Liesborn (mw). Am vergangenen Samstag beeindruckte das Notos Quartett das Publikum beim vierten Konzert des 55. Kammermusikfestivals der Liesborner Museumskonzerte mit dem anspruchsvollen Programm „Der Zeit voraus“.
Seit der Gründung 2007 wurde das Quartett mit sechs ersten Preisen sowie zahlreichen Sonderpreisen bei internationalen Wettbewerben ausgezeichnet. Bereits 2023 hat das Notos Quartett in Liesborn erfolgreich debütiert. Am vergangenen Samstag beeindruckten die vier begabten Künstler, Sindri Lederer an der Violine, Andrea Burger an der Viola, Benjamin Lai am Violoncello und Antonia Köster am Klavier, die Zuhörer mit ihrem musikalischen Können. Das Ensemble präsentierte drei Klavierquartetts aus drei Epochen, von Wolfgang Amadeus Mozart aus der Wiener Klassik, Camille Saint-Saëns aus der Romantik und William Walton, der in seinem Werk verschiedene Musikrichtungen des 20. Jahrhunderts aufnahm.
Die Quartette wurden stilistisch meisterhaft interpretiert. Im galanten Stil erklang Mozarts Klavierquartetts in g-moll mit leichten Passagen und Verzierungen. Im Kontrast zum klassischen Stück wurde das wenig bekannte Klavierquartett in d-moll von William Walton in einem modernen Stil mit vielen neuen Klängen und Rhythmen präsentiert. Nach der Pause durften die Zuhörer Saint-Saëns mit reichen romantischen Harmonien genießen.
Die Pianistin übernahm oft eine führende Rolle und verdeutliche die Möglichkeiten das Ensemblespiel, das sie vor dem Konzert in der Einführung kommentiert hatte: „Wir können fast Orchesterklang produzieren.“ Dieses konnte man besonders deutlich im Saint-Saëns Klavierquartetts erleben.
Saint-Saëns war ein guter Organist und Pianist und komponierte deshalb den Klavierpart besonders virtuos. Die Streichinstrumente präsentierten das Thema ebenso meisterhaft. Steigende Dynamik sowie motivische und Tonal-Entwicklung führten jeden Part zum intensiven Tutti-Klang. Im zweiten Teil waren deutlich die Elemente eines Orgelklanges mit einem Präludium, einer Fuge und einem Choralthema zu hören. Antonia Köster meinte, Saint-Saëns sei immer schwer, eine Herausforderung und mache zugleich immer Spaß.
Das Klavierquartett in d-moll hatte William Walton bereits mit 16 Jahren komponiert und 1924, sechs Jahre später, in seine endgültige Fassung gebracht. Die Melodik basiert auf einem dorischen Thema. Der Komponist fügte die Pentatonik, einige Jazzelementen und keltische Folklore ein. Der langsame Teil „Andante tranquillo“ erklang bei den Streichern mit Sourdine (Dämpfer) und leichtem Arpeggio im Klavier in einem impressionistischen Stil. Das ganze Stück ist auf vielen Mischklängen und neuen experimentalen Akkorden aufgebaut, die besondere Klangeffekte erzeugten.
Ein emotionales gutes Zusammenspiel in verschiedenen Stilen gelang den Interpreten erfolgreich. Ausrufe wie „Spitze!“ und „Schön!“ waren nach den Stücken aus dem Publikum zu hören. Die Zuhörer bedankten sich mit langem und intensivem Applaus, woraufhin eine „klitzekleine Zugabe“, das Prélude von Dmitriy Schostakowitsch, folgte. Mit diesem getragenen Stück endete der Abend harmonisch.
Ein besonderes Erlebnis war das Konzert für einen 22jährigen Zuhörer. Der aus einer musikalischen Familie stammende junge Mann interessiert sich für Klaviermusik und entdeckte zufällig Werbung für das Konzert. Kurzentschlossen hatte er die Fahrt aus Münster auf sich genommen, um das Quartett live erleben zu können. Er war von dem besonderen Konzertangeboten angetan und war sich nach diesem ersten Konzertbesuch in Liesborn sicher, das Festival weiterhin zu besuchen.
Foto/Text/Transparenzhinweis: Dr. Elena Potthast-Borisovets im Auftrag des Kuratoriums der Abteikonzerte


