Wadersloh (mw/bb). Im Rahmen der Generalversammlung des Heimatvereins Wadersloh am vergangenen Mittwoch (25. Februar) gab Bürgermeister Christian Tegelkamp einen kompakten, aber inhaltlich dichten Ausblick auf die aktuelle und künftige Entwicklung der Gemeinde Wadersloh.
Haushalt: Gute Zeiten „ein bisschen vorbei“: Deutliche Kritik an der Kreisumlage
Mit Blick auf die laufenden Haushaltsberatungen, die sich derzeit in den Fachausschüssen dem Ende zuneigen und in der kommenden Woche im Hauptausschuss abschließend abgestimmt werden, schlug der Bürgermeister einen realistischen Ton an. Die „guten Zeiten“ seien, so Tegelkamp, ein Stück weit vorbei. Die Rücklagen der Gemeinde seien weitgehend aufgebraucht, neue Schulden müssten aufgenommen werden.
Gleichzeitig betonte er, dass dies nur die halbe Wahrheit sei. In den vergangenen Jahren sei das Anlagenvermögen der Gemeinde durch umfangreiche Investitionen in Gebäude und Infrastruktur in allen drei Ortsteilen deutlich erhöht worden. Trotz steigender Verbindlichkeiten über einen Zeitraum der nächsten zehn bis 15 Jahren hätten, wurden wichtige Projekte umgesetzt. Man sei froh, diese zentrale Maßnahmen realisiert zu haben.
Nicht ohne deutliche Worte äußerte sich Tegelkamp zu einem Zeitungsbericht einer regionalen Tageszeitung über die dort thematisierte geringe Verschuldung des Kreis Warendorf. Dass sich der Kreis für seine niedrige Verschuldung rühme, sei aus seiner Sicht nur bedingt nachvollziehbar. Der Kreis arbeite nicht mit „eigenem Geld“, sondern finanziere sich maßgeblich über die Kreisumlage, die von den Städten und Gemeinden aufgebracht werde. Letztlich zahlten die Bürgerinnen und Bürger damit mittelbar und unmittelbar auch die Ausgaben des Kreises.
Entwicklungen in den Wadersloher Ortsteilen
Für die drei Ortsteile gab es ebenfalls Neuigkeiten: Gerüchten über einen möglichen Rückzug beim geplanten Neubau eines Verbrauchermarktes an der Langen Straße in Diestedde trat Bürgermeister Tegelkamp entgegen. Die Entscheidung liege ausschließlich bei Netto Marken-Discount und nicht bei der Gemeinde. Nach derzeitigem Stand halte das Unternehmen weiterhin an seinen Plänen für den Standort fest, auch wenn solche Prozesse naturgemäß Zeit benötigten. Man hoffe daher auf einen baldigen Startschuss für das Vorhaben. Handlungsbedarf besteht aus Sicht des Bürgermeisters auch beim Bahnhofsvorplatz am anderen Dorfende von Diestedde. Dieser sei derzeit in einem „erbärmlichen“ Zustand und zugleich der letzte zentrale Platz im Gemeindegebiet, der noch grundlegend ertüchtigt werden müsse. Die Gemeinde setze weiterhin auf entsprechende Fördermittel, um die Neugestaltung möglichst zeitnah realisieren zu können. Hier hatte es bisher noch kein grünes Licht gegeben.
Ein weiteres bedeutendes Projekt betrifft ein geplantes Logistikzentrum an der Diestedder Straße in Wadersloh. Der Investor Swiss Life habe inzwischen die Baugenehmigung erhalten. Der Baubeginn sei für März oder April vorgesehen, sodass die Umsetzung nun konkret bevorstehe. Im „Wohnpark Mauritz“ (s. Foto) haben die Erschließungsarbeiten bereits begonnen, erste Bagger sind vor Ort im Einsatz. Wenn alles planmäßig verläuft, soll im Herbst 2026 mit der Vermarktung der Baugrundstücke begonnen werden. Auch im Baugebiet „Im Sommerkamp“ in Liesborn nähert sich ein wichtiger Schritt: Dort steht der Endausbau kurz bevor.

Sanierungsbedarf gibt es zudem am „Klosterhof“ in Liesborn. Das Gebäude aus den späten 1970er-Jahren soll umfassend modernisiert werden. Angesichts des Alters von rund 50 Jahren stelle sich jedoch die Frage, welche Maßnahmen wirtschaftlich und sinnvoll umsetzbar seien. Hier bestehe weiterer Beratungsbedarf in den zuständigen Gremien.
Handlungsbedarf bei Schulbus-Situation und dem kommunalen Bauhof
Auch kritischere Themen sprach der Bürgermeister offen an. Die Schulbussituation bezeichnete er als problematisch. Es sei beinahe ein Wunder, dass bislang nichts passiert sei. Hier bestehe dringender Prüfbedarf.
Ebenfalls am Anfang, aber mit großem Handlungsdruck versehen, seien Überlegungen zur Zukunft des gemeindlichen Bauhofs (Beitragsbild). Insbesondere die Sanitärsituation sei nach Jahrzehnten der Nutzung nicht mehr tragbar. Tegelkamp sprach hier ausdrücklich auch in seiner Rolle als Arbeitgeber. Es gehe darum, für Gärtner, Straßenwärter und weitere Beschäftigte ein zeitgemäßes und würdiges Arbeitsumfeld zu schaffen. „Das geht schon noch“ könne keine dauerhafte Strategie sein. Geplant ist unter anderem eine zeitnahe Begehung mit dem Bau- und Planungsausschuss.
Berufs- und Studienmesse 2026 mit Rekordbeteiligung
Mit Vorfreude blickte Tegelkamp auf die anstehende Berufs- und Studieninformationsmesse am 14. März 2026 an der Sekundarschule Wadersloh. Besonders hob er das Engagement der Kolpingsfamilie Wadersloh hervor, die unter Leitung ihres Vorsitzenden Stefan Wapelhorst die Organisation federführend übernimmt. Zahlreiche Hochschulen, Universitäten und Unternehmen, darunter Miele, Claas, Bertelsmann, viele regionale Betriebe, sowie Polizei und Bundeswehr hätten ihre Teilnahme zugesagt. Nach Angaben der Organisatoren werde erneut ein Ausstellerrekord erwartet.
Tegelkamp wies auch auf ein bevorstehendes Jubiläum hin: 35 Jahre Gemeindepartnerschaft mit Marcillat-en-Combraille in Frankreich werden in diesem Jahr gefeiert. Mit einem Dank an den Heimatverein für dessen Engagement in der Gemeinde schloss der Bürgermeister seinen Impulsvortrag.
Fotos/Text: mw/bb.



