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Besondere Lernleistungen: Abiturientinnen stellen Kunstwerke am Johanneum vor

Wadersloh (pm). Am vergangenen Samstag, 27. März, stellten vier Schülerinnen des Abiturjahrgangs des Johanneums ihre im Rahmen der besonderen Lernleistung erstellten künstlerischen Arbeiten in der Aula der Schule im kleinen Kreis vor. Aufgrund der Corona-Lage konnten die Lernleistungen nicht wie traditionell üblich im Abtei Museum in Liesborn ausgestellt werden. Die Ausstellung im öffentlichen Raum mit dem dazugehörigen Lampenfieber war immer das Highlight der vielen Mühen, Lob und Anerkennung von Familienangehörigen, Freunden, Bekannten und Fremden das Sahnehäubchen, erklärte die betreuende Kunstlehrerin Sandra Hampel. Um der Öffentlichkeit wenigstens einen kleinen Einblick zu gewähren, werde daher zeitnah ein Filmbeitrag über die Homepage der Schule für Interessierte zugänglich gemacht.

Die vier Werkreihen zeichnen sich durch ihre außergewöhnlichen Ideen aus:

Pia Hauschild hat für sie wichtige Zitate durch eine Bildebene ergänzt, um die Bedeutungsebene zu verdeutlichen. Das Zusammenspiel aus Text und Bild zeichnet ihre Arbeiten aus, wobei sich das Bildnerische in den Vordergrund drängt und den Blick des Betrachters einfängt. Gebannt schaut man auf die Bilder, emotionalisiert durch ausdrucksstarke naturalistische Porträts, die eingefügt in ein durchaus expressives Bildganzes ein spannungsvolles Arrangement ergeben. Und auch, wenn es auf den ersten Blick nicht so scheint, so vermitteln die Malereien bei genauerer Betrachtung alle Hoffnung und Zuversicht.

Ganz besondere Arbeiten verbergen sich hinter dem Thema von Amelie Jung: „Treppenkunst – Der genaue Blick in die Natur der Gegensätze“. Treppenkunst ist hier wörtlich zu nehmen, die Kunstwerke werden sozusagen wahrnehmbar in ihrer Gegensätzlichkeit durch die Blickrichtung des Betrachters, treppauf oder treppab. Die Schülerin hatte sich zudem noch dazu entschieden, nicht rein malerisch zu arbeiten, sondern räumlich-plastische Installationen in Anlehnung an die Natur zu erstellen, um so auch den Blick für die Natur und ihre Schönheit zu schärfen. Die Betrachter sind gefordert, die „Natur der Gegensätze“ in den einzelnen Werken zu entdecken. Dies gelingt aber nur aus einem bestimmten Blickwinkel treppauf und treppab.

Etwas ganz Anderes beschäftigte Anna-Lena Seelige. Ihr haben es alte stattliche Bauwerke wie z.B. die Kathedrale Notre-Dame in ihrer Einzigartigkeit angetan. „Die Schönheit der Vergänglichkeit in historischen Bauwerken“, scheinbar widersprüchlich klingt ihr Thema. Was ist das Schöne an der Vergänglichkeit historischer Bauwerke? Anna-Lena faszinieren besonders die Spuren der Vergänglichkeit, die man in und an jahrhundertealten Bauwerken entdecken kann. Sie erzählen Geschichten, z.B. von Krieg oder Zerstörung; viele Menschen sind über die Jahrhunderte dort ein und aus gegangen im Wandel der Zeit, auch sie haben ihre Spuren hinterlassen. Die Bauwerke sind stete Zeitzeugen der überdauerten Jahrhunderte, sie hätten viel zu erzählen, wenn sie könnten. Dieses Bewusstsein macht ihren besonderen Reiz für Anna-Lena aus. Und um das zu vermitteln, hat sie sich etwas ganz Besonderes für die künstlerische Umsetzung einfallen lassen: Um den Prozess der Vergänglichkeit dem Betrachter anschaulich vor Augen zu führen, hat sie eine ungewöhnliche Technik gewählt: Sie hat zunächst die Leinwand collagehaft mit vergilbt wirkenden Buchseiten beklebt, Buchseiten, die vielleicht auch Geschichten aus der Vergangenheit erzählen. Auf diesen Malgrund hat sie ihre Motive gesetzt. Die mit Aquarellfarben und Fineliner malerisch-grafisch detailreich und im realistischen körperhaft-räumlichen Darstellungsmodus ausgearbeiteten Gebäude lösen sich in der unteren Bildhälfte durch die Reduktion der Farbigkeit und Detailgenauigkeit immer weiter auf, sie scheinen zu Staub zu verfallen.

Alina Vecerniks Thema lautet: „Malerische Unterwasserwelten in ihrer Lebendigkeit – Spiel mit inversen Sichtweisen“. Fasziniert von Meeresschildkröten aus einem Urlaubserlebnis offenbart die Oelderin Unterwasserwelten in seltsamer befremdlicher Farbigkeit. Dann lässt sie den Betrachter dasselbe Bild durch ein iPad betrachten. Staunend kann dieser so das Bild in altbekannter „normaler“ Sichtweise und Farbigkeit erkennen. Das interessante Wechselspiel aus Positiv und Negativ hat einen ganz besonderen Reiz und animiert zur Interaktion mit dem iPad. Das Spiel mit inversen Sichtweisen, das sich daraus ergibt, hat Alina Vecernik sozusagen in ihre Kunst transferiert. Die einerseits realistisch ausgearbeiteten Schildkröten ergeben im Wechselspiel mit einer expressiv dynamisch angelegten Malweise spannungsvolle und lebendig wirkende Arbeiten.

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