Von Bienen und Menschen: Faszinierende Europareise mit Ulla Lachhauer

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Liesborn-Göttingen (mw/bb). Ja, es gibt sie noch, diese magischen Momente der Entschleunigung. Mucksmäuschenstill war es vergangenen Freitag auf der Tenne der Familie Beerhues. Ein weiteres Mal bündelten regionale Akteure die Kräfte und organisierten eine Lesung mit der bekannten Autorin Ulla Lachhauer. Bei der jüngsten Veranstaltung ging es um ein ganz besonderes Kapitel aus dem Leben von Ulla Lachhauer. In ihrem Buch „Von Bienen und Menschen“ nahm die Dokumentarfilmerin ihr Publikum mit auf eine faszinierende Reise zu Imkern in ganz Europa und berichtete von unvergesslichen Begegnungen.

Rund 50 Personen lauschten der Dame in dem großen Sessel, die es sich an diesem Abend auf der Tenne des Naturhofs in Liesborn-Göttingen bequem gemacht hat. Während die schweren Holzbalken knartschen, ein Vogel vergnügt vor sich hinflattert und den Anwesenden ein Ständchen bringt, und der wärmende Ofen knistert, wird es still auf der Tenne. Ulla Lachhauer sieht man an, dass sie die Natur und die Menschen liebt. Mit ihren herzerwärmenden Porträts über Menschen in ganz Europa trifft sie einen Nerv. Gebannt lauschen die Anwesenden den Erzählungen. Die Sowjetunion in den 90er-Jahren, die Begegnung mit Russland-Deutschen, die das Imkern so lieben wie sie selbst. Die Geschichte über den engagierten Stadtimker, der auf Sinnsuche sein altes Leben hinter sich lässt und sich fortan den Bienen widmet. „Imkerei und die Suche nach dem Sinn des Lebens haben sehr viel miteinander zu tun“, erzählt die Autorin. Zustimmendes Nicken von den anwesenden Imkern aus der Region. Das Buch „Von Menschen und Bienen“ handelt von diesem hochkomplizierten Zusammenwirken.

Als Landtierarzttochter kam Ulla Lachhauer schon früh mit den Wildtieren in Kontakt. So fremd sind sich Mensch und Biene nicht, entkräftigt Ulla Lachhauer ein altes Vorurteil. Die Ruhe, die ein Imker den Bienen in seiner Obhut widmet, sei heute in der modernen Zeit fast verloren gegangen. Die Imkerei lässt einen zur Ruhe kommen, durchatmen. Diese besondere Beziehung zur Natur hat nichts mit der Hektik des heutigen Alltags gemein. Das merken auch die aufmerksamen Zuhörer, die sich an diesem Abend auch zu Wort melden und ihre eigenen Geschichten erzählen. Hier hört nun wiederum Ulla Lachhauer gespannt zu. Sicher erkennt sie viele Parallelen zu ihren eigenen Reisen und Erlebnissen. Ihr Appell lautet, dass man auf die Stimme des Imkers hören solle. „Sie sind besondere Zeitzeugen“, so die Autorin. Voller Begeisterung erzählt sie von dem „Bienenland“ Slowenien. Von weiteren Bewegungen mit syrischen Flüchtlingen. Die gesammelten Erlebnisse von 2015-2018 sind somit auch ein zeitgeschichtlicher Abriss quer durch den Kontinent Europa. Ulla Lachhauer hat die ländliche Welt, die sie in ihrer eigenen Kindheit zu lieben gelernt hat, in ein Buch über Menschen und Bienen gebracht und weckt damit vor allem die Sehnsucht nach Frieden und Ruhe in unserer hektischen Welt.

Dass der Evangelischen Kirchengemeinde Wadersloh, der VHS Beckum-Wadersloh und dem Ev. Erwachsenenbildungswerk Gütersloh die Nachhaltigkeit am Herz liegt, bewiesen bereits vorangegangen Veranstaltungen. Mit der preisgekrönten Autorin und Dokumentarfilmerin gelang den Veranstaltern ein echter Glücksgriff. Gleiches gilt auch für den Veranstaltungsort. Auch auf dem Naturhof Beerhues pulsiert das grüne Leben. Hier wird Natur sicht- und erlebbar. Nach der Lesung bestand Gelegenheit zu einem Spaziergang durch den Naturgarten. Der Austausch mit heimischen Imkern Siegfried Lau (Imkerverein Lippstadt, und Marion Domke (Imkerverein Wadersloh) rundete den erlebnisreichen Ausflug in die geheimnisvolle Welt der Bienen ab.

Text/Fotos: B. Brüggenthies

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