietungen, sondern ein flexibles Konzept, bei dem Kinder und Jugendliche selbst zu Artisten werden. Ziel ist es, Selbstvertrauen, Teamgeist und kreative Ausdrucksformen zu stärken – unabhängig von Vorerfahrung oder Fähigkeiten.
Fotos/Text/Video: B. Brüggenthies;
Transparenzhinweis: Die Produktion des Videos wurde von der DRK gGmbH in Auftrag gegeben.

