Liesborn (mw/bb). Die diesjährige Jahreshauptversammlung des Landwirtschaftlichen Ortsverbands Wadersloh (WLV) im Klosterhof Liesborn stand am 19. Januar ganz im Zeichen des Dialogs zwischen Landwirtschaft, Politik und Gesellschaft. Die Veranstaltung war sehr gut besucht und spiegelte die breite Verankerung des Ortsverbands wider: Neben zahlreichen langjährigen Mitgliedern nahmen auffallend viele Junglandwirte und -landwirtinnen sowie neue Mitglieder teil. Auch zahlreiche Ehrengäste aus Politik, Verbänden und befreundeten Organisationen waren der Einladung gefolgt.
Der Vorsitzende Franz Lütke Holling-Henkelmann eröffnete die Versammlung mit einem verspäteten, aber herzlichen Neujahrsgruß. Er zeigte sich erfreut über die große Resonanz und betonte, dass ein voller Saal ein deutliches Zeichen für den Zusammenhalt und das Engagement innerhalb des Berufsstands sei. Besonders begrüßte er Ortslandwirt Theo Berlinghoff sowie Bürgermeister Christian Thegelkamp.
Dank an Ehrenamt und starke Partner im landwirtschaftlichen Raum
Zu Beginn der Versammlung richtete der Vorsitzende seinen ausdrücklichen Dank an mehrere Gruppen, ohne deren Unterstützung die Arbeit des Ortsverbands nicht in dieser Form möglich wäre. Ein besonderes Lob galt dem Hegering für die tatkräftige Hilfe bei der Wildrettung. „Das ist eine wunderbare Sache und eine großartige Unterstützung für die Landwirte“, so Holling-Henkelmann. Ebenso würdigte er die Landfrauen: „Ihr haltet uns den Rücken frei und seid wunderbare Botschafterinnen für landwirtschaftliche Interessen in der Gesellschaft.“ Auch der KLJB dankte er für ihren Einsatz und ihre Unterstützung. Er selbst habe seine ersten Erfahrungen im Ehrenamt in der Landjugend gesammelt und wisse daher, wie wichtig dieses Engagement für den Berufsstand sei.
Im anschließenden Totengedenken erinnerte der Ortsverband an Rudolf Steinhoff, den im Mai 2025 verstorbenen langjährigen Vorsitzenden des Wasser- und Bodenverbands. Die Versammlung gedachte seiner Verdienste in stillem Moment.
Die Landwirtschaft weiter im Spannungsfeld der Politik
In seinem Impulsvortrag widmete sich Holling-Henkelmann im Anschluss dem Thema „Wir in der Landwirtschaft im Spannungsfeld zwischen Betrieb und Politik“. Er griff dabei die Bauernproteste zum Jahreswechsel 2023/2024 auf, die sich gegen den geplanten Wegfall der Agrardieselrückvergütung richteten. Diese Zeit sei geprägt gewesen von vielen Gesprächen mit politischen Entscheidungsträgern auf allen Ebenen. Mit Erfolg: Die Agrardieselrückvergütung werde zum 1. Januar 2026 vollständig wieder eingeführt.

Auch auf kommunalpolitischer Ebene stünden der Landwirtschaft große Veränderungen bevor. „Es wird sicher nicht einfacher“, sagte der Vorsitzende, stellte aber klar: „Der WLV bleibt die große Konstante im ländlichen Raum.“ Er sprach sich für eine pragmatische Politik aus und warnte vor Blockadehaltungen, die Lösungen eher verhinderten als ermöglichten.
Bürgermeister Thegelkamp wirbt für Zusammenhalt und Dialog
Bürgermeister Christian Thegelkamp knüpfte in seinem Grußwort an diese Gedanken an. Eingangs verwies er auf die Grüne Woche in Berlin, auf der Nordrhein-Westfalen auch in diesem Jahr stark vertreten sei. Der Alltag auf dem Land sei zunehmend herausfordernd: Klimawandel, Energiekrise, Kriege, Inflation und steigende Kosten verlangten nach tragfähigen Lösungen. Ideologische Grabenkämpfe, auch innerhalb der Gemeinde Wadersloh, seien dabei keine Hilfe.

Thegelkamp unterstrich die Bedeutung der Landwirtschaft als verlässlichen Partner der Kommune. Beim aktuell in Abstimmung befindlichen Löschwasserkonzept 2026 sei die Landwirtschaft unverzichtbar. Lob fand er zudem für den Pioniergeist im Bereich erneuerbarer Energien, insbesondere bei der Agri-Photovoltaik, die eine Doppelnutzung von Flächen ermögliche. Rückschläge, wie die nicht genehmigten drei Windkraftanlagen in Göttingen, gehörten dazu. Hier habe die Gemeinde Klage beim Verwaltungsgericht eingereicht.
Aus dem Infrastrukturprogramm des Bundes flössen 7,5 Millionen Euro nach Wadersloh. Nun werde geprüft, wo diese Mittel sinnvoll investiert werden könnten, etwa bei der Sanierung von Wirtschaftswegen, die für den Erhalt der Kulturlandschaft von großer Bedeutung seien. Sein ausdrücklicher Dank galt den Landwirten, die oft einer Berufung folgten, jedoch nicht immer die notwendige Wertschätzung erführen. Sein Appell: Den Wandel gemeinsam gestalten, respektvoll miteinander umgehen und im Gespräch bleiben. „Bleiben Sie stark und gesund. Wir brauchen Sie“, schloss der Bürgermeister.
Engagierte Vereinsarbeit mit abwechslungsreichem Jahresprogramm
Raphael Große-Wienker trug den Kassenbericht vor. Dieser wies einen ausgeglichenen Haushalt aus. Die beiden Kassenprüfer Thomas Westermann und Michael Hunold hatten keine Beanstandungen, sodass der Vorstand (bei eigener Enthaltung) einstimmig entlastet wurde. Zu neuen Kassenprüfern wählte die Versammlung Tobias Disselkamp und Thomas Grote.
Im ausführlichen Jahresbericht 2025 ließ Johannes Fester die zahlreichen Aktivitäten des Ortsverbands Revue passieren. Dazu gehörten unter anderem ein Feldbegang im April auf dem Hof Schwarte in Diestedde, die Unterstützung beim Maibaumaufstellen in Wadersloh, eine Radtour mit Besichtigung der neuen Biogasanlage am Hof Große-Wienker, sowie die Beteiligung an der Gewerbeschau. Besonders diese habe mit dem Infomobil des Kreisverbands, einem Lebensmittel-Quiz und vielen Gesprächen große Resonanz erfahren. Rund 200 ausgefüllte Fragebögen seien eingegangen, ergänzte der Vorsitzende und dankte ausdrücklich Landfrauen und Landjugend für ihre Unterstützung.




