Wadersloh (mw/bb). Eine seltene und besondere Ehrung durfte Raumausstattermeister Paul Antonius Schütte am Freitag (26. September) entgegennehmen: Für stolze 70 Jahre Meisterschaft im Handwerk wurde dem 91-Jährigen aus Wadersloh der „Diamantene Meisterbrief“ der Handwerkskammer Münster überreicht. Thomas Melchert, stellvertretender Geschäftsführer der HWK Münster, überbrachte die Auszeichnung im Rahmen einer kleinen, aber feierlichen Runde im Hause Schütte an der Wenker Straße, mit Fensterblick auf den Wadersloher Dom. MW war als einzige Pressevertretung vor Ort.
Bei Kaffee und selbstgebackenem Kuchen von Ehefrau Ingeborg würdigte Melchert in der „guten Stube“ der Familie nicht nur die Lebensleistung von Paul Schütte und dessen Treue zum Handwerk, sondern zeigte sich auch von der Gastgeberin beeindruckt: „Das ist Backhandwerk, das auf höchstem Niveau mithalten kann.“ Für Schütte selbst fand er anerkennende Worte und zeichnete dessen Lebensweg und das beeindruckende Engagement für das Handwerk im Münsterland nach. Auch von Wadersloh als Ort zeigte sich der Gast aus Münster begeistert: „Der Ort, der lebt noch. Das ist längst nicht mehr überall so!“


Neben Melchert als Vertreter der Handwerkskammer waren auch Alexandra Essel als stellvertretende Bürgermeisterin sowie Elisabeth Fleiter und Markus Mandera vom Gewerbeverein Wadersloh zu Gast, die dem Jubilar im Namen der örtlichen Wirtschaft und des Gemeinderats gratulierten. Gemeinsam mit der Familie Schütte, die zahlreich zur Feier erschienen war, verliehen sie der Übergabe des Diamantenen Meisterbriefs einen besonders herzlichen und persönlichen Rahmen.
Neben der HWK überbrachte auch die stellvertretende Bürgermeisterin Alexandra Essel (FWG) ihre Glückwünsche von Rat und Gemeinde: „Es ist eine besondere Ehre, einem Handwerksmeister anlässlich einer so seltenen Auszeichnung zu gratulieren. Als Sie ihren Meisterbrief erhielten, waren wir alle noch nicht einmal geboren.“ Über Jahrzehnte wurden Beruf, Familie und Ehrenamt miteinander verbunden.
Handwerker mit Herz und früher Verantwortung
Paul Schütte übernahm schon früh Verantwortung: Mit nur 22 Jahren legte er die Meisterprüfung ab, nachdem er durch den frühen Tod seines Vaters bereits in jungen Jahren in den Familienbetrieb hineingewachsen war. Gemeinsam mit seiner Frau Ingeborg führte er den 1896 von Großvater Franz gegründeten Betrieb viele Jahrzehnte – und formte daraus „Indeko Schütte“, wie das Unternehmen bis heute heißt. Unter seiner Leitung wurden insgesamt 30 Auszubildende im Raumausstatter-Handwerk ausgebildet, zahlreiche Innungsbeste gingen aus seiner Werkstatt hervor. Auch ehrenamtlich engagierte sich Schütte weit über das Berufsleben hinaus: Als Ratsmitglied (1969–1975) begleitete er unter anderem die kommunale Neuordnung 1975.


Dass Handwerk und Familie bei den Schüttes Hand in Hand gehen, zeigte sich auch bei dieser Feier. Sohn Benedikt führt seit 25 Jahren gemeinsam mit Ehefrau Birgit den Betrieb an der Wenkerstraße in vierter Generation weiter. Bruder Rudolf ist mit der „RS-Möbel-Collection“ im Gewerbegebiet Centraliapark im Bereich von Premium-Polstermöbeln erfolgreich und arbeitet eng mit der Familie zusammen.
Mit dem Diamantenen Meisterbrief reiht sich Paul Schütte in einen sehr kleinen Kreis von Handwerksmeistern ein, die mit über sieben Jahrzehnten Meistererfahrung nicht nur ein Unternehmen, sondern auch eine ganze Ortsgeschichte geprägt haben.
Fotos/Text: B. Brüggenthies
Lokaljournalismus auf den man sich verlassen kann.


