DIESTOPIA2025: Wir dürfen den Anschluss nicht verlieren [KOMMENTAR]

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Mein-Wadersloh.de berichtet als digitales Dorfportal seit fünf Jahren über das vielfältige Dorfleben und die Vereinsarbeit. Das Projekt steht aber nicht nur für eine bunte Medienlandschaft, sondern setzt sich auch aktiv für das dörfliche Miteinander ein. Die Zukunft der drei Wadersloher Dörfer liegt uns am Herzen. Darum haben wir die Kampagne „DIESTopia2025“ ins Leben gerufen.

Ein Kommentar von Benedikt Brüggenthies (Chefredakteur und Gründer von Mein-Wadersloh.de).

Wadersloh, Liesborn und Diestedde brauchen mal wieder einen Volltreffer

Anfang 2018 haben wir die Initative „DIESTopia2025“ gestartet. Der Name ist ein Wortspiel aus „Dystopie“ (=düstere Zukunftsaussicht), dem Ortsnamen „Diestedde“ und dem Jahr 2025. Wir haben uns bewusst für ein Jahr in naher Zukunft entschieden, denn für Liesborn und Diestedde schlägt die Uhr bereits „Fünf vor Zwölf“. Die von der Gemeinde Wadersloh initiierte und dem LEADER-Projekt (EU-Mittel) finanzierte Sozialraumanalyse muss ganz oben auf die Agenda unserer Lokalpolitiker. Es ist jetzt an der Zeit, zu handeln. Seit Jahren fragen wir bei der Gemeinde Wadersloh nach dem Stand in Sachen „Nahversorgung“. Natürlich ist es nicht einfach, ein tragfähiges Konzept zu entwickeln und die Dorfbewohner davon zu überzeugen, in einem kleinen Lebensmittelladen vor Ort einzukaufen, aber was spricht dagegen, alle Möglichkeiten der Öffentlichkeitsarbeit (analog und digital) zu nutzen, um auf das Thema aufmerksam zu machen? Viele Probleme in den Dörfern sind hausgemacht und ganz bestimmt keine neuen Erkenntnisse, für die man eine Sozialraumanalyse gebraucht hätte.

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Wir brauchen Leuchturmprojekte in der Gemeinde

Die Gesellschaft hat sich maßgeblich verändert und Wadersloh, Diestedde und Liesborn haben längst den Anschluss verpasst. Die umliegenden Orte sind uns in vielen Bereichen um Lichtjahre voraus. Natürlich ist es bedauerlich, dass der Bürgerbus sein Streckennetz nicht weiter ausbauen kann. Aber wo es ehrenamtlichen Fahrern fehlt, kann man (noch) keine autonomen Fahrsysteme einsetzen. Das Thema Digitalisierung hat anscheinend überhaupt keine Rolle gespielt in der Sozialraumanalyse. (Fast) jeder von uns hat 24/7 sein Smartphone in der Hand oder in unmittelbarer Reichweite. Digital ist die Zukunft und dennoch sind die Internet- und Mobilfunkverbindungen nicht leistungsfähig genug, um unsere Gemeinde fit für die digitale Zukunft zu machen. Trotz des Wegfalls der Störerhaftung gibt es keinen Freifunk in Wadersloh, aber dafür unzählige Funklöcher.

Zumindest an der ehemaligen LHZ tut sich endlich was

Besonders der Ortsteil Diestedde wird als wenig attraktiv empfunden. Und das zurecht. Die wunderbaren idyllischen Ecken rund um Schloss und Diestedder Berg (s. Video) hätten eigentlich ein gewaltiges Potential für Wanderer und Radfahrer von Nah und Fern. Touristisch erschlossen ist der Ort dennoch nicht. Kaffee und Kuchen gibt es nur im Stehcafé an der Langen Straße, kühle Erfrischungsgetränke an der Tanke (Sonntagnachmittags sind beide Einrichtungen geschlossen). Das war es dann. Schade für die Tagestouristen, die enttäuscht weiter Richtung Beckum, Herzfeld und Oelde weiterfahren müssen und dort ihr Geld lassen. Die Idee für einen nutzbaren Baggersee als Freizeitangebot in Liesborn ist übrigens schon knapp 15 Jahre alt und wird wohl auch eher eine Vision bleiben. Immerhin wird das Liesborner Evangeliar in Zukunft scharenweise Touristen ins Liesedorf locken.

Unsere Dörfer sind gefangen in alten Strukturen. Wir brauchen wieder mehr von dem „Miteinander“

Das Fehlen eines „Dorfbrunnens“ als Ort des Austausches und Kommunikation in Form eines Supermarkts oder Cafés hat auf vielen Ebenen Einfluss auf die Dorfgemeinschaft. Hands auf Herz: Ohne das Baugebiet „Diestedde West“ und die mutigen gebürtigen Diestedder, die ihre (Heimat-) Liebe über alles andere stellen, wird „DIESTopia2025“ Realität! Landjugend, Kolping und Frauengemeinschaft haben bereits aufgegeben. Auch sonst hat das Vereinsleben nachgelassen. Das Ehrenamt ist nicht mehr „chic“ und wer sich den sprichtwörtlichen, ehrenamtlichen Arsch aufreisst bekommt wenig Wertschätzung dafür. Dabei ist es gerade das Vereinsleben und das damit verbundene Ehrenamt, dass maßgeblich die Freizeitmöglichkeiten in der Großgemeinde mitgestaltet. Warum also für sein Dorf eintreten? Ganz einfach: Weil ein Dorf wie Diestedde (und Liesborn und Wadersloh) nur eine Zukunft hat, wenn die Bedürfnisse der Bürger und zwar in jeder Altersklasse erfüllt werden und man als Gemeinschaft und für eine gemeinsame Sache eintritt: Das Überleben unserer Dörfer.

Ob Projekte wie die Remise die Dorfgemeinschaft wieder näher zusammenrücken lässt?

„DIESTopia2025“ ist ein Appell. Nicht nur an Diestedde, sondern auch an Liesborn und an Wadersloh. (Nicht nur) die Maibaumaktionen haben gezeigt, dass wir wieder mehr zusammenrücken müssen. Wir sollten mit unseren Lokalpolitiker ins Gespräch kommen und unsere Wünsche kundtun. Die Jugend muss für das Thema „Heimat“ begeistert werden (Anm.: Für das Kommunalpolitik-Projekt „Beweg was!“ der Gemeinde Wadersloh haben sich übrigens gerade einmal sechs Interessen angemeldet). Wir brauchen nicht nur ein Leuchtturmprojekt in jedem Ortsteil, sondern auch den Mut, uns mehr für unsere Heimat einzusetzen. Also direkt einen Leuchtturm-Park (die Windräder leuchten auch schön, bezwecken aber etwas Anderes). Die Frage lautet nicht „warum“ sondern „warum nicht?“. Nicht immer über alles beschweren, sondern mitgestalten! Mitmachkultur statt Meckerkultur! Packen wir es an!

Kritik und Meinungen gerne per Mail an redaktion@mein-wadersloh.de


Über den Autor

Gründer & Chefredakteur von Mein-Wadersloh.de

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