Liesborn (mw/bb). Am Dienstagabend fand die erste Jahreshauptversammlung des WLV-Ortsverbands Wadersloh nach der Fusion der drei örtlichen landwirtschaftlichen Ortsvereine in 2021 statt. Im Klosterhof Liesborn hatte der Ortsverband des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbands eine umfangreiche Tagesordnung vorbereitet und blickte auf ein ereignisreiches Jahr 2022 zurück. Knapp 3 Stunden lang nahm sich das Vorstandsteam um ihren Vorsitzenden Franz Lütke Holling-Henkelmann Zeit für die interessierten Mitglieder, darunter auch viele Junglandwirtinnen und -wirte aus der Großgemeinde.
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Turbulente Jahre liegen hinter der heimischen Landwirtschaft. Coronapandemie, Energiekrise, Pflanzenschutzbestimmungen, rechtliche Änderungen und der Klimawandel sind nur einige Faktoren, die derzeit den Alltag beeinflussen. Fachkundige Unterstützung gab es am Abend von den Referenten Paul Verenkotte und Anja Engelke vom WLV sowie Fabian Menkhaus von der Landwirtschaftskammer. Zunächst aber hatte der Vorstand das Wort: In seiner Rückschau erinnerten Franz Lütke Holling-Henkelmann und Johannes Fester an die gemeinsamen Aktionen des Verbands im ersten Jahr der Fusion der Wadersloher Ortsvereine. Schon in seiner Antrittsrede 2021 stellte Henkelmann heraus, die Gemeinschaft der Landwirte in Wadersloh, Diestedde und Liesborn stärken zu wollen. Mit gemeinsamen Erntedankfesten, der Blühstreifenaktionen, gemeinsamen Ausflügen und Feldbegehungen sei das sehr gut gelungen.
Besonders hervorgehoben wurden die erfolgreichen Teilnahmen am „Tag der Vereine“ in Diestedde und „Kartoffelsonntag“ in Wadersloh. Bei vielen Veranstaltungen wurde Hand in Hand mit den Landfrauenverbänden, den Hegeringen und den Landjugenden zusammengearbeitet. Auch über die Ortsgrenze wirkte die Arbeit des Ortsverbands. Im Herbst 2022 zeichnete Wadersloh für das Binden der Erntekrone für das Kreishaus verantwortlich. Allen Helferinnen und Helfern sprach der Vorstand einen besonderen Dank aus.
Nach dem Kassenbericht durch Raphael Große Wienker und der einstimmigen Entlastung von Kassierer und Vorstand auf Antrag der Kassenprüfer, überbrachte die stellvertretende Bürgermeisterin Dr. Ulrike Keitlinghaus (CDU) Grußworte von der Gemeindeverwaltung. In ihrem Kurzvortrag berichtete sie vor allem über die anstehenden Großbauprojekte im Gemeindegebiet und bereits weit fortgeschrittenen Breitbandausbau im Außenbereich. Zugleich hob sie die Wichtigkeit des Berufstands hervor und nannte die Knappheit von Speiseöl und Mehl im Vorjahr als Beispiel, wie essenziell die Landwirtschaft für die Lebensgrundlage ist.

Dass Landwirte aber auch immer mehr zu Energiewirten werden, zeigte ein anderes aktuelles Thema, das derzeit auch Rat und Gemeinde betrifft und im Verlauf der Versammlung einen wichtigen Diskussionspunkt für die Landwirtschaft bildete: Die Anträge von Landwirten für den Bau von Freiflächen- und Agri-Photovoltaik-Anlagen stößt auch beim Ortsverband auf großes Interesse. Man wolle nun den angekündigten Projekttag Ende Januar abwarten. Der Verbandsvorsitzende machte in diesem Zusammenhang aber auch deutlich, dass man eine Lösung befürworte, die die heimischen Landwirte miteinbezieht und nicht etwa externe Investoren. Auch der WLV sprach sich klar dafür aus, dass die Wertschöpfung im Kreis Warendorf bleiben und man gegebenenfalls erst mit seinen Nachbarn über ein PV-Vorhaben sprechen sollte.
Paul Verenkotte und Anja Engelke vom WLV berichteten vonseiten der Hauptgeschäftsstelle. In der Schweinezucht gab es zuletzt viele Aufgaben. Veränderte Verzehrgewohnheiten und steigende Preise bereiteten den Landwirten zuletzt Kopfzerbrechen. Hier bleibe die Hoffnung auf eine Entspannung der Lage und mehr Planungssicherheit. Auch beim Rind gab es einen Rückgang um 25 Prozent, allerdings blieben hier die Preise stabil. Die Lage für Milchwirtschaft – lange ein Sorgenkind in der Landwirtschaft- habe sich derweil auf ein hohes Niveau einpendelt. „Es kann wieder investiert werden“, bemerkte Paul Verenkotte optimistisch. Redebedarf hat der WLV aber noch mit den politischen Entscheidungsträgern. Bei Verbesserungen für die Rahmenbedingungen erhofft man sich Nachbesserungen. Gerade im Bereich der sogenannten „roten Gebiete“ (mit zu hohen Nitratwerten belastete Grundwasserbereiche) erhoffe man sich eine differenzierte Betrachtung. Weitere Themen betrafen die Grundsteuer, Corona-Beihilfen und Pflanzenschutz.

Fabian Menkhaus von der Landwirtschaftskammer NRW stellte in einem Kurzvortrag das „Netzwerk nachhaltige Landwirtschaft“ vor. Für die aktuelle Ausbildungssituation in der Landwirtschaft gibt es ebenfalls gute Neuigkeiten. Mit 100 Azubis halte man im Münsterland ein stabiles Niveau. Erfreulich außerdem: Seit 2018 gibt es 20 neue Ausbildungsbetriebe. Mit einem kurzen Werbeblock für die „NRW Agrar App“ endete der Kurzvortrag des Referenten. Eine abschließende Diskussionsrunde bildete den letzten offiziellen Tagesordnungspunkt der Versammlung. Hier gab es u.a. kritische Töne für die aktuelle Bundes- und Landespolitik im Bereich der Landwirtschaft, aber auch ein kürzlich erfolgter Social Media-Beitrag der LVM-Versicherung Münster zur Vegan-Kampagne „Veganuary“ wurde diskutiert. Einig war man sich, dass auch künftig jeder Einzelne gefragt ist, wenn es um das Verständnis für die Belange in der Landwirtschaft geht. Nach drei Stunden schloss Franz Lütke Holling-Henkelmann die Versammlung.
Fotos/Text: B. Brüggenthies


