Wadersloh (mw/bb). Die anhaltende Diskussion um die Schultoiletten an der Sekundarschule Wadersloh (SKW) wirft eine wichtige Frage auf: Reichen organisatorische Maßnahmen und Aufsicht aus, um die Privatsphäre der Schülerinnen und Schüler zu schützen, oder sind bauliche Veränderungen notwendig? Die Gemeinde Wadersloh wollte eigentlich erst abwarten, doch angesichts möglicher unerwünschter Einblicke und heimlicher Foto- oder Videoaufnahmen sollte der Schutz der Jugendlichen oberste Priorität haben, meint die Schulpflegschaft der SKW. Zu dem Thema hat uns nun ein Leserbrief der Zukunft(s) Initiative Nachhaltigkeit (ZIN19) erreicht. Darin wird statt eines teuren Umbaus ein konsequentes Handyverbot auf dem Schulgelände und ein sofortiges Handeln der Schulträgerin zur Verbesserung der aktuellen Situation angeregt. Auch solle man die Toilettenaufsicht nicht auf das Lehrpersonal auslagern, so die Initiative.
Der Leserbrief von ZIN19 im Wortlaut:
„Die Wahrung der Intimsphäre beim Toilettenbesuch sollte selbstverständlich sein – besonders in einer Schule. Deshalb ist es richtig, dass sich Schulleitung, Eltern und Gemeinde mit der Toilettensituation an der Sekundarschule Wadersloh beschäftigen. Doch muss die Lösung gleich ein kostenintensiver Umbau sein?
Das Problem liegt offenbar nicht nur in der baulichen Gestaltung der Toiletten, sondern auch im möglichen Missbrauch von Smartphones. Heimliche Foto- und Videoaufnahmen sowie deren Verbreitung im Internet sind keine harmlosen Jugendstreiche, sondern schwerwiegende Eingriffe in die Persönlichkeitsrechte, die strafrechtliche Folgen haben. Die Sekundarschule bezeichnet sich bereits als „handyfreie Schule“. Allerdings gilt für die Klassen 8 bis 10 während der großen Pausen auf dem Außengelände eine Ausnahme. Warum eigentlich? Wäre es nicht konsequenter, das Handyverbot während der gesamten Schulzeit auf dem gesamten Schulgelände für alle Schülerinnen und Schüler einheitlich durchzusetzen?
Klare Regeln allein reichen allerdings nicht. Ihre Einhaltung muss kontrolliert und Verstöße müssen konsequent geahndet werden. Gleichzeitig sind Schule,Lehrerschaft und Elternhaus gefordert, über Persönlichkeitsrechte, Mobbing und mögliche strafrechtliche Konsequenzen aufzuklären. Gleichzeitig darf das ungute Gefühl der Kinder nicht ignoriert werden. Dass bereits rund 14.000 Euro im Haushaltsplan für Verbesserungen im Raum standen, zeigt, dass der Handlungsbedarf längst erkannt wurde. Wenn die Verwaltung nun jedoch argumentiert, dass ein Umbau direkt zu einem langwierigen Großprojekt inklusive neuer Belüftungsanlagen aufgeblasen werden muss, schießt dies völlig am Ziel vorbei und dient offenbar nur dazu, die Ratsmitglieder durch immense Kosten abzuschrecken. Auch der behördliche Vorschlag, das Problem rein organisatorisch durch verstärkte Kontrollen der Lehrkräfte zu lösen, ist realitätsfern – Lehrer sind Pädagogen und keine Toiletten-Aufsichten.
Hier muss die Gemeinde als Schulträger sofort und pragmatisch handeln: Der Markt bietet längst intelligente Trennwandsysteme, die durch versetzte Profile oder Lamellen eine einwandfreie Luftzirkulation ermöglichen. Sie schließen jede Sichtlinie und schaffen mit einfachen Mitteln sofortige Privatsphäre – und bieten damit einen wirtschaftlichen Lösungsansatz, der sich eng an dem ursprünglich angedachten Budgetrahmen von 14.000 Euro orientieren kann, anstatt finanzielle Luftschlösser zubauen.
Die berechtigten Sorgen der Schülerinnen, Schüler und Eltern müssen ernstgenommen werden. Ebenso ernst genommen werden muss aber auch die Verantwortung gegenüber den Steuerzahlern. Denn verantwortungsvoller Umgang mit Steuergeldern und wirksamer Schutz unserer Kinder schließen sich nicht aus – sie gehören zusammen.“

