Neulich an der Fischtreppe: Wenn der Schaffriseur zum Hausbesuch bekommt…

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Diestedde (mw/bb). Erst vor wenigen Tagen erblickte ein Babyschaf an der Fischtreppe am Mühlenweg das Licht der Welt. Noch etwas wacklig auf den Beinen erkundet der tierische Nachwuchs schon die grüne Umgebung am Schloss Crassenstein. Um den neuen Erdenbewohner gebührend zu begrüßen, habe sich die Waliser Schwarznasenschafe in den letzten Tagen ordentlich herausgeputzt. Und damit die feinen Schafsdamen und -herren nicht den weiten Weg in die große Stadt antreten mussten, machte der Friseur sogar einen Hausbesuch. In der neuen MW-Reportage zeigen wir den Schafscherer Andreas Hill aus Telgte bei seiner Arbeit.

„Du hast zu wenig Wolle, Wauwau. Bei dir lohnt sich das nicht“

Hannes, Hilary, Elise, Bernie, Leni und Ingeborg sind aufgeregt an dem großen Tag. Vor allem Hilary kann es kaum erwarten. Während die Frühlingssonne zum Spaziergang rund um das Schloss einlädt, ist die Wolle doch ganz schön warm geworden in den letzten Wochen. Andreas Hill begrüßt jedes Schaf einzeln und erkundigt sich bei Rainald Gehringhoff nach dem Befinden seiner tierischen „Kunden“. Während im Hintergrund das Wasserad klappert und die Ziegen neugierig (und wohl auch etwas schadenfroh, selbst viel weniger Wolle zu besitzen) die Köpfe Richtung Schafsherde strecken, trügt die Idylle. Nach der Maniküre, die Andreas Hill routiniert vornimmt, lässt das Geräusch des Schergeräts kein Zweifel daran, dass die Wolle heute wohl oder übel ab muss!

Routiniert macht sich Andreas Hill an die Arbeit. Ganz einfach ist die Schur eines Walisischen Schwarznasenschafs nicht.

Bis zu 700 Schafe pro Saison lassen sich von dem Schäfer die Wollfrisur machen. Manchmal dauert das nur zwei, drei Minuten, doch für die Diestedder Schafsfamilie nimmt sich der Experte etwas mehr Zeit bei der Bodenschur. „Das ist schon eine Kunst für sich“, erklärt Hill. Die Besonderheit bildet die Rasse, denn die Waliser Schwarznasen habeen engeanliegende Hörner und das macht die Kopfschur nicht einfach. Schaf für Schaf schrumpfen die lebenden Wollknäuel auf vier Beinen. Bei Hilary nimmt sich Hill extra etwas mehr Zeit, denn die Gute ist in Umständen und schon bald darf sich die Herde auf Nachwuchs freuen. Mit stoischer Gelassenheit verfolgen die übrigen Schafe und der Hund das Schauspiel. „Ihr seid gleich auch noch dran“, mag sich Hilary denken, während das ratternde Geräusch der Schermaschine das Schaf sichtbar schrumpfen lässt. Ein besonderes Handwerk und nicht nur für die Schafe ein ereignisreicher Tag. Neugierig schauen auch die Nachbarn hinter dem Zaun bei dem Schurspektakel zu. Und irgendwann ist der Einsatz für Andreas Hill beendet. Beim nächsten Mal darf er dann ein Schaf mehr von der Wolle befreien. Der Sommer kann kommen!

Die Videoreportage gibt es auf Youtube auch in 4K/UHD (externer Link)

Eine Reportage von Benedikt Brüggenthies

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