Liesborn (mw/bb). Mit einer positiven Bilanz und spannenden Perspektiven präsentierte Museumsleiter Dr. Sebastian Steinbach dem Beirat des Museums Abtei Liesborn am Montagnachmittag den vorläufigen Jahresbericht 2025. Gleich zu Beginn machte er deutlich, dass das Museum weiter auf einem guten Kurs liegt. Das Kreismuseum habe nicht nur sein Publikum gehalten, sondern sich auch in der Forschungswelt und digitalen Vermittlung weiter profiliert. Das konstante Interesse an den Sonder- und Dauerausstellungen spiegelt sich auch in steigendem Interesse von digitalen Angeboten sowie einer großen Anzahl an Forschungs-Kooperationen rund um das Museum wider.


Bis zum 5. Oktober 2025 zählte das Museum rund 25.700 Gäste und liegt etwas höher als 2023. Nur 2024 ist bisher nicht erreichbar. Da zog vor allem die Playmobil-Ausstellung. Mit den noch anstehenden Ausstellungen und dem Weihnachtsprogramm dürfte 2025 die Marke von 30.000 Besucherinnen und Besuchern erneut erreicht werden. „Wir rechnen damit, dass das knacken. Die Höckelmann-Schau und die Adventsausstellung werden sicher viele anziehen“, zeigte sich Steinbach überzeugt. Rund 4.975 Personen nahmen 2025 an insgesamt 303 Führungen teil. Darunter auch viele Schulklassen und Kindergruppen. Auf großes Interesse stießen auch thematische Angebote, wie Führungen zum „Dreigestirn der Moderne“. Dauerbrenner bleiben die Präsentation des Liesborner Evangeliars und die Kreuzsammlung.
Die digitale Reichweite wächst rasant
Auf den Social-Media-Kanälen, die von Saskia Timmas und Yvonne Püttmann mit musealem Leben gefüllt werden, verzeichnet das Museum mittlerweile über 2.400 Follower. Seit Sommer 2021 wurden 710 Beiträge veröffentlicht. Allein 2025 kamen mehr als 300 Posts und sogenannte Reels (Kurzvideos) hinzu. Die Reichweite stieg um 120 Prozent, über 650 neue Follower kamen dazu. Die Beiträge erzielen starke Synergieeffekte durch steigende Klickzahlen und Interaktionen. Allerdings greifen rund 75 Prozent der Nutzer per Smartphone zu – die Website sei aber bislang nicht responsiv, was laut Steinbach „dringend angegangen werden“ müsse.
Fortschritte gibt es zudem Bereich der Digitalisierung des Bestands. Mitarbeiterin Mara Woltering habe 2025 94 neue Objekte digitalisiert – jedes einzelne erfordert etwa ein bis zwei Tage Bearbeitung. Insgesamt wurden über 1.500 Datensätze aktualisiert oder neu angelegt. Im Juni erfolgte zudem die Umstellung auf ein browserbasiertes Sammlungsprogramm („Axiell“), das Zugriff von überall und automatische Cloud-Backups erlaubt. Die Digitalisierung zeigt bereits Wirkung: Besonders die Spruchtücher sind zu beliebten Ausleihobjekten geworden.
Stärkere Wahrnehmung in der Forschung und neue Kooperationen
In der wissenschaftlichen Welt genießt die Abtei Liesborn inzwischen deutlich größere Aufmerksamkeit. Die Einwerbung von vier Promotionsstipendien im laufenden Jahr gilt als einmalig in Nordrhein-Westfalen. „Das zeigt, wie interessant wir als Kooperationspartner geworden sind“, betonte Steinbach. Mehrere Vorträge der Museumsleitung trugen zur Sichtbarkeit in Fachkreisen bei. Besonders Yvonne Püttmann gilt inzwischen als ausgewiesene Expertin für die Kreuzsammlung.