Weitere Höhepunkte waren die Erntedankfeiern in den Ortsteilen, der Besuch der Agritechnica im November sowie ein Bürgermeistergespräch Anfang Dezember zu Themen wie Gemeindefinanzen, Grundsteuer, Hochwasserschutz, Schulbusverkehr und erneuerbare Energien.
Ehrungen: Aushängeschilder für die Landwirtschaft
Ortslandwirt Theo Berlinghoff erinnerte in einem kurzen Grußwort an die anstehenden Ehrungen der „Goldenen Meister“, deren Verleihung am 30. Januar auf dem Kreisverbandstag in Ahlen erfolgt. In seinem Grußwort erinnerte Berlinghoff an die Bedeutung dieser Auszeichnung, mit der jahrzehntelange fachliche Kompetenz, Verantwortungsbewusstsein und persönlicher Einsatz für den landwirtschaftlichen Berufsstand gewürdigt werden. Aus den Reihen des Landwirtschaftlichen Ortsverbands Wadersloh werden Hans Alfons Deter, Franz Berthold Gersmann, Paul Plümpe, Wilhelm Oentrup, Reinhard Schulze Frielinghaus sowie Wilhelm Schulze Watenhorst ausgezeichnet.

Besonders erfreulich aus Sicht des Ortsverbands: Bei der Freisprechung im Dezember 2025 auf Haus Düsse wurde mit Eric Dohr auch ein Wadersloher ausgezeichnet. Der Prüfungsbeste im Ausbildungsberuf Fachkraft für Agrarservice, ausgebildet beim Lohnunternehmen Neitemeier, sei ein echtes Aushängeschild für den Berufsstand.
Landwirtschaft stellt sich den Herausforderungen
In einem weiteren Vortrag informierten Andreas Westermann und Katharina Sudahl vom Landwirtschaftlichen Kreisverband Warendorf über aktuelle rechtliche Themen sowie die Marktentwicklung. Während die Erträge insgesamt zufriedenstellend gewesen seien, bleibe die Preissituation in vielen Bereichen angespannt. Verschiedene Maßnahmen im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit, wie die Initiative „Mag doch jeder“, die seit sechs Jahren die Sichtbarkeit von Landwirtschaft erhöht, stehen weiter für den großen Stellenwert der Landwirtschaft.

Holling-Henkelmann zog abschließend ein differenziertes Fazit für das Jahr 2025: Nach zunächst auskömmlichen Preisen bei Milch und Schweinen seien die Erlöse im Verlauf des Jahres gesunken, besonders stark beim Getreide, auch als Folge der geopolitischen Lage und veränderter Warenströme. Dennoch sei die Stimmung unter den Landwirten noch gut. Sein größter Wunsch bleibe die Entbürokratisierung: „Wir verbringen weiterhin viel zu viel Zeit im Büro anstatt auf dem Feld und im Stall.“
Trotz aller Herausforderungen überwog am Ende der Optimismus. Landwirtschaft sei und bleibe ein schöner Beruf in der freien Natur und ein Berufsstand, der auch künftig mit Zuversicht nach vorn blicke. Im kommenden Jahr stellt sich der WLV im Gemeindegebiet Wadersloh neu auf: 2027 stehen die turnusgemäßen Vorstandsneuwahlen an. Ziel ist und bleinbt die Interessen der heimischen Landwirtschaft weiterhin geschlossen und zukunftsorientiert zu vertreten.
Fotos/Text: B. Brüggenthies

Die Inhalte auf dieser Nachrichtenseite, einschließlich Texte, Bilder und sonstiger Medien, unterliegen dem Urheberrecht und sind, soweit nicht anders angegeben, geistiges Eigentum des Autors. Eine Vervielfältigung, Verbreitung, Bearbeitung oder anderweitige Verwendung der Inhalte ist ohne ausdrückliche schriftliche Genehmigung des Autors nicht gestattet. Dies gilt insbesondere für die Nutzung durch andere Medien (vor allem Tageszeitungsverlage, Werbeblätter etc.), Plattformen oder Publikationen – unabhängig von ihrer Form (online oder offline). Sollten Sie Interesse an einer Zusammenarbeit oder der Verwendung von Inhalten haben, kontaktieren Sie uns gerne. Vielen Dank für Ihr Verständnis und Ihre Wertschätzung für lokaljournalistische Arbeit. -> KONTAKTDATEN
Für die Erstellung dieses Beitrags sind 4,5 Arbeitsstunden angefallen.



