Langenberg (mw/bb). Hemmoor ist eine Kleinstadt im Landkreis Cuxhaven in Niedersachsen. 8.700 Menschen leben dort aktuell. Ein ehemaliger Einwohner ist schon vor einiger Zeit weggezogen, aber bis heute regelmäßig zu Besuch: Thees Uhlmann. Ebenso regelmäßig besucht das Gründungsmitglied der Hamburger Band „Tomte“ auch den ostwestfälischen Ort Langenberg. Genauer gesagt: den dortigen Kultur-Güter-Bahnhof (kurz: KGB). An dieser Stelle könnte nun eine ellenlange Konzertkritik des jüngsten Auftritts Uhlmanns in ebendieser Lokalität folgen. Doch eigentlich möchte der Autor dieser Zeilen nur eines laut ausrufen: „Thees, genau das isses!“
Der Herbst in Deutschland ist stets ein wenig mit Melancholie verbunden. Manchmal denkt man – eingemummelt in mindestens drei Kleidungsschichten – an die warmen Sommertage zurück. Nostalgie ist vielleicht eines der Schlagworte, dass man als Konzertbesucher oder -besucherin auf einem Thees-Uhlmann-Solo-Konzert mit dem assoziiert, was da gerade auf der unheimlich kleinen, aber extrem gemütlichen Bühne vonstattengeht. Es ist eine Reise zurück in die Zeit, in der die Sommer am See lang und irgendwie alles möglich erschienen. Irgendwer hatte damals zwischen zwei Pullen Bier ein altes UKW-Radio rausgeholt und plötzlich lief das Lied mit einem der längsten Titel der Musikgeschichte: „Zum Laichen und Sterben ziehen die Lachse den Fluss hinauf“.
Das Debüt von Thees Uhlmann, der inzwischen auch solo unterwegs ist. In Langenberg ist er gern gesehen und gehört. Wenn man in der vorletzten Reihe des KGB steht, ist die Akustik immer noch gut und statt „Lachs“ ist es eher ein bisschen wie Sardinen in der Büchse. Aber das Feeling: Unbeschreiblich. Ins KGB geht mit Freunden! Wenn man eine Auszeit von allem braucht. Vorzugweise, wenn der Uhlmann mit seinen Gitarren kommt und man zu den Glücklichen zählt, die vor dem „Restlos ausverkauft“-Schild noch eines der heiß begehrten Tickets bekommen haben. Heiß? Das ist das Stichwort! Die intime Stimmung, die entsteht, wenn zwischen Künstler und Publikum noch ca. 37,5 Zentimeter Platz ist: Das ist KGBesk!
Das Publikum wird am Dienstagabend aber mal so richtig abgeholt. So ist das ja an Bahnhöfen. Thees ist zwar in Rheda-Wiedenbrück angekommen, aber in Langenberg fühlt er sich so richtig gut. Fast drei Stunden (inklusive Trink- und Durchlüftungs-Pause) haut er einen Hit nach dem anderen raus. „Zum Laichen und Sterben ziehen die Lachse den Fluss hinauf“ mag im Mainstream der bekannteste Song sein, ein Einzelfall ist er keineswegs.




Der Vorteil am Live-Konzert: Da gibt’s schöne Zwischentöne vom Künstler, die man nicht auf Vinyl und auch nicht im Spotify-Stream bekommt. Thees berichtet enthusiastisch, wie er unlängst auf einer internationalen Musik-Konferenz in Kanada war. Auf die Frage, was man tun könne, um in Germany groß rauszukommen, habe er in holprigem Englisch nur gesagt: „Come to Langenberg, everybody can play there!“ Thees Uhlmann ist „worldfamous in Germany“ – dass das mal klar ist. Thees Uhlmann ist einfach einer von uns. Einer, der unheimlich gern Musik macht, die viele von uns unheimlich gern hören. Der geht auf die Bühne mit Spielfreude, wechselt zwischendurch x-mal die Gitarre und macht, dass die grauen Herbstwolken weggehen. Bei einem Thees-Uhlmann-Konzert bist du mittendrin und nicht nur dabei (Stichwort: Lachse versus Sardinen). Zwischendurch holt er seinen Kumpel Jonas Künne auf die Bühne. Für viele der emotionale Höhepunkt des Konzerts. (Anm. des Autors: Unfassbar, wie viele Töne aus so einer kleinen Mundharmonika kommen.)
Hemmoor ist größer als New York City (Zitat Thees), aber Langenberg kommt auch nah ran. „Das ist die beste Location, wo man sie nicht vermutet“, wird ausgeführt. Langenberg liefert als Publikum episch ab, so wie „ihr“ bodenständiger Thees mit Songs, bei denen man weiß, dass alles gut wird. „Der mit dem Lachssong“ hat es verdient, dass er gehört wird, darum waren die mitgebrachten CDs und LPs schnell weg, aber die ganzen Emotionen? Die bleiben! Thees: Genau das isses! DANKE.
Konzertkritik: Benedikt Brüggenthies