Die Projekte und Forschungsstände sind inzwischen transparent auf der Website abrufbar. Unter anderem ist eine biografische Aufarbeitung des Künstlers Anton Moormann (1851–1940) in Kooperation mit dem Museum in Wiedenbrück geplant, verbunden mit einer Ausstellung im Jahr 2028. Ab 1. Januar 2026 wird zudem erneut ein Forschungsvolontariat Kunstmuseen NRW am Haus angesiedelt. Ein großer Erfolg, da Liesborn bereits zum zweiten Mal ausgewählt wurde.
An neuem Forschungsmaterial dürfte es keinen Mangel geben: Das Depot sei voll. Viele Anfragen erreichen das Museum nahezu täglich. 2025 wurde die Sammlung des Museums Abtei Liesborn mit zahlreichen Ankäufen und Schenkungen bereichert. Darunter befinden sich zwei spätmittelalterliche Holzplastiken, zwei Kreuzigungsdarstellungen der Emilianischen Schule und ein Selbstbildnis von Johann Christoph Rincklake. Im Bereich der Schenkungen freut man sich am Abteiring über diverse Schenkungen von Höckelmann-Werken aus privaten Sammlungen sowie diverse Exponate aus dem Nachlass von Rosa Rottendorf.
Neben dem Forschernachwuchs hat das Museum auch einen besonderen Fokus auf die Museumspädagogik gelegt. Das Kinderprogramm „Abteikater Theophils MuseumKids“ bleibt eine tierische Erfolgsgeschichte: Über 100 Mitglieder im Alter von vier bis zwölf Jahren nehmen regelmäßig an Aktionen teil. 2025 fanden 36 Veranstaltungen mit 428 Kindern und 85 Erwachsenen (Begleitpersonen) statt. Weitere Angebote sind bereits für die Vorweihnachtszeit in Vorbereitung. Getragen wird das abwechslungsreiche Programm vom Museum sowie dem Förderverein „Freunde des Museums Abtei Liesborn e.V.“. Die Beiratsvorsitzende Dr. Anna Arizzi Rusche lobte das Engagement ausdrücklich: „Das Museum ist hier sehr aktiv. Es ist schön zu sehen, wie selbstverständlich Kinder hier einen Bezug zum Museum in Liesborn aufbauen. Das ist vorbildlich und längst nicht überall so.“
Vielversprechende Ausblicke auf weitere Projekte
Langweilig dürfte es auch in Zukunft nicht werden rund um die einstige Benediktinerabtei in Liesborn. Rund um die Sammlungen des Museums, das 2026 auf sein 60-jähriges Bestehen zurückblickt, wird derzeit eine eigene Buchreihe („Sammeln, Ausstellen, Forschen“) in Zusammenarbeit mit dem Aschendorff-Verlag aus Münster aufgebaut. Ein erster Band zu „Antonius Höckelmann“ (Autorin: Saskia Timmas) ist bereits erschienen, weitere Bände sind in Vorbereitung, unter anderem auch ein Jubiläumsband zum Museumsjubiläum.






Das Kulturprogramm der kommenden Monate ist vielseitig. Neben der anstehenden Höckelmann-Ausstellung (ab 2. November) steht ab Ende November „Theophils Adventsausstellung“ an. Am 2. Adventswochenende darf man sich auf den Kinderweihnachtmarkt freuen. Das Silvesterkonzert bestreitet Pianist Benyamin Nuss. In 2026 warten Ausstellungen wie „Vergessene Kreaturen – Fabeltiere und Sagengestalten aus Westfalen“, „Das Klima in Westfalen“, eine Themenausstellung mit dem Kreiskunstverein und im Sommer das „Fußball-abc“ (Peter Menne) darauf, entdeckt zu werden. 2027 sollen u.a. das Kooperationsprojekt „MINTrek – From Fiction to Science“ sowie das Thema „Die westfälischen Gebrüder Grimm“ in Kooperation mit dem Kulturgut Haus Nottbeck und der Literaturkommission für Westfalen umgesetzt werden.
Fotos/Text: mw/bb.

