Diestedde (mw/bb). „A Million Dreams“ – Passender hätte das Motto des Winterkonzerts des Blasorchesters Diestedde kaum gewählt sein können! Das BOD hatte zum großen Winterkonzert am 3. Advent geladen und vermeldete schon im Vorfeld eine restlos ausverkaufte St.-Nikolaus-Kirche. Am Nachmittag entfalteten dann rund 50 Mitwirkende ein musikalisches Panorama, das von leiser Besinnlichkeit bis zu großer Filmmusik reichte. Dahinter steckte viel Arbeit: Die monatelange Probenarbeit zahlte sich definitiv aus, wie der lautstarke Applaus zwischen den Stücken und zum Schluss belegte.
Wäre das Winterkonzert ein Film, so hätte die Musik eine brillante, preisverdächtige Hauptrolle gespielt. „Regie“ führten die beiden Dirigentinnen Elena Borkenhagen und Verena Steinbrink souverän im Doppelpack. In der Nebenrolle: Eine farbenfrohe Lichterkulisse (arrangiert von Frauke Hille und Tobias Ansell), die beeindruckende Instrumentalmusik atmosphärisch untermauerte. Starqualitäten par excellence? Ein kleines leuchtendes Sternenmeer im Mittelgang der Kirche führte zum Dirigentenpult und das Blasorchester. Dieses setzte schon zum Auftakt mit „A Little Opening“ und „Mentis“ von Thiemo Kraas klare Akzente. Das BOD gibt es seit 35 Jahren und diese Erfahrung hört man bei jedem Stück. Es folgten Werke wie „The Palisades“ oder „Whispers from Beyond“, die den Kirchenraum von St. Nikolaus mit sinfonischer Tiefe füllten. Klanglich differenziert und selbstbewusst vorgetragen. Beeindruckend. Eben so, wie man es vom Musikverein Musikus gewohnt ist.










Besonders stark wirkte an diesem Abend die Filmmusik als eines der bewusst gewählten Herzstücke des Programms. Vielfach gewünscht von den Instrumentalisten selbst, fanden sich gleich mehrere bekannte Filmmelodien im Programm wieder. Mit „The Polar Express“ entstand eine herzerwärmende, winterliche Klanglandschaft, die perfekt in die Vorweihnachtszeit passte. Spätestens bei „How to Train Your Dragon“ entfaltete das Orchester große kinoreife Musik-Momente. Einen emotionalen Höhepunkt bildeten die Filmmusik-Arrangements aus „The Greatest Showman“, die zugleich titelgebend war. Der Song „A Million Dreams“ gehört zu den großen Highlights des Filmerfolgs. Hier überzeugte insbesondere Solistin Christina Köller, die mit ausdrucksstarker Stimme den gesanglichen Part übernahm. Auch bei „The Story“ setzte sie stimmliche Akzente und verursachte einen WOW-Moment im Publikum! Was für ein Ausrufezeichen für die Qualität des BODs und der Solistin! Das Konzerterlebnis erinnerte damit an das letzte große Jubiläumskonzert in Lippstadt (Frühjahr 2024) wenn auch 2025 in wesentlich kleinerer gesanglicher Besetzung.

Dass sich das Blasorchester Diestedde mühelos zwischen Genres bewegt, zeigte sich zudem bei „Coldplay on Stage“, wo die bekannten Pop-Melodien der britischen Band in sinfonischem Gewand erklangen, sowie bei „Encanto“, das lateinamerikanische Klangfarben in die Kirche brachte. Mit „Wachet auf! ruft uns die Stimme“ von Johann Sebastian Bach spannte das Programm zudem bewusst den Bogen zur klassischen Kirchenmusik.
Kurze Zwischenmoderationen zwischen den Stücken gaben dem Publikum Einblicke in Hintergründe und musikalische Besonderheiten und trugen zur dichten Atmosphäre des rund zweistündigen Konzertabends bei. Ein lang anhaltender Applaus führte zu mehreren Zugaben. Bemerkenswert war einmal mehr die Zusammensetzung des Orchesters, die nicht unerwähnt bleiben soll: Viele junge Musikerinnen und Musiker aus der eigenen Vereinsjugend des „Musikvereins Musikus“ saßen gemeinsam mit erfahrenen Aktiven im Altarraum. Dass teils sogar mehrere Generationen einer Familie (Großeltern, Enkel, Eltern, Kinder) Teil des Orchesters sind, zeigt den generationsübergreifenden Charakter des seit 1990 bestehenden Blasorchesters Diestedde. So wurde das Winterkonzert „A Million Dreams“ zu einem grandiosen musikalischen Erlebnis in der Vorweihnachtszeit. Wer sich da nicht rechtzeitig eine Karte gesichert hatte, dem entging Großes!
Fotos/Konzertkritik: B. Brüggenthies




