Wadersloh (mw/bb). Es war eine zum Teil emotionale Debatte in den letzten Wochen. Die Ratsfraktionen waren sich bei der Entscheidungsfindung für zwei Anträge für den Bau von Flächen-Photovoltaik im Außenbereich von Liesborn uneinig. Im Hauptausschuss wurde nun ein Kompromiss für den weiteren Beratungsweg gefunden. Wohl vor allem deswegen, weil es viele nicht-öffentliche Beratungen untereinander und mit den beiden Investoren gab, die letztendlich den Konsens möglich gemacht haben.
Die Stimmung im Ratsaal war am Montagabend unterkühlt. Aber nicht menschlich, sondern weil die Heizung aufgrund der Energiesparverordnung etwas runtergedreht war. Nach dem großen medialen Echo der Vorberatungen im Umwelt- und Bauausschuss waren sich die Kommunalpolitikerinnen und -politiker bei der jüngsten Beratung wieder etwas mehr „grün“ im Umgang und bei der Kompromissbereitschaft. Die ursprüngliche Beschlussvorlage fand einstimmig Zuspruch. Sie wurde um die zeitnahe Ausrichtung eines Projekttags erweitert.
Bürgermeister Christian Thegelkamp verwies zu Beginn der Beratung noch einmal auf die vorangegangene Beratung. Das Thema habe eine breite öffentliche Wahrnehmung gehabt, und zwar sowohl in den Fraktionen als auch im Rathaus. Bei der Vielschichtigkeit des Themas sei es aber sinnvoll, dass man sich etwas mehr Zeit nehme, konstatierte der Thegelkamp. Mit einem Projekttag am 28. Januar 2023 soll das komplexe Thema noch einmal abgeklopft werden, damit eine rechtliche Grundlage für die Gemeinde und eine Planungssicherheit für die Investoren entwickelt werden kann.
Nach der zuletzt etwas aufgeladenen Diskussion mit gleich mehreren öffentlichen Statements fanden die Meinungsverschiedenheiten ihr friedvolles Ende. Rudi Luster-Haggeney (CDU) begrüßte dabei die vielen konstruktiven Gesprächen und das Endergebnis: „Die CDU freut sich, dass nun alle zusammen bei diesem wichtigen Thema einen gemeinsamen Beratungsweg bis zur Entscheidung gehen wollen“, so der Fraktionsvorsitzende der CDU. „Das Thema ist viel zu wichtig und das Ergebnis vermutlich ortsbildprägend. Deshalb ist es nicht nur schön, sondern für uns auch zwingend, und vorher so gut es geht, sachkundig zu machen, bevor wir Entscheidungen zu treffen“. Bei den beiden Investoren hatten zuvor Vor-Ort-Termine stattgefunden, die bereits weitere informative Erkenntnisse gebracht hätten. Der Projekttag Ende Januar 2023 soll die finale Entscheidungsfindung beschleunigen. Möglichst im Februar sollen nach Wunsch der CDU gemeinsame Beratungen in den Ausschüssen auf die Agenda kommen.
Heino Teckentrup (FWG) begrüßte den gemeinsamen Beschlussvorschlag. „Das ist der Weg der Mitte. Ausgerichtet am Klimaschutzkonzept und ein positives Signal an die Investoren“, so Teckentrup. Anne Claßen (SPD) zeigte sich erfreut, dass man sich zusammengesetzt habe, um den Streit beizulegen und zurück zur Sachlichkeit gekehrt ist. Sie war sich aber auch sicher, dass es nicht bei den bisherigen Anträgen bleiben werde und dass man künftig nicht nur über Glas auf Dächern und Feldern, sondern auch über die Windenergie reden müsse. Jens Gregor (FDP) fasste es nochmal prägnant zusammen: „Schön, dass das hitzige Thema sachlich endet!“ Bürgermeister Thegelkamp griff direkt das angesprochene Thema Windenergie auf: „Beim Ausbau der Windkraft gibt es derzeit Aktivitäten aus dem Ort heraus. Hier wird es nach dem Projekttag für die Flächen-Photovoltaik Ende Januar am 14. Februar 2023 ebenfalls eine Informationsveranstaltung geben“, kündigte der erste Bürger der Gemeinde an.
Die einstimmig beschlossene Beschlussvorlage im Wortlaut

Foto/Text: mw/bb.


