Wadersloh (mw/bb). Für den frühen Montagmorgen war flächendeckende Glätte durch gefrierenden Regen prognostiziert worden. Aufgrund der amtlichen landesweiten Unwetterwarnung sollte am Montag (12. Januar) an den Schulen in Nordrhein-Westfalen der Präsenzunterricht entfallen. Das nordrhein-westfälische Schulministerium ordnete bereits am Sonntag an, dass Schülerinnen und Schüler zu Hause bleiben und in den Distanzunterricht wechseln sollen. Und so blieben die Schulbänke zum Wochenstart leer. Doch schulfrei gab es folglich nicht, stattdessen gab es digitalen Unterricht. MW hat mit Wolfram Wenner, Schulleiter des Johanneums in Wadersloh, über den ungewöhnlichen Wochenstart gesprochen.
Vorbereitung schon vor der Entscheidung aus Düsseldorf
„Die Gesundheit und Sicherheit unserer Schülerinnen und Schüler haben für uns oberste Priorität“, erklärte NRW-Schulministerin Dorothee Feller tags zuvor. Man habe sich bewusst frühzeitig für die Aussetzung des Präsenzunterrichts entschieden, um Schulen, Eltern und Kinder rechtzeitig zu informieren. Am Gymnasium Johanneum Wadersloh war man auf diese Situation bereits vorbereitet. Noch bevor die offizielle Mitteilung aus Düsseldorf (bzw. von der Bezirksregierung Münster) eintraf, stimmten sich Schulleiter Wolfram Wenner, der Geschäftsführer des Trägervereins Wilfried Müller sowie die erweiterte Schulleitung intern ab. „Wir wollten nicht vorpreschen, hätten aber auch ohne die Anordnung des Landes aufgrund der Wetterlage wohl auf Präsenzunterricht verzichtet“, erläuterte Wenner im Gespräch mit MW.
Ein maßgeblicher Faktor war dabei die geplante Abreise einer Schüleraustauschgruppe nach Norwegen. Ohne verlässlichen Linienverkehr wäre die Fahrt zum Flughafen problematisch geworden. Zudem wurde eine anberaumte Klausur auf Dienstag verschoben, nicht zuletzt mit Blick auf die anstehenden Halbjahreszeugnisse.
Unterricht via Schulcloud erinnerten auch an die Corona-Zeit zurück
Für die 653 Schülerinnen und Schüler des Johanneums bedeutete der Montag: Digitales Klassenzimmer statt Schulhof. Der Unterricht fand überwiegend per Schulcloud statt. Über den Wechsel zum Distanzunterricht informierte man „oldschool“ per E-Mail. „Das kommt am schnellsten bei der Schülerschaft und Eltern an“, so Wenner. Erinnerungen an die Corona-Pandemie wurden dabei durchaus wach. Insbesondere mit Blick auf die jüngeren Jahrgänge stellte sich aber die Frage, ob alles reibungslos klappt. Doch die Technik hielt stand und alle waren online dabei. „Es hat funktioniert, auch wenn es zwischenzeitlich kleinere Probleme gab. Der Cloud-Dienst war wegen der hohen Auslastung etwas langsamer“, berichtete der Schulleiter. Diese kleinen Zugriffs-Schwierigkeiten seien jedoch rasch behoben worden. Insgesamt habe sich erneut gezeigt, dass Online-Unterricht möglich sei, „aber nicht so schön wie das persönliche Miteinander, das unsere Schule prägt“.
Gute Stimmung trotz Ein-Tages-Glatteis-Ausnahmezustand
Trotz der ungewohnten Situation war die Stimmung bei den Schülerinnen und Schülern gut. „Mein Chemie-Unterricht mit der 7. Klasse funktionierte sogar mit einem Versuchsanordnung mit Haushaltsmitteln sehr gut“, erzählte Wenner schmunzelnd. Manchmal hätten auch Großeltern neugierig über die Schulter geschaut. „Langweilig wird es auch ohne Präsenzunterricht am Johanneum nicht.“
Ein Betreuungsangebot vor Ort an der Liesborner Straße gab es am Montag nicht, die offene Ganztagsbetreuung blieb ebenfalls geschlossen. Das Sekretariat war jedoch für den Fall der Fälle online erreichbar. Dass das Wetter letztlich weniger dramatisch ausfiel als befürchtet, ändert für Wenner nichts an der Entscheidung: „Sicherheit geht vor.“



