Vater-Sohn-Projekt: Wenn ein roter Traktor zum Familienmitglied wird

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Diestedde (mw/bb). Aloys Knubel ist in Diestedde jemand, den man ein „Diestedder Original“ nennt. Eigentlich kennt jeder Dorfbewohner den engagierten Heimatfreund, und zwar vor allem am Steuer seines roten Traktors. Fast keine Woche vergeht, an dem Aloys nicht langsam und gemächlich auf dem Sitz des „Fahr D 177 S“ über das heimische Land tuckert. Der rote Traktor nimmt eine ganz besondere Stellung bei der Familie Knubel. Ohne ein ehrgeiziges Vater-Sohn-Projekt wäre das Gefährt schon längst nicht mehr da und fahrbereit.

Stolz bringen Aloys und Stefan Knubel eine hölzerne Ehrenplakette am Kühler des Ackerschleppers an. 60 Jahre jung wird das PS-strotzende Gefährt in diesen Tagen und schon seit mehr als 40 Jahren gehört er zur Familie Knubel. 1975 hat Aloys Knubel den ausgedienten Trecker von Lohnunternehmer Alfons Schröer Senior erworben. Davor lief der Schlepper auf dem Hof Tigges.  Kurz zuvor hatte der kleine Kraftprotz auf vier Rädern noch einen neuen Austauschmotor erhalten und so stand dem Dienst auf dem Acker der Familie Knubel nichts mehr im Wege. Ganz besonders hat sich Sohn Stefan über den besonderen Familienzuwachs gefreut. Alte Kinderfotos zeigen den gerade einmal fünf Jahre alten Sohnemann mit dem Sitz des Treckers und einem spitzbübischen Grinsen im Gesicht.

Der Schlepper kam Familie Knubel wie gerufen und war seit Mitte der 1970er fast täglich im Einsatz, um die 13 Hektar Ackerfläche zu bestellen. An einem schicksalshaften Tag im Jahr 2000 war es dann soweit: Der Trecker konnte einfach nicht mehr. Die kleinen Reparaturen, die ihn immer wieder aufrappelten, reichten nicht mehr aus. Für Aloys und Stefan Knubel kam eine Trennung von dem liebgewonnenen Fahrzeug trotzdem nicht infrage. Sie starteten kurzentschlossen ein Vater-Sohn-Projekt und restaurierten den Trecker. „Wir haben den Trecker komplett auseinandergenommen. Der Motor wurde generalüberholt, die marode Kraftstoffpumpe ersetzt. So einfach wollten wir unseren Trecker nicht aufgeben“, schmunzelt Stefan Knubel und erinnert sich gerne an das Familienprojekt, das fast drei Jahre lang andauerte und an dessen Ende eine neu lackierte und funktionstüchtige Schönheit auf dem Hof stand.

Der wohl schönste Tag der Trecker-Fans war der erste Ausflug nach der Restaurierung und zugleich der letzte Arbeitstag von Aloys Knubel beim Bauhof der Gemeinde Wadersloh: „Im Jahr 2003 konnten wir eine neue TÜV-Plakette anbringen lassen und ich habe es mir nicht nehmen lassen und bin mit dem Traktor nach Wadersloh gefahren“, sagt Aloys Knubel mit einem Lächeln in Richtung des roten Gefährten auf vier Rädern. Und da die Familienbande so groß ist, hat auch Stefan Knubel eines Tages den gleichen Plan für seinen letzten Arbeitstag.

Bis heute sieht man ein Familienmitglied der Knubels mit dem roten Ackergefährt durch das Nikolausdorf fahren. Schwere Arbeiten vollrichtet der PS-starke Trecker aber nicht mehr. Aber für Hilfseinsätze in der Nachbarschaft tuckert der kleine Schlepper noch oft über die Feldwege. Ob Wasser- oder Heulieferungen für die Nachbarn, als Hilfsfahrzeug für den Jagdwagen der Jäger im Winter, als Schlepper für den Maibaum des Nachbarschaftsvereins „Morgenland“ oder einfach nur für eine kleine Tour durch die Natur. „Der Fahr D 177 S findet auf Dorffesten und Oldtimertreffen viel Beachtung. Wir sind stolz auf unser Fahrzeug und allen dankbar, die in der Zeit der Restaurierung ihre Zeit investiert haben“, sagt Alois Knubel. Seit 45 Jahren gehört der „Fahr D 177 S“ zur Familie und eines steht fest: Alte Liebe rostet nicht -und so wird der Schlepper wohl noch viele Kilometer zurücklegen.

Fotos/Text: B. Brüggenthies

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