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    Rund um den Kirchturm

    Vorhang auf für die Morißes: Stromberger Familie steht bei den Lippetaler Passionsspielen auf der Bühne

    Benedikt BrüggenthiesBy Benedikt Brüggenthies14. März 2019Lesedauer: 5 Minuten
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    Foto: Bistum Münster

    Oelde-Stromberg (pbm/acl). „Macht, wir brauchen Macht. Liebe kann die Welt nicht regieren.“ Entschlossen singt Jürgen Moriße sein Solo und stemmt dabei den Stab und seine Faust in die Luft. Auf der Bühne in der St.-Albertus-Magnus-Kirche in Lippetal-Hovestadt ist er der Böse. Der 45-Jährige geht voll auf in der Rolle des Kajaphas, des Obersten der Hohen Priester. Zum zweiten Mal spielt der Familienvater bei den Lippetaler Passionsspielen mit. Erstmals sind in diesem Jahr auch seine Frau Mechtild Nienaber sowie die beiden Kinder Michael (10) und Merle (8) mit dabei.

    Text/Fotos: Ann-Christin Ladermann, Bischöfliche Pressestelle/Region Münster-Warendorf

    Foto: Ann-Christin Ladermann

    Singen – das ist das große Hobby von Jürgen Moriße. „Ich habe früher schon in Projekten wie dem Messias oder dem Weihnachtsoratorium mitgesungen“, schaut er zurück. Die Lippetaler Passionsspiele aber seien etwas Außergewöhnliches. „Die Gemeinschaft, die Intensität der Erzählung – das hat mich sofort gepackt.“ 2014 wurde ein speziell für die Lippetaler Passionsspiele geschriebenes Drehbuch über die Leidensgeschichte Jesu erstmals auf die Bühne gebracht. Rund 120 Darstellerinnen und Darsteller sind im Einsatz, viele weitere wirken im Hintergrund bei Maske, Kostüm, Bühnenbild und Technik mit. Nach einer Wiederholung 2015 geht es am Samstag, 16. März, wieder los. Mit einem Gottesdienst um 17 Uhr in der St. Ida-Basilika wird die Spielzeit offiziell eröffnet. Die Schirmherrschaft hat Münsters Bischof Dr. Felix Genn übernommen. Alle neun Aufführungen waren in wenigen Minuten ausverkauft.

    Foto: Ann-Christin Ladermann

    Der Moriße-Nachwuchs Michael und Merle kann fast jedes der modernen christlichen Lieder, geschrieben von Siegfried Fietz und Oliver Fietz, auswendig. „Die CD lief im Auto rauf und runter“, erklärt Mutter Mechtild lachend. „Mein Mann musste ja Text und Musik üben.“ Sie selbst hat gleich mehrere Rollen: In der Szene der Bergpredigt spielt sie eine Lepra-Kranke, die von Jesus geheilt wird. Im sonstigen Verlauf ist sie im Volk und bei den Soldaten zu sehen. „Ich habe schon gehört, dass man mich manchmal kaum erkennen kann“, lobt sie die Arbeit der nähbegeisterten Frauen im Hintergrund, die die Gewänder für die Schauspielerinnen und Schauspieler geschneidert haben. Es ist die Liebe zum Detail, die das Ehepaar immer wieder beeindruckt. So trägt Kajaphas eine Tonplatte mit zwölf bunten Feldern um den Hals, die die zwölf Stämme Israels symbolisieren. Eine Spezialanfertigung des örtlichen Töpferateliers.

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    Foto: Ann-Christin Ladermann

    Schon den ersten Auftritt ihres Mannes vor fünf Jahren hat Mechtild Nienaber begleitet. Gemeinsam mit den Kindern, damals fünf und drei Jahre alt, hat die Erzieherin bei vielen Proben zugeschaut – und Fragen von Michael und Merle beantwortet. „Viele Szenen sind so gut gespielt und echt dargestellt, so dass die Geschichte oft Thema am Tisch war“, erinnert sie sich. Mittlerweile kennen die beiden die Leidensgeschichte Jesu auswendig – und spielen selbst mit. Gemeinsam mit rund 20 anderen Mädchen und Jungen. Merle fühlt sich pudelwohl inmitten der – von den

    Foto: Ann-Christin Ladermann

    Mitgliedern selbst so bezeichneten – Passionsfamilie. „Es macht Spaß auf der Bühne zu stehen und zu singen“, sagt die Achtjährige. Wo gearbeitet wird, muss man sich auch stärken: Sohn Michael schätzt darum besonders das Mitbring-Buffett, an dem man sich bei den Proben jederzeit bedienen kann.

    Was die Familie motiviert, ein Jahr lang nahezu jeden Donnerstagabend zu proben und mehrere Wochenenden dafür zu opfern? „Der kleine Hauch von Berühmtheit“, antwortet der Familienvater augenzwinkernd. Die Kombination aus modernem Gesang und Schauspiel mache ihnen große Freude. Damit der Schlussapplaus auch genossen werden kann, ist eines wichtig: „Man muss während des gesamten Stücks in seiner Rolle bleiben und auch in den Szenen, wo man selbst nicht spielt, in der Geschichte bleiben und in meinem Fall als Kajaphas mitfiebern“, erklärt er. Ein Hinweis, den Regisseur Wolfgang Lamminger den Schauspielern immer wieder gibt. Denn: Der Zuschauer merkt alles. Wenn dann am Ende der Beifall aufbrandet, fällt alles ab. „Das ist schon emotional, vor allem wenn man dann ins Publikum schaut und nicht wenige mit Tränen in den Augen sieht, weil sie so ergriffen sind“, sagt der Kajaphas-Schauspieler.

    Für Familie Moriße ist ihr Mitwirken bei den Lippetaler Passionsspielen mehr als nur ein Projekt. „Hier entstehen tiefe Freundschaften, die über die Spielzeit hinaus bleiben“, weiß Jürgen Moriße bereits aus Erfahrung. Und das leben die Darsteller auch: Eine Umarmung bei der Begrüßung, ein Mut machendes Wort vor dem Solo, wertschätzendes Feedback nach dem Auftritt. „Eben wie eine Familie.“

    Schirmherrschaft

    Münsters Bischof Dr. Felix Genn ist Schirmherr der Lippetaler Passionsspiele 2019. „Ich bin all den vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, vor und hinter der Bühne, sehr dankbar, dass sie uns die Passion Jesu Christi so nahe bringen“, sagt er. Die durchwachte und durchbetete Nacht am Gründonnerstag, die grausame Ermordung am Karfreitag und die Auferstehung der Osternacht seien wahrscheinlich „das größte Geheimnis, das die Menschheit je erlebt und betrachtet“ habe. „Wenn ich den Kreuzweg gehe, privat oder mit anderen Menschen, rücken die Dinge, die ich als Mensch und als Bischof zu tragen habe, ganz nah an die Person Jesu Christi heran“, beschreibt der Bischof seine Erfahrung. „Das Symbol unseres Glaubens ist nicht die Fahne des Triumphes, sondern das Kreuz.“

    Text/Fotos: Ann-Christin Ladermann,
    Abteilung Medien- und Öffentlichkeitsarbeit,
    Bischöfliche Pressestelle/Region Münster-Warendorf

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