Wadersloh (mw/bb). Mit einem festlichen, ökumenischen Gottesdienst in der Reithalle, einem Festakt und einem anschließenden „Tag der offenen Tür“ hat der Zucht-, Reit- und Fahrverein St. Georg Wadersloh am Wochenende sein 100-jähriges Bestehen gefeiert. Das Jubiläum blickte nicht nur auf sportliche Erfolge und bauliche Entwicklungen zurück, sondern auch auf eine bewegte Geschichte, die von Mut, Gemeinschaft und Engagement geprägt ist. Das ist bis in das Jahr 2025 so geblieben.
Diakon Antonius Baukmann stellte in seiner Predigt den besonderen Gründungsgeist des Traditionsvereins heraus: „Die Gründung ist – so glaube ich – mehr als ein organisatorischer Akt – sie ist ein Zeichen für das Vertrauen, dass auch nach Umbruch und Krieg etwas Neues wachsen kann.“ Besonders hob er das Verhalten der Vereinsmitglieder in den 1930er-Jahren hervor, als der damalige Vorsitzende und Bürgermeister Gerhard Mense mutig gegen die Vereinnahmung durch die Nationalsozialisten aufstand. „Dieses damalige Verhalten war sicher keine Selbstverständlichkeit. Es war ein Zeugnis der Standhaftigkeit für die eigene christliche Überzeugung, für das Einstehen christlicher Grundwerte.“
Ehrenamt ist und bleibt eine kostbare Ressource für Vereine
Auch Bürgermeister Christian Thegelkamp erinnerte im Anschluss an den Gottesdienst an diese Episode und verband sie mit einer Botschaft für die Gegenwart: „Gemeinschaft lebt vom Engagement des Einzelnen. Nur wenn Menschen sich einsetzen, Zeit schenken, Verantwortung übernehmen und ein gemeinsames Ziel mittragen, dann kann etwas Dauerhaftes und Starkes daraus entstehen.“
Thegelkamp betonte, dass der Verein St. Georg ein leuchtendes Beispiel für diese Haltung sei: Ohne das freiwillige Engagement vieler Helferinnen und Helfer, die über Jahrzehnte Verantwortung übernommen hätten, wäre die beeindruckende Entwicklung des Vereins nicht denkbar gewesen. Zugleich warnte er davor, dieses Engagement als selbstverständlich zu betrachten. In vielen Bereichen werde es zunehmend schwieriger, Menschen für ehrenamtliche Arbeit zu gewinnen. „Das Ehrenamt ist keine unerschöpfliche Ressource“, machte er deutlich – umso wertvoller sei es, dass der RV St. Georg auf eine starke Gemeinschaft bauen könne.



Der ZRF-Vorsitzende Theodor Vering spannte den Bogen von den Anfängen des Vereins, der 1925 aus den Abteilungen Liesborn, Benteler und Wadersloh hervorging, bis in die Gegenwart. Er erinnerte an prägende Persönlichkeiten, die die Entwicklung maßgeblich beeinflussten: Heinrich Brakemper, der mit Beharrlichkeit den Bau der Reithalle durchsetzte oder Paul Westbomke, der den Verein über viele Jahrzehnte als Vorsitzender prägte: „Von all diesen Leuten profitieren wir heute. Wir, die wir 2023 mit unserem Vorstand den Verein übernommen haben.“ Besonders stolz zeigte sich Vering über die Nachwuchsarbeit: „Was uns besonders glücklich macht, ist, dass mehr als ein Drittel unserer Mitglieder unter 18 Jahren sind. Die Jugendlichen spielen bei uns eine ganz, ganz gewaltige Rolle.“ Er beschrieb den Verein als „eine große Reiterfamilie“, die von Zusammenhalt und tatkräftiger Unterstützung geprägt sei.








Auch die Vertreter des Pferdesportverbandes und des Kreisreiterverbandes würdigten die Entwicklung des Vereins. Dr. Johannes Brinkmann, Vizepräsident des Pferdesportverbandes Westfalen, lobte sowohl die moderne Anlage als auch das lebendige Vereinsleben: „Hier scheint die Welt in Ordnung zu sein. Alle ziehen an einem Strang. Und was besonders ist: Sie haben Schulpferde. Das ist ein wichtiges Fundament, um Kinder und Jugendliche für den Pferdesport zu gewinnen.“ (Anm. d. Red.: Dem einzigen anwesenden Pferd während des Gottesdienstes versprach Brinkmann gar einen Eimer Möhren zur Belohnung). Annette Haversiek, langjährige Vorsitzende des Kreisreiterverbandes Warendorf, stellte in ihrem Grußwort die Bedeutung des Vereins innerhalb der Kreisgemeinschaft heraus: „Der RV St. Georg Wadersloh hat sich über die Jahrzehnte als feste Größe im Pferdesport etabliert. Er verbindet Tradition mit einer klaren Orientierung in die Zukunft. Besonders hervorzuheben ist die hervorragende Jugendarbeit, die weit über die Vereinsgrenzen hinausstrahlt. Mit dem Engagement, das hier gelebt wird, ist St. Georg nicht nur sportlich, sondern auch gesellschaftlich ein Gewinn für die gesamte Region.“
Der Festakt am Sonntagmorgen zeigte eindrucksvoll, dass der Zucht-, Reit- und Fahrverein St. Georg nicht nur Tradition pflegt, sondern auch Zukunft gestaltet. Die historischen Rückblicke und festlichen Reden mündeten in ein Familientag als „Tag der offenen Tür“, der die ganze Vielfalt des Reitsports in Wadersloh abbildete. Auch hier packten alle mit an. | Weiterer Bericht folgt.
Fotos/Text: B. Brüggenthies

